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Schockstarre nach tödlichem Unglück auf Waldkurs

nh, bv; 4. Jul 2016, 12:15 Uhr
Bilder: Michael Gauger --- Bereits kurz nach dem Unglück bemühten sich Helfer um die Verletzten.
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Schockstarre nach tödlichem Unglück auf Waldkurs

nh, bv; 4. Jul 2016, 12:15 Uhr
Wiehl - Polizei und Staatsanwaltschaft setzen Ermittlungen fort - Getöteter Mann und weitere Verletzte standen offenbar in einer für Zuschauer nicht freigegebenen Sperrzone.
Von Nils Hühn und Bernd Vorländer

Der Schock sitzt immer noch tief. Jörg Steinhausen fehlen die Worte, der Vorsitzende des MSC Bielstein ist den Tränen nahe. Monatelang hatte der Verein auf das Großereignis, die MX Masters, hingearbeitet, die Strecke, den Bielsteiner Waldkurs, noch sicherer und für die Zuschauer interessanter gemacht. Dann kam der Sonntag – und nach 25 Minuten im ersten Lauf war nichts mehr so wie zuvor. Ein Fahrer verlor die Kontrolle über seine Maschine, stürzte und das schwere Zweirad flog in eine Zuschauergruppe, die in der Nähe stand. Ein 28-jähriger Mann erlitt tödliche Verletzungen, drei weitere Menschen mussten ins Krankenhaus gebracht werden, zahlreiche Besucher, unter anderem die Ehefrau des Getöteten, die mit ihren beiden kleinen Kindern unmittelbar neben ihrem Mann gestanden hatte und unverletzt blieb, erlitten einen Schock. Bereits gestern hatten Staatsanwaltschaft und Polizei die Ermittlungen aufgenommen, um die Umstände des Dramas aufzuklären. „Wir sind alle erschüttert“, sagt Jörg Steinhausen. Nie zuvor habe es auf dem Waldkurs solche tragischen Ereignisse gegeben.


Nach Auskunft des mitveranstaltenden ADAC, der für die Rennserie verantwortlich ist, kam es nach ersten Erkenntnissen der Ermittler aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände zu dem Geschehen. Aufgrund eines Regenschauers hatten sich einige Zuschauer unter einem großen Baum untergestellt. Dieser Bereich war jedoch als Sperrzone ausgewiesen. Nach Auskunft von Zeugen sollen Sportwarte unmittelbar vor den dramatischen Ereignissen noch mit Zurufen und Trillerpfeifen die Zuschauer aufgefordert haben, den Platz zu verlassen. Offenbar hat auch einer der Verletzten versucht, die Menschen in Sicherheit zu bringen. Sperrzonen seien bewusst ausgeschildert, weil es sich dabei um Gefahrenbereiche handele, die nicht betreten werden dürften, so der ADAC.

Diese Aussagen entsprechen auch den ersten Erkenntnissen der Polizei. Diese ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und schwerer Körperverletzung gegen den 25-jährigen Motocrossfahrer, als dem Unfallverursacher. Zunächst wird dabei die Spurenlage ausgewertet. Bereits gestern wurden Luftbilder vom Unglücksort und der Strecke per Helikopter gemacht. Da es sich um einen Unfall im Rennsport handelt, ermittelt nicht das Verkehrskommissariat, sondern die Kriminalpolizei. „Aufgrund des unwegsamen Geländes mit Höhenunterschieden erhalten wir die Unterstützung eines LKA-Tatort-Teams“, so Polizeisprecherin Monika Treutler.



Nach der Sicherung aller Spuren am Tatort würden auch Zeugen sowie die Veranstalter befragt. „Wir werden uns zu Beginn der Ermittlungen nicht auf eine Richtung festlegen“, erklärte Treutler, dass die Polizei in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft in Ruhe klären will, ob es ein Fehlverhalten des Veranstalters oder der Zuschauer gab. Mit weiteren Ergebnissen rechnet Treutler im Laufe der Woche. Keiner der drei Schwerverletzten befinde sich nach ihrem Erkenntnisstand in Lebensgefahr. Neben den Sanitätern vor Ort samt leitendem Notarzt und dem Oberbergischen Rettungsdienst (drei Rettungswagen und zwei Notarzt-Einsatzfahrzeuge) war auch die Freiwillige Feuerwehr Wiehl mit zehn Kräften der Einheit Bielstein im Einsatz.

„Wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern müssen das Geschehen analysieren und daraus unsere Schlüsse ziehen“, so ADAC-Sprecher Oliver Runschke. Motocross sei für die Teilnehmer kein ungefährlicher Sport, aber Zuschauer seien durch umfangreiche Sicherheitskonzepte eigentlich nie gefährdet. Dass dieses Rennen in Bielstein mit einem tödlichen Zwischenfall endete, sei „ein riesengroßes Drama“, so der ADAC-Sprecher. Den MX-Cup, der eigentlich am kommenden Wochenende stattfinden sollte, sagte der MSC Bielstein ebenso ab wie das Sommercamp, das in den Ferien stattfinden sollte.

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