Bild: privat --- Hans Stenzel mit Oberbergern am Tagbau Garzweiler.
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Verheizte Heimat
Oberberg Eine Fahrt ins rheinische Braunkohlerevier zeigt den oberbergischen Teilnehmern die Folgen des Braunkohletagebaus auf.
Willkommen am größten Tagebauloch der Welt. Sie erleben hier Dinge, die es in der Welt noch nie gegeben hat, mit Folgen, die es so auch noch nie gegeben hat. - So begrüßte Hans Stenzel, seit 25 Jahren Mitweltbeauftragter des Kirchenkreises Jülich, die oberbergische Besuchergruppe am Aussichtspunkt des Braunkohlebaus Garzweiler II. Bis zum Jahr 2045 sollen hier 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle abgebaut und in den nahen Kraftwerken verstromt werden.Das Klimabündnis Oberberg und die Bürgerinitiative Oberberg Süd für den Atomausstieg und die Energiewende hatten gemeinsam zu dieser Informationsfahrt eingeladen. Wir wollen zeigen, dass unser Strom nicht einfach der Steckdose kommt. Die Verbraucher sollten wissen, was es für Menschen und Natur bedeutet, dass 30 Prozent unseres Stroms aus Braunkohle erzeugt werden, so Manfred Fischer, Umweltbeauftragter des Kirchenkreises An der Agger.
Der pensionierte Bergbauingenieur Hans Stenzel erläuterte die ökologischen Folgen des Tagebaus. Demnach würde die Grundwasserlandschaft des Venloer Beckens bis ins Bergische zerstört. Zusätzlich, so Stenzel, würden pro Tonne Braunkohle 1,1 Tonnen CO2 freigesetzt. Bei der anschließenden Fahrt durch leere Dörfer, die verlegt werden müssen und nur noch auf den Abrissbagger warten, zeigte Stenzel den Verlusten gewachsener sozialer Strukturen auf.
Beeindruckt zeigte sich die Besuchergruppe auch von der theologisch begründeten Position des Evangelischen Kirchenkreises Jülich zur Braunkohle als fossilem Energieträger, die bereits im Jahr 1988 formuliert wurde. Dass aus Grundsatzbeschlüssen Taten folgen können, zeigten die erfolgreichen Bemühungen um die Senkung des Energieverbrauchs in kirchlichen Gebäuden: Im Gemeindezentrum Heinsberg konnte durch konsequente Umrüstung 92 Prozent Energie gespart wurde. Auf der Rückfahrt mit kurzem Stopp im Hambacher Forst, dessen Baum- und Tierbestand dem geplanten Ausbau des Tagebaus zum Opfer fallen soll, stieß Manfred Fischers Appell zur Solidarität mit den betroffenen Menschen, zum Energiesparen und zum Einsatz für den Ausbau der regenerativen Energie dann auf offene Ohren.