Bilder: Christian Herse --- Bürgermeister Uwe Töpfer ist mit der Entscheidung alles andere als glücklich.
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Weg für Verbundschule ist frei
Marienheide Gegen den Elternwillen entschied sich der Rat mehrheitlich für den Zusammenschluss von Gemeinschaftsgrundschule und Katholischen Grundschule - Zuvor waren 250 Kinder mit Eltern auf die Straße gegangen.
Von Christian HerseIn einem lautstarken Protestzug marschierten gestern die Kinder der Katholischen Grundschule Marienheide über die Hauptstraße zum Rathaus. Auf den dortigen Treppen erlebte Bürgermeister Uwe Töpfer ein Déjà-vu. Bereits Mitte März stand er an gleicher Stelle und musste sich den Frust von Sportlern anhören, die um ihre Turnhalle in Rodt fürchten. Jetzt soll nach eigenen Aussagen die Katholische Grundschule "vernichtet" werden, was 250 Kinder mit Eltern auf die Barrikaden brachte.
Wir leben hier die Gemeinschaft, Integration und Ökomene und es darf nicht sein, dass diese Schule gegen den deutlichen Elternwille geschlossen werden soll, appellierte Schulpflegschafts-vorsitzende Bianca Engstfeld an die Vernunft der Ratsvertreter, die sich die Proteste anhörten und dann über den Hintereingang das Rathaus betraten. Hier werden eindeutig nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft und die Einsparungen stehen in keinen Verhältnis zum Verlust, der Marienheide droht, äußerte sich Engstfeld kritisch und überreichte Töpfer eine unterschriebene Erklärung aller Eltern zum Erhalt der Schule.
Im umgeräumten Ratssaal fanden schließlich 100 Demonstranten Platz, die eine Gemeinderatssitzung erlebten, welche geprägt war gegenseitigen Anfeindungen der Parteien, offensichtlich sehr nervösen Ratsmitgliedern und einem dünnhäutigen Bürgermeister. Noch vor Beginn der eigentlichen Sitzung kritisierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Marco Coroly die Niederschrift des letzten Gemeinderates: Wir haben mehrfach gefragt, ob Herr Rittel (FDP-Fraktionsvorsitzender, Anm. d. Red.) befangen sei und dies wurde von der Verwaltung verneint. Im Protokoll taucht dies aber nicht auf. Zudem war nicht ersichtlich, ob Herr Fernholz eine geheime Abstimmung für sich oder für die Fraktion beantragt hat, wofür aber ein Fünftel der Mitglieder hätten stimmen müssen. Und dies war alles andere als zu erwarten.
Der angesprochene Wilfried Fernholz, SPD-Fraktionsvorsitzender, bezeichnete im Gegenzug die Vorwürfe als unverschämt und gemein: In solchen Momenten vermisse ich wirklich eine Karin Sarstedt auf Ihrem Platz, denn die wusste noch, was Anstand bedeutete. Auch Töpfer titulierte die Aussagen von Coroly als unwahr und verwies auf das Protokoll, aus dem die Vorgänge eindeutig hervorgingen.
[Mit Trillerpfeifen, T-Shirts und Plakaten ging es zum Rathaus.]
In der folgenden Abstimmung über den Schulverbund blieben die Fronten verhärtet. Im Schulausschuss im März stellte eine Zweizügigkeit noch kein Problem dar, aber plötzlich reduzierte sich die Zahl der Kinder im Schuljahr 2017 von 152 auf 12, teilte Coroly seine Verwunderung mit und führte unter dem Applaus der anwesenden Eltern weiter aus. Zudem wurde das Einsparvolumen zunächst verdoppelt und dann wieder halbiert. Der Elternwille ist eindeutig und ich sehe keinen Grund, diese Schule jetzt aufzugeben. Fernholz indes holte weiter aus: Seit 28 Jahren sitze ich hier im Rat und niemals hätte ich zu träumen gewagt, über die Schließung einer Schule entscheiden zu müssen. Aber die gesellschaftliche und finanzielle Entwicklung zwinge ihn zu diesem Schritt, in dem er auch Positives sieht.
Der Katholische Zweig bleibt mit eigener Klasse und Teilkonferenz eigenständig. Wir sollten dies als Chance betrachten, betonte Fernholz die Stärkung des Grundschul-Standortes in seiner Gesamtheit und bekam von FDP-Mann Jürgen Rittel Recht. Im Verbund kann die Schule noch lange bestehen. Die Kostenreduzierung von 33.000 erscheint nicht viel, erklärte Rittel unter Zwischenrufen aus dem Zuschauerraum, aber wir müssen jeden Cent rumdrehen, weswegen wir heute sogar auf den Kaffee verzichtet haben. SPD-Mann Harald Kramer wandte sich indes an die Eltern und zweifelte die Richtigkeit der Demo an: Wenn Sie auf die Straße gegangen wären, für eine Änderung des Finanzkonzepts, was uns erst zu diesem Schritt zwingt, könnte ich das verstehen. Aber wieso hier für katholische Mathematik demonstriert wird, das sorgt bei mir für Unverständnis.
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So turbulent die Beratungen abliefen, so ruhig endete schließlich die historische Geschichte der Katholischen Grundschule mit einer erneut durch die SPD beantragten geheimen Abstimmung. Mit 17 zu 12 Stimmen sprachen sich die Ratsvertreter für einen Verbund ab dem kommenden Schuljahr aus. Das ist sicherlich nicht das, was sich viele hier gewünscht haben, aber wir müssen jetzt das Beste daraus machen, ging Töpfer auf die Eltern zu. Wir haben gekämpft, wir haben verloren, aber unsere Kinder gehen ab nächstem Jahr auf eine Schule, sodass wir die Anfeindungen aus der Vergangenheit jetzt begraben sollten. Denn wir verfolgen ein gemeinsames Ziel: Das Wohl unserer Kinder, stimmte dann auch eine sichtlich enttäuschte Engstfeld abschließend versöhnliche Töne an.
