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Golddorf: Freckhausen von der schönsten Seite

ls; 4. Jun 2018, 21:45 Uhr
Bilder: Leif Schmittgen --- Natur und Architektur sind in Freckhausen im Einklang: Das Konzept stellten Verteter der Dorfgemeinschaft heute vor.
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Golddorf: Freckhausen von der schönsten Seite

ls; 4. Jun 2018, 21:45 Uhr
Reichshof – Heute präsentierten die Bürger Freckhausens, das 2017 auf Kreisebene Golddorf wurde, ihren Ort der Bewertungskommission auf Landesebene.
Von Leif Schmittgen

Die Einwohner des beschaulichen Örtchens Freckhausen haben ihr Dorf heute besonders schön hergerichtet: Die Hecken sind akkurat geschnitten, die Wiesen gemäht und das Gemüse in den Gärten ist besonders herausgeputzt. Ein Zettel –unterschrieben vom Dorfverein - am frisch eröffneten Bücherschrank wies darauf hin, dass es noch einiges zu tun gebe, im Reichshofer Ortsteil. Niemand Geringeres, als die Landes-Bewertungskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ wird in wenigen Minuten erwartet. 


[Viele Notizen machen sich die Mitglieder der Bewertungskommission während des Rundgangs durch den Ort.]

Landrat Jochen Hagt hält noch ein Schwätzchen mit Reichshofs Bürgermeister und dem Vorsitzenden des Dorfvereins, Rüdiger Schmallenbach, während sein Stellvertreter Andreas Berg, noch schnell die Schautafeln unter dem Carport zurechtrückt, wo die Kommission aus begrüßt werden soll. Und pünktlich auf die Minute rollt der Bus mit der 20-köpfigen Delegation um die Ecke. „Hier sind Sie genau richtig“, sagt eine fleißige Helferin und begrüßt die Experten freundlich. Einige Kinder des Dorfes stimmen das eigens umgetextete Lied „Ein Hoch auf dieses Dorf (ein Hoch auf uns)“ ehe der Vorsitzende Schmallenbach die Gäste zunächst die abgeschlossenen und laufenden Projekte, des im vergangenen Jahr gegründeten Dorfvereins vorstellt.  

 

Dazu gehört nicht nur eben jene Eintragung ins Vereinsregister, der seit 1977 bestehenden Gemeinschaft, sondern auch die jährlichen Feierlichkeiten, wie Osterfeuer, Sommerfest und Weihnachtsfeier sollen die Gäste möglichst begeistern. Dann startet der Rundgang durchs schnieke Örtchen, wo der Bücherschrank nebst letzter Woche installierter Wanderkarte (OA berichtete) vorgestellt wird.  „Freckhausen ist ein Mehrgenerationendorf. Das wird hier gelebt“, berichtet Schmallenbach den Experten aus den verschiedensten Bereichen unter der Federführung der NRW-Landwirtschaftskammer. 

Immerhin zählen unter den gut 130 Einwohnern rund 30 Kinder zur Dorfbevölkerung. Die Schwestern Sina und Mara berichten von den schönen Gärten, die ihre Kindheit im Ort richtig lebenswert mache. Und von diesen Gärten machen sich die Besucher gleich mehrfach ein Bild. Helga Wirz begrüßt auf Platt und stellt jede einzelne Gemüse- und Obstsorte ihres „alten Gartens“ vor, den schon ihre Großeltern um das Jahr 1900 in dieser Form nach dem Hausbau auf dem Grundstück so angelegt hatten. Wie Generationen tatsächlich in einem Haus leben, erklärt dann Claudia Schmiechen, die ihr historisches Haus so umbaute, dass sowohl sie, als auch ihre Kinder jeweils einen eignen (barrierefreien) Zugang haben. 

Schmiechen nutzt die Gelegenheit auch dazu, zu zeigen, wie man unliebsame Bewohner loswird. Sie hat nämlich eine Sammlung von Mäusefallen und weiterem bäuerlichem Handwerkszeug, die bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Wie man energetisch in historischem Gemäuer saniert, zeigt Carolin Hasenbach an der nächsten Station, ehe es zum 1992 eröffneten Spielplatz geht, der in dem vergangenen Jahr grundlegend mit neuem Spielgerät, unter anderem Schaukel, Tischtennisplatte und Basketballkorb aufpoliert wurde.  
 
[Die Hunde von Cordula Neubert-Happe  (li.) beeindrucken die Landesjury.] 

An dessen Südende liegt die ehemalige Pension, die von Andrea Pasemann bewohnt wird. Sie berichtet der Kommission, dass auch Tourismus auf dem Dorf problemlos möglich sei. Tierisch spannend wird es dann bei Cordula Neubert-Happe. Sie demonstriert, wie man durch Pfiffe eine Schafsherde problemlos in den Griff bekommt, dank ihrer Bordcollies. Die Hunde haben die Tiere, die zur ökologischen Fleischgewinnung gehalten werden fest im Griff.  

Der Schritt von "Reiseleiter" Rüdiger Schmallenbach wird nun schneller, denn die Zeit drängt. Länger als 90 Minuten darf der Rundgang nämlich nicht dauern. Deswegen geht es im fixen Tempo, durch den „Generationengarten“ wo sich alle Altersschichten regelmäßig ein Stelldichein geben und vorbei an einigen Neubauten und einer modernisierten Scheune zur letzten Station, dem Dreieck. Hier soll im kommenden Jahr eine historische Lambachpumpe in neuem Glanz erzählen, die sich derzeit noch etwas außerhalb des Dorfes befindet.  

Am Startpunkt angekommen, zieht Kommissionsleiter Dr. Waldemar Gruber ein positives Fazit: „Sie gehen sehr ökologisch in Ihrem Dorf an die Sache. Ich habe einen tollen Eindruck und die Wohnqualität ist sehr hoch“. Ob es auch zu Gold – und damit zur Teilnahme auf Bundesebene 2019 reicht - werden die Freckhausener am 9. September erfahren, wenn das Ergebnis bekannt gegeben wird. 

Ob Gold oder nicht, eine Spende über 1.000 € gibt es nach Abfahrt der Reisegruppe von der Kreissparkasse Köln aus dem PS Zweckertrag für die Dorfgemeinschaft und sorgt so für einen glücklichen Tagesabschluss bei allen Beteiligten. Die Kommission war zuvor noch in Gummersbach-Hülsensbusch und macht sich morgen ein Bild von Wiehl-Oberwiehl.