Bilder: Jessica Schöler --- Chefärztin Dr. Marcela Jindra und Oberarzt Dr. Markus Spanagel freuen sich über die innovative Behandlungsmethode für die Waldbröler Radiologie.
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'Wie bei einem Düsenjet' - Innovative Technik für Radiologie
Waldbröl In der Radiologie des Waldbröler Krankenhauses setzt man seit Jahresbeginn auf einen neuen Spezialkatheter zur Behandlung von Gefäßverschlüssen Die Jet-Stream-Technologie wird kreisweit nur in Waldbröl angeboten.
In der Radiologie des Kreiskrankenhaus Waldbröl werden jährlich 1.500 Eingriffe an Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) durchgeführt. Verkalkungen der Becken-, Oberschenkel- oder Unterschenkelarterie verringern den Blutfluss. Die Schaufensterkrankheit sorgt für Muskelschmerzen in den Beinen und schränkt die Bewegung der Betroffenen ein. Durch den Verschluss gelangt zu wenig Blut in die Muskulatur. Die Patienten können teilweise nur fünfzig Meter weit gehen und müssen dann stehen bleiben, erklärt Dr. Markus Spanagel, Oberarzt der Radiologie.
[Dr. Markus Spanagel stellte die neue Technik vor. Der dünne Katheter übernimmt gleich mehrere Aufgaben.]
Die Verschlüsse werden mit einer röntgenüberwachten Katheterbehandlung therapiert. Dabei werden die verengten Gefäßabschnitte mit einem Ballon geweitet oder mit einem Stent verstärkt. Seit Jahresbeginn werden die Behandlungs- möglichkeiten in Waldbröl durch einen Spezialkatheter ergänzt. Mit der sogenannten Jet-Stream-Technologie können Verkalkungen von Gefäßwänden gefräst und gleichzeitig abgesaugt werden. Die Spitze des Katheters ist mit kleinen rotierenden Messern ausgestattet. Dr. Spanagel vergleicht das Prinzip mit einem Düsenjet: Die ausklappbaren Messerchen sind neu. Sie sind beweglich, wie bei einem Düsenjet der seine Flügel ausklappt. Die Messer sind flexibel auf die Maße der Gefäße einstellbar. Vorher konnte das nur in der Kardiologie angewendet werden, jetzt ist es auch für andere Gefäßabschnitte nutzbar.
Vom Eingriff selbst merkt der Patient wenig. Unter örtlicher Betäubung wird der Katheter über die Becken- oder Armarterie zur betroffenen Stelle geschoben. Es werden nur harte Widerstände abgefräst, die weiche Gefäßwand wird nicht verletzt. Die Innenseite der Gefäße hat keine Nerven, der Patient spürt höchstens ein warmes Gefühl, so Dr. Spanagel. Um einen erneuten Verschluss zu verhindern, können Stents eingesetzt werden. Die Gefäßstützen gibt es inzwischen auch mit Medikamentenbeschichtung. So kann der chronischen Erkrankung PAVK entgegengewirkt werden. Der minimal invasive Eingriff mit dem neuen Katheter dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Nach einer Überwachungsphase von 24 Stunden wird der Patient entlassen.
Die Behandlung mit dem im Oktober 2013 zugelassenen Spezialkatheter, wird kreisweit nur in Waldbröl angeboten. Gefäßverschlüsse waren früher mit aufwendigen Operationen verbunden und wurden später durch die Katheterbehandlung abgelöst. Die neue Technik ist ein weiterer Schritt in die Zukunft. Wir haben insgesamt eine sehr gute Erfolgsquote. Mögliche Nachblutungen sind sehr selten. Ich hoffe bald auch selbstauflösende Stents nutzen zu können. In der Kardiologie gibt es die bereits, liebäugelt Dr. Spanagel schon mit der nächsten Innovation.
