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AusbildungsPaten: Im Tandem in den Traumberuf

fj; 4. Feb 2019, 11:34 Uhr
Bild: DRK Kreisverband Oberberg - Bilden ein erfolgreiches AusildungsPaten-Tandem: Schülerin Celine und Prokuristin Haido Karakoulidou.
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AusbildungsPaten: Im Tandem in den Traumberuf

fj; 4. Feb 2019, 11:34 Uhr
Oberberg – Wenn Jugendliche sich bei Fragen rund um die Berufswahl einen Ansprechpartner wünschen, der weder aus der Familie oder dem Schulumfeld kommt, ist das AusbildungsPatenProjekt des DRK genau das richtige.
Was Celine (16) nach der Schule beruflich machen will, wusste sie schon lange: eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Doch wie kommt man an ein Praktikum, was gehört in eine gute Bewerbung und wie präsentiert man sich in einem Vorstellungsgespräch? „Hier habe ich Hilfe gebraucht, aber in der Schule können die Lehrer auch nicht auf die Fragen eines jeden Einzelnen eingehen“, erklärt die Hauptschülerin.

Haido Karakoulidou ist Prokuristin bei der Oberberg-Online Informationssysteme GmbH in Gummersbach. Privat und beruflich sei sie an einem Punkt im Leben angekommen, an dem sie von sich sagen kann: „Mir geht es gut und ich möchte davon etwas zurückgeben.“ Also suchte sie nach Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, am liebsten für Kinder und Jugendliche. „Mit meinen Gedanken war ich schon längst bei den sogenannten Entwicklungsländern, als ich vom ‚AusbildungsPatenProjekt‘ des DRK Oberberg erfuhr und mir klar wurde, dass es auch hier junge Leute gibt, die Unterstützung gebrauchen können.“

Heute bilden Celine und Haido Karakoulidou ein erfolgreiches „Ausbildungstandem“ und Celine hat den Ausbildungsvertrag für ihren Traumberuf in der Tasche. Auf dem Weg dorthin begleitet hat sie Karakoulidou als Ausbildungspatin: Sie hat einen jungen Menschen, der sein Leben selbst in die Hand nehmen wollte, mit ihrer Erfahrung und praktischer Hilfe dabei unterstützt, die eine oder andere Hürde auf dem Weg ins Berufsleben zu meistern – sei es beim gemeinsamen Schreiben von Bewerbungen, dem Einrichten eines E-Mail-Postfachs oder einfach nur durch ein privates Gespräch bei einem leckeren Eisbecher.

  

Und genau darum geht es im AusbildungsPatenProjekt des DRK Oberberg, das die Schülerin und die erfahrene Berufstätige zusammengebracht hat: „Wir wollen die jungen Menschen ermutigen und ihre Stärken fördern. Das ist der Motor unserer Initiative“, erklärt die Initiatorin des Projekts, Sandra Berges vom DRK. Die Initiative bringt Schüler, die sich in der Berufsfindungsphase Unterstützung wünschen, mit lebenserfahrenen Erwachsenen zusammen, die genau diese Hilfe bieten wollen. „Dafür muss man kein Experte in Sachen Arbeitsvermittlung sein, sondern einfach nur bereit, sich auf den jungen Menschen einzulassen, mit ihm gemeinsam seine Stärken zu entdecken und diese zu fördern.“

In Speed-Datings lernen sich die Teilnehmer kennen und entscheiden gemeinsam, ob sie ein Tandem bilden wollen oder nicht. „Wir waren uns sofort sympathisch und wussten, das funktioniert mit uns beiden“, wissen Celine und Haido Karakoulidou, dass es dabei regelrecht „funken“ kann. Wie genau die Patenschaft gestaltet wird, wie oft man sich trifft und welche Themen dann besprochen werden sollen, entscheidet das jeweilige Tandem ganz individuell. Sandra Berges begleitet den Prozess, schult die Paten in der Anfangsphase, organisiert gemeinsame Veranstaltungen wie Kochabende für die Teilnehmer und steht jederzeit für beide Seiten als Ansprechpartner zur Verfügung. Ziel ist es, dass die jungen Leute von ihren Paten beim Übergang von der Schule in den Beruf begleitet werden, idealerweise stehen die Paten den jungen Leuten auch in der ersten Monaten ihrer Ausbildung oder ihres Studiums noch als Ansprechpartner zur Verfügung. Ob man darüber hinaus im Kontakt bleibt, ist eine persönliche Entscheidung.

Zurzeit arbeiten 20 Erwachsene und 17 Schüler zusammen und in der nächsten Zeit beginnt die nächste Runde des AusbildungsPatenProjekts des DRK Oberberg. Alle Interessierten sind eingeladen, sich zu melden. Daneben wird das Projekt von Berges in den Schulen vorgestellt. Aber auch junge Leute, die bereits ein Studium oder eine Ausbildung aufgenommen haben, diesen Weg aber nicht weiter gehen wollen, können mitmachen. Eingeladen sind also alle jungen Leute ab der neunten Klasse, die sich Orientierung wünschen, unabhängig von der Schulform. Gewünscht ist, dass die Paten ihr eigenes Knowhow und berufliches Netzwerk einbringen.

Kontakt:
Sandra Berges
DRK Kreisverband Oberberg
Tel.: 02261/30 935
E-Mail: berges@oberberg.drk.de

Warum mitmachen? Antworten für Schüler und Berufstätige:

Für Schüler:  Junge Leute, die sich Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen oder bei der Studienplatzwahl wünschen oder noch nicht sicher sind, wohin die berufliche Reise gehen soll, bekommen durch das Projekt einen Menschen mit Lebenserfahrung an die Seite gestellt, der nur für sie da ist.  Wie viel Zeit man miteinander verbringt und ob auch über Privates gesprochen werden soll, entscheidet jedes Paten-Tandem für sich.

Für Berufstätige: Beim PatenProjekt geht es nicht darum, Lehrer zu spielen oder Elternersatz zu sein, sondern einem jungen Menschen neben Schule und Elternhaus als weiterer Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und ihn auf seinem Weg in den Beruf, also die Ausbildung oder das Studium, zu unterstützen. Wie diese Unterstützung aussehen kann, richtet sich nach dem Bedarf. Ein geflüchteter Jugendlicher braucht vielleicht Hilfe beim Deutschlernen, ein anderer Hilfe bei einer Online-Bewerbung. Es geht darum, den jungen Menschen und seine Fähigkeiten sowie Interessen ernst zu nehmen, ihm zuzuhören und in einem verabredeten Umfang Zeit zu schenken.