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Von Sexting, Cybermobbing und dem Online-Pranger

fj; 18. Dec 2018, 13:24 Uhr
Bilder: Fenja Jansen --- Im Rahmen des 3. Fachtags der Oberbergischen Medieninitiative diskutierten (v. li.) die Schauspieler Julia Knorst und Johannes Rosenzweig mit den Kriminalhauptkommissaren Uwe Köster (Opferschutz) und Walter Steinbrech (Kriminalprävention) über das Thema Cybermobbing.
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Von Sexting, Cybermobbing und dem Online-Pranger

fj; 18. Dec 2018, 13:24 Uhr
Oberberg – Der 3. Fachtag der Oberbergischen Medieninitiative fand am Aggertal-Gynasium statt und beschäftigte sich unter anderem mit den Gefahren des „Sextings“ – Theaterstück führte packend in die Thematik ein.
Eigentlich hält die 15-jährige Elena gar nichts von der Idee ihres neuen Freundes Leo, ihm Nacktbilder per WhatsApp zu schicken. Aber Leo gibt nicht auf, schmeichelt Elena und bittet sie immer wieder um ein „schönes Pic“. Elena ist jung und verliebt – schließlich gibt sie nach. Doch am nächsten Morgen in der Schule muss sie feststellen: Sie hat sich falsch entschieden und dem Falschen vertraut. Ihre Bilder verbreiten sich unaufhaltsam, mehr und mehr Beschimpfungen, Schmähungen und Verurteilungen prasseln auf ihr Handy ein. Aus „Sexting“ – dem Austausch intimer Nachrichten oder Bilder per Smartphone - ist Cyber-Mobbing geworden. Wie schnell das gehen kann, zeigt die Theatergruppe „Comic-On“ mit ihrem Theaterstück „Update“ am Beispiel der fiktiven Geschichte der 15-jährigen Elena, die sich am Ende nicht mehr vor die Tür traut.


[Welche fatalen Folgen ein Klick haben kann, zeigte die Theatergruppe Comic-On.]

Damit war das Theaterstück der ideale Auftakt zum 3. Fachtag der Oberbergischen Medieninitiative, der heute im Aggertal-Gymnasium Engelskirchen stattfand. Die Medieninitiative ist durch die Zusammenarbeit vieler Partner entstanden, die gemeinsam das Ziel verfolgen, Kindern und Jugendlichen einen konstruktiven, doch auch kritischen Umgang mit den digitalen Medien vermitteln, damit Cybermobbing an oberbergischen Schulen im besten Fall gar nicht erst entsteht. Zu diesem Netzwerk gehören unter anderem das Bildungsbüro des Oberbergischen Kreises, das Kreisjugendamt, die oberbergische Polizei, der Schulpsychologische Dienst, Schulen und die Diakonie Fachstelle Sucht.   



In dreitägigen Seminaren bildet das Netzwerk „Oberbergische Medieninitiative“ Schüler und Lehrer zu Medienbegleitern aus, die dann an ihren jeweiligen Schulen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und eigene Workshops anbieten. „An über 30 von 50 weiterführenden Schulen im Oberbergischen gibt es bereits ausgebildete Medienbegleiter. Ziel ist es, Medienbegleiter flächendeckend an allen Schulen einzusetzen“, erklärte Alke Stüber, Lehrerin am Engelbert-von-Berg Gymnasium in Wipperfürth und Mitglied der Steuerungsgruppe der Medieninitiative.
  

[(v. li.) Alke Stüber, Lehrerin und Mitarbeiterin des Bildungsbüros, Walter Steinbrech von der Kreispolizeibehörde, beide Mitglieder der Steuerungsgruppe „Medieninitiative Oberberg“, mit den Gastgeberinnen, Anne Haag und Kinga Diczig, Lehrer-Medienbegleiterinnen des Aggertal-Gymnasiums.]

90 Medienbegleiter, darunter Schüler, Lehrer und Schulsozialarbeiter hatten sich zum heutigen Fachtag angemeldet und diskutierten im Anschluss an die Theateraufführung mit den Schauspielern Julia Knorst und Johannes Rosenzweig sowie den Polizisten Uwe Köster und Walter Streinbrech über das Gesehene: Wer hat hier Schuld am Cybermobbing? Elena, die die Fotos gemacht hat, oder ihr Freund, der sie ungefragt verbreitete. Warum wird allein Elena von ihren Mitschülern verurteilt, ihr Freund aber überhaupt nicht? Und was könnte man tun, um Elena in dieser Situation beizustehen? Denn die Podiumsteilnehmer machten klar: Elenas Geschichte ist zwar fiktiv, hat sich ähnlich aber schon hundertfach an deutschen Schulen abgespielt. Wie man sich in solch oder ähnlich schwierigen Situationen verhalten kann, erfuhren die Medienbegleiter anschließend in Workshops wie „Cybermobbing, Sexting & Co.: Meldemöglichkeiten und Rechtliches“ oder dem vom Netzwerk gegen Rechts ermöglichten Workshop zum Thema „Hate-Speech“. Dieses Wissen werden sie dann in ihre Schulen tragen und dort verbreiten – damit oberbergischen Schülern ein Schicksal wie das Elenas erspart bleibt.