Bild: Birgit Wippermann --- Die Windenschwärmer-Raupe gehört zu den größten in Europa.
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Bild des Tages zeigt außergewöhnlichen Fund
Oberberg - Gestern veröffentlichte OA ein Bild des Tages, das eine große Raupe zeigte Nun meldete sich ein Fachmann vom NABU: Es ist der erst sechste Nachweis einer Windenschwärmer-Raupe in Oberberg.
Riesenraupe auf Entdeckungstour hieß das gestrige Bild des Tages auf Oberberg-Aktuell, welches eine große, grüne Raupe zeigte. Fotografiert wurde das Prachtexemplar von Birgit Wippermann aus Niederseßmar in ihrem Garten. Doch weder die Fotografin noch die Redaktion von Oberberg-Aktuell wusste, um welchen Vertreter seiner Art es sich hier genau handelte - und welch seltener Schnappschuss Wippermann mit dem Foto gelungen war.Dass es sich hier um einen Fund handelt, der sogar wissenschaftlich dokumentiert werden sollte, wussten jedoch die Experten von Naturschutzbund (NABU) Oberberg, als sie das gestrige Bild des Tages auf Oberberg-Aktuell sahen. Michael Gerhard, Vorstandsmitglied und Fachmann für Insekten beim NABU Oberberg, informierte die Redaktion darüber, dass es sich bei der abgebildeten Raupe um die eines Windenschwärmers (Agrius convolvuli) handelt und erklärte weiter:
Windenschwärmer wandern als Falter aus dem Mittelmeer-Gebiet im Mai und Juni nach Mitteleuropa ein. Die Falter sind hervorragende Flieger und können die Strecke mit 50 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit bewältigen (Spitzengeschwindigkeiten gehen bis 100 km/h).
Bei uns im Oberbergischen kommen aber offenbar immer nur sehr wenig Windenschwärmer an, denn sie bevorzugen besonders warme Lebensräume. Der erste Nachweis dieser Art in Oberberg stammt aus 1967 bei Wipperfürth - vorher wurde der Windenschwärmer im Oberbergischen noch nie festgestellt. Und zum zweiten Mal gesehen wurde der Windenschwärmer dann erst wieder 1992 bei Waldbröl. Bis heute gibt es aus dem Oberbergischen nur fünf Nachweise dieser seltenen Art. Der Fund der Raupe von Birgit Wippermann aus Niederseßmar ist also der sechste Fund für das Oberbergische und damit etwas Besonderes!
Windenschwärmer, deren Raupen zu den größten in Europa zählen, sind offenbar Gewinner im Klimawandel, denn sie können als Langstreckenflieger Mitteleuropa immer wieder neu besiedeln, auch wenn sie unsere frostigen Winter nicht überstehen. Aber: Je wärmer es bei uns wird, desto weiter kann sich diese Art in Mitteleuropa nach Norden hin ausbreiten, Eier ablegen und sich vermehren. Der Hitzesommer 2018 war dafür ideal.
Ein Wermutstropfen bleibt: Ob die Windenschwärmer-Raupe aus Niederseßmar überleben kann, hängt davon ab, ob sie sich rasch genug an einem unterirdischen Zufluchtsort verpuppen und dort in einen Schmetterling verwandeln kann, der noch vor der Kälteperiode den Rückflug nach Südeuropa schafft. Einen etwaigen kalten oberbergischen Spätherbst und den folgenden Frost würde das Tier nicht überleben können. Für die Raupe aus Niederseßmar läuft jetzt also ein Wettlauf gegen die Zeit!