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Perspektiven für Menschen schaffen

Red; 20. Jun 2018, 10:25 Uhr
Bilder: privat --- Theresia Mittler, Alfred Freitag und Liane Althoff leiten die Tafel Oberberg Süd. Mit zwei Kühlwagen sammelt und verteilt die Tafel bis zu fünf Tonnen Lebensmittel pro Woche, diese werden an vier Ausgabestellen an insgesamt rund 1.600 Personen weitergegeben.
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Perspektiven für Menschen schaffen

Red; 20. Jun 2018, 10:25 Uhr
Oberberg - In diesem Jahr wird die Tafel Oberberg Süd 15 Jahre alt - Rund fünf Tonnen Lebensmittel pro Woche werden vor dem Abfalleimer bewahrt - Auch berufliche Perspektiven und Orientierung bietet die Organisation.
2003 gründete Pfarrer Jochen Gran die Tafel Oberberg Süd. Zwei Mitarbeiterinnen waren damals für das Einsammeln, Sortieren und Verteilen von Lebensmitteln zuständig. 15 Jahre später sind es zwei Festangestellte, neun „Ein-Euro-Jobber”, sechs Bundesfreiwilligendienstleister und 103 ehrenamtliche Mitarbeiter, die pro Woche rund fünf Tonnen Lebensmittel einsammeln und an Bedürftige in Waldbröl, Wiehl, Morsbach und Nümbrecht ausgegeben. Der Grundgedanke, nach dem man arbeitet, ist dabei stets derselbe geblieben: Es ist frevelhaft, genießbare Lebensmittel wegzuschmeißen, solange es Menschen gibt, die nicht genug zum Leben haben.

Die Tafel Oberberg Süd wird heute von Theresia Mittler, Liane Althoff und Alfred Freitag geleitet. „Ich begann im Januar 2007 bei der Tafel, damals kamen 40 Haushalte zu den Lebensmittelausgaben. Schon sechs Monate später waren es über 100. Heute nutzen rund 1.620 Personen die Tafel Oberberg Süd“, zeichnet Mittler die rasante Entwicklung bis ins Jubiläumsjahr 2018 nach. Waren es früher zumeist Empfänger von Hartz IV, die die vier Lebensmittelausgaben der Tafel Oberberg Süd besuchten, sind es heute vor allem Senioren und Flüchtlinge. Sie machen den größten Anteil der Tafelkundschaft aus. „Besonders das Thema Altersarmut wird uns in Zukunft beschäftigen“, prognostiziert Mittler. Lösungen sollen beispielsweise für Senioren gefunden werden, die auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen sind, es aber alleine nicht mehr zu den Ausgaben schaffen. „Hier denken wir über die Einrichtung von Patenschaften nach: Paten könnten den älteren Menschen die Lebensmittel nach Hause bringen“, so Mittler.


Genauso kreativ ging die Tafel Oberberg Süd auch in der Vergangenheit mit Problemen um. So kommen beispielsweise Engpässe durch die richtige Logistik gar nicht erst auf. „Wir fahren regelmäßig die Zentrallager der Tafel an und kooperieren mit anderen Tafeln“, erklärt Mittler. Dabei immer im Einsatz: die beiden Kühlfahrzeuge, ohne die bei der Tafel Oberberg Süd nichts ginge. Dafür, dass es rund läuft, bei der Tafel Oberberg Süd, ist aber nicht nur die richtige Logistik verantwortlich, sondern auch die vielen Mitarbeiter.

Hier kommt es den Leitern der Tafel darauf an, durch die Vergabe von Jobs bei der Tafel Perspektiven für Menschen zu schaffen. So wurden Langzeitarbeitslose als „Ein-Euro-Jobber“ bei der Tafel Oberberg Süd wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht, Flüchtlinge erhalten als Bundesfreiwilligendienstleister einen Einstieg in den Arbeitsmarkt und Jugendliche können sich, ebenfalls als Bundesfreiwilligendienstleister bei der Tafel, nach der Schule auf dem Arbeitsmarkt orientieren. Seit nunmehr 15 Jahren ist es der Tafel Oberberg Süd somit nicht nur ein Anliegen, bedürftige Menschen mit dem zu versorgen, was es zum Leben braucht – man will ihnen auch eine Perspektive für die Zukunft über die Grundversorgung hinaus geben.