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Karneval, Kölsch und gute Stimmung

mg; 28. Jan 2018, 15:36 Uhr
Bilder: Michael Gauger  --- Wirbelnde Schals, viel Gesang - die Herren der Schöpfung feierten kräftig Karneval.
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Karneval, Kölsch und gute Stimmung

mg; 28. Jan 2018, 15:36 Uhr
Engelskirchen - Bei der Herrensitzung der KG Närrische Oberberger hielt es nur wenige auf den Stühlen.
Nach zwei großen Damensitzungen im Festzelt kamen die Herren am Samstagmittag in der ausverkauften Mehrzweckhalle der Grundschule Engelskirchen zu ihrem Recht. Fast wie bei einem ausgedienten Frühschoppen ging es zu, als sehr zeitig die ersten Karteninhaber ihre Plätze einnahmen. Punkt 13 Uhr spielte die Hausband „Seven up“ auf und der Elferrat marschierte mit dem Tanzkorps der Schlossgarde und dem Jubiläumsschmölzchen winkend und bützend zur Bühne.



„Skandal um Rosi“ titelten die Sonnenbrillen des gesamten Schmölzchen beim Einzug. Kein Wunder, zeigte Jungfrau Harry „Rosi“ Schwichtenberg bereits beim Einmarsch spaßeshalber viel Bein. Der Schlossgarde wurde die Ehre zuteil, den Abend schwungvoll mit drei Tänzen zu eröffnen. Dem standen Prinz Günther II., Bauer Armin und Jungfrau Rosi nach ihrer Vorstellung in nichts nach, eines ihrer Lieder bewies, dass man als Schmölzchen gern „Op Jück in der jecken Zick“ ist. Sitzungspräsident Peter Miebach durfte im Anschluss seinen Amtskollegen Volker Weininger in der Bütt begrüßen, der recht leidvoll aus seinem anstrengenden Alltag berichtete. Dass jener Sitzungspräsident dem Bierchen zum Ölen seiner Stimme nicht abgeneigt war, zeigte sich auch gut dargestellt in der Rede. Weininger hatte dadurch die Lacher auf seiner Seite, auch als er berichtete, ausgediente Reisen durch Schnapsverkäufe auf Herrensitzungen finanziert zu haben oder das man den Zapfhahn aufgrund hoher Durchflussmengen nur noch mit einem Topflappen anfassen konnte.

Die Kölner Gruppe „Miljö“ nahm den ganzen Saal mit auf einen „Wolkeplatz“ und forderten im nächsten Song „Kölsch statt Käsch“. Einer ihrer bekanntesten Hits „Su lang die Leechter noch brenne“ wurde laut vom männlichen Publikum mitgesungen. Sitzungspräsident Miebach freute sich, unter den toll kostümierten Herren auch einige Bürgermeister und deren ehemaligen Kollegen aus den umliegenden Kommunen begrüßen zu dürfen.

[Ordensverleihung mal anders: stellvertretend für alle Helfer verlieh Miebach einem "Roadie" einen Orden.]

Im Jahr 2016 hatte „Hocker-Rocker“ Markus Krebs sein Debüt in Engelskirchen. Nun gab er erneut Vollgas und stellte mit einigen Witzen, welche ganz knapp unter der Gürtellinie lagen, klar, dass es sich hier um eine Herrensitzung handelte. Der Duisburger berichtete aus seiner Stammkneipe, scherzhaft „Schufa-Klause“ genannt. Wenn dort was am Getränkepreis gemacht würde, so könnten höchstens die Nullen ausgemalt werden. Beim Auftritt des Comedians lagen die Kerle vor Lachen fast auf dem Boden.

Mit der Band „Dave Zwieback“ hatte man sich Lokalmatadore auf die Bühne geholt, Sänger Eddi Schruff wohnt einen Steinwurf vom Ortszentrum entfernt. "Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah", meinte auch der 2. Vorsitzende Michael Peffeköver. Das Lied „Heimat“ des letztjährigen Dreigestirns stammte aus ihrer Feder. Bei den Cheerleadern des 1. FC Köln waren die Herren dann wieder zu 100 Prozent bei der Sache, selten wurden auf Karnevalssitzungen laute FC-Gesänge angestimmt. Die Mädels hatten bei ihrem bühnenfüllenden Auftritt, der gleichzeitig die gesamte Hallenhöhe einnahm, die volle Aufmerksamkeit der handyfilmenden Männerwelt. Lauter Jubel kam noch auf, als der FC zeitgleich mit 1:0 in Führung ging.

[Einmal zu vorlaut gewesen, schon darf man in Engelskirchen den letzten Programmpunkt ansagen: Mariechen Janika.]

Peter Horn und F.M. Willizil stehen seit vier Jahrzehnten auf der Bühne. Beide waren Mitglieder der Höhner, seit zehn Jahren ist man bereits gemeinsam als „Kölschfraktion“ unterwegs. „Echte Fründe“, „E Lävve lang“ oder „Nix im Büggel“ traf genau ins Schwarze; das von Peter Miebach mehrfach gelobte Männerpublikum schmetterte zahlreiche bekannte kölsche Karnevalshits laut mit. Langsam bog der Engelskirchener Karnevalsexpress an der Agger auf die Zielgerade ein.

Der Stolz der KG, das Tanzkorps Rot-Weiss, marschierte zu den Klängen „Rut un Wiess, wie lieb ich dich..“ in den Saal. Kommandant Daniel freute sich über das laute Echo seines „Zicke Zacke, Zicke Zacke..“ und rief zum ersten Tanz auf. Keine Frage, dass die Damen und Herren noch zwei weitere Tänze auf die Bretter legen mussten, die heute zum Glück halten sollten. Sechs Vollblutmusiker, gängige Hits, das sind die „Cöllner“, die den Schlusspunkt setzten und von Mariechen Janika präsentiert wurden. Lieder wie „Angelina" oder die „Winzerin vom Rhein“ hatten erneut hohes Mitsing- und Schunkelpotenzial und sorgten für den Abschluss einer über fünfstündigen Veranstaltung.