Archiv

Vereine sauer: Unterstützung kam nur von der Stadt

bv; 27. Oct 2015, 13:21 Uhr
Bild: Archiv --- Durch die Schließung der Kreissporthalle Reininghauserstraße für den Vereinssport kommen die Handballer der Stadt in arge Probleme.
ARCHIV

Vereine sauer: Unterstützung kam nur von der Stadt

bv; 27. Oct 2015, 13:21 Uhr
Gummersbach – Angesichts von Hallenschließungen zur Unterbringung der Flüchtlinge beklagen Handballvereine mangelnde Solidarität von Kreis und VfL Gummersbach.
Der Zuzug von Flüchtlingen auch ins Oberbergische bringt für die Verwaltungen der Städte und Gemeinden eine Menge Herausforderungen. Große Sorgen haben aber auch die Sportvereine, denen aufgrund von Hallenschließungen plötzlich nur noch sehr eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Besonders betroffen sind die Vereine im Gummersbacher Stadtgebiet. Hier entzündet sich jetzt Unmut, der sich zum einen gegen eine vermeintliche Untätigkeit des Kreises und auch das Verhalten des VfL Gummersbach richtet.

Zur Vorgeschichte: Vor rund einem Jahr hatte der Oberbergische Kreis eine Vereinbarung mit drei Gummersbacher Sportvereinen geschlossen, wonach die in die Jahre gekommene Kreissporthalle an der Reininghauserstraße für den Trainingsbetrieb weiter geöffnet bleiben sollte. Die Duschen, in deren Wasser sich Legionellen breit gemacht hatten, und Tribünen, die vom Kreisbauamt als zu unsicher angesehen wurden, blieben allerdings gesperrt. Den bis 2018 laufenden Vertrag paraphierten neben dem Kreis der TV Strombach, der TV Gelpetal und der VfL Gummersbach e.V. Ein erstmaliges Sonderkündigungsrecht war für alle Seiten für die Mitte des Jahres 2016 verankert.


Im Zuge der Notwendigkeit, Flüchtlinge unterzubringen, fühlte sich der Oberbergische Kreis jedoch nicht mehr an den Vertrag gebunden. Die Halle an der Reininghauserstraße sowie die Kreissporthalle am Berufskolleg in Dieringhausen sollten als Puffer dienen, um die Menschen unterzubringen. Die sanitären Einrichtungen in Gummersbach wurden binnen weniger Wochen komplett erneuert. Ergebnis war aber auch, dass die Handballvereine plötzlich vor extremen Problemen standen. Der TV Strombach etwa konnte von einem Tag auf den anderen seinen 441 Mitgliedern der Handballabteilung , die in 16 Kinder- und Jugendmannschaften sowie sieben Seniorenmannschaften am Spielbetrieb in Kreis und Verband teilnehmen, nur noch sehr eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

„Wir sind mit einem Minus von 44 Prozent handballgerechten Trainings die eindeutigen Verlierer, vier Teams haben gar kein Training“, stellt der Vorsitzende des TV Strombach, Kay Wegermann, fest. Für ihn steht der Unterstützungs- und Hilfeanspruch für politisch und religiös Verfolgte sowie Kriegs-Flüchtlinge außerhalb jeder Diskussion. Allerdings hätte er sich mehr Unterstützung des Kreises wie des VfL Gummersbach gewünscht.

Das sieht man beim TV Gelpetal ähnlich. Obwohl es einen Vertrag gebe, habe sich die Kreisverwaltung bislang so gut wie gar nicht um Lösungsmöglichkeiten bemüht, sagt der 2. Vorsitzende des TVG, Stefan Euteneuer. Auch Wegermann ist sauer über fehlende Solidarität. „Derzeit rudern nahezu ausnahmslos der TV Gelpetal sowie mein Verein im gemeinsamen Boot. Die Kreisverwaltung beschränkt sich auf Mitleidsbekundungen sowie gebetsmühlenartig wiederholtes Bitten um Verständnis. Andere stehen dabei regungs-, sprach- wie fassungslos an der Reling und starren in den oberbergischen Herbstnebel. Und die VfL-GmbH meint gar, als selbsternannter Obersteuermann keinesfalls den  angestammten Kurs verlassen zu müssen“, ist Wegermann sauer.  

Vor wenigen Tagen habe VfL-Manager Frank Flatten öffentlich Gemeinsamkeiten betont und gemeinsame Trainingseinheiten ins Spiel gebracht. Er nehme Flatten gerne beim Wort, denn bei einem Koordinierungs-Gespräch vor wenigen Tagen habe eben dieser eine Reduzierung eigener Trainingszeiten noch kategorisch ausgeschlossen. Offenkundig sei die SCHWALBE arena aufgrund der Belegung durch die Handball- und Tischtennisbundesligisten und den Akademiebetrieb „unantastbar“, so Wegermann.

Einzig die Stadt Gummersbach habe sich nachdrücklich um Notlösungen für die Vereine bemüht, betonen die Vertreter der beiden Sportvereine. „Hier hat man sich echt engagiert und uns so gut es geht geholfen“, so Euteneuer. Diese Zusammenarbeit würdigt auch Wegermann, der im Übrigen auf die Resonanz zweier von ihm verfasster offener Briefe an Politik und Verbände enttäuscht ist. Der Handballkreis Oberberg ziehe sich auf eine moderierende Rolle zurück, was viel zu wenig sei, „und die Politik duckt sich, mit Ausnahme von Gummersbachs Bürgermeister Frank Helmenstein, komplett weg und hielt nicht einmal Eingangsbestätigungen meines Briefes für erforderlich“.

So sei die Teilnahme an Meisterschaftsspielen derzeit aufgrund der völlig unterschiedlichen Trainingsvoraussetzungen einer mehr oder weniger deutlichen Wettbewerbsverzerrung unterworfen, so Kay Wegermann.