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Bergisches Original künftig wieder unterwegs

mg; 24. May 2015, 19:39 Uhr
Bilder: Michael Gauger -- “Volles Haus” im Eisenbahnmuseum. Viele interessierte Besucher kamen zum Dampflokfest um die alte Technik sehen und erleben zu können.
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Bergisches Original künftig wieder unterwegs

mg; 24. May 2015, 19:39 Uhr
Gummersbach - Die Eisenbahnfreunde der IG Bw Dieringhausen luden zum Tag der offenen Tür ins alte Bahnbetriebswerk - Vorstellung der Spendenaktion „Weichenstellung“ und Inbetriebnahme des neuen Packwagens inbegriffen.
Von Michael Gauger

Zu einem Dampflokfest mit Familienprogramm hatten die Mitglieder des Eisenbahnmuseums am Pfingstwochenende geladen und zahlreiche Besucher, darunter sehr viele junge Familien, machten davon gerne Gebrauch. Im Mittelpunkt des Festes stand am Sonntag der Startschuss zur Spendenaktion „Weichenstellung.“ Des Weiteren wird in Kürze der neue Packwagen zum Dampfzug „Bergischer Löwe“ gehören, der an diesem Tag dem Publikum erstmals vorgestellt wurde.


[Weiß um die wichtige Bedeutung des alten Bahnbetriebswerkes:
Bürgermeister Frank Helmenstein.]

Gummersbachs erster Bürger, Frank Helmenstein, betonte als Schirmherr der Veranstaltung, dass dieser Tag für ihn als gebürtigen Dieringhausener ein ganz besonderer sei. Immerhin waren sein Vater und Urgroßvater in eben diesem Bahnbetriebswerk früher beruflich tätig gewesen. „Die Interessen-gemeinschaft und der Förderverein lassen uns hier ein Stück Eisenbahn- und auch Stadtgeschichte live erleben“, erklärte er, “denn solch eine Anlage gibt es in diesem Umfang kein zweites Mal im Rheinland." Er freute sich im Namen der Sparkassen- und Bürgerstiftung einen Spendenscheck in Höhe von 5.000 € überreichen zu dürfen. Denn neben viel ehrenamtlicher Arbeit kostet der Erhalt dieser historischen Technik auch Geld, da technische Vorschriften der Bahn eingehalten werden müssen.

Die Spende fließt in die Restaurierung eines Packwagens, mit dem es eine besondere Bewandtnis auf sich hat: Die meisten Lokomotiven und Wagen des Museums stammen aus ganz Deutschland sowie dem europäischen Ausland und waren dort auch im Einsatz, wohingegen der Packwagen aus dem Jahr 1941 viele Jahrzehnte auf der Strecke zwischen Dieringhausen und Olpe treue Dienste verrichtete. „Er wird künftig im Dampfzug 'Bergischer Löwe' mitfahren und barrierefrei zu erreichen sein“, sodass er beispielsweise von Rollstuhl- oder Radfahrern genutzt werden kann, führte Helmenstein aus. Etwa 1.000 Arbeitsstunden sind bei der Restaurierung bisher schon geleistet worden, davon etwa 60 Prozent von den Ehrenamtlern in ihrer Freizeit.  


Worte des Dankes richtete Volker Eisenhauer im Namen des Vereins vor allem an eben diejenigen, die mit vielen Stunden ehrenamtlichen Einsatz für den Erhalt des Betriebes und der gesamten Anlage sorgen. Aber auch die Unterstützer des Vereins erhielten besondere Erwähnung von ihm. So übernahm die Volksbank Oberberg die Kosten für eine Bilderausstellung und den Eintritt zum Dampflokfest. Eisenhauer stellte den Besuchern insbesondere die aktuelle Spendenaktion „Weichenstellung“ vor, in der es darum geht, weiterhin die Gleisanbindung vom Museum an die Hauptstrecke durch einen Abkauf von der Deutschen Bahn zu ermöglichen. Zum aktuellen „Schrottpreis“ von 12.000 bis 15.000 € können die entsprechenden Gleise, nebst einem Vertrag zur Nutzung der Hauptstrecke, erworben werden. Hinzu kommt die jährliche Pacht der Grundstücke, auf denen die Gleise verlegt sind. Diese Summe ist ohne finanzielle Hilfe für die Mitglieder allein nicht zu bewältigen.

Hier erklärte sich Helmenstein bereit, aktiv Hilfe zu leisten und schrieb 150 Unternehmen und Betriebe im Oberbergischen Kreis mit einem persönlichen Schreiben an, von denen erfreulicherweise auch die ein oder andere Rückmeldung bereits eingegangen ist. Für eingereichte Spenden zum Thema „Weichenstellung“ bedanken sich im Übrigen die Eisenbahner, je nach Höhe des Einzahlungsbetrages, mit  diversen Aktionen. Dies können neben kleinen Erinnerungsstücken beispielsweise Familienfahrkarten oder Abos für den Dampfzug sein, aber auch besondere Nennungen und Teilnahmen an Sonderfahrten sind unter anderem als Anreiz angedacht.



[Spende für die Eisenbahner Volker Eisenhauer (rechts) und Niels Neubauer (Mitte), durch den Bürgermeister überreicht.]

Vor allem die Kleinsten hatten an den zahlreichen Angeboten einen Riesenspaß. Es gab viel zu bestaunen, zu entdecken und zu erfahren. Neben Fahrten auf dem Führerstand der Dampflok „Waldbröl“ durfte auf der Kinderbaustelle, ausgestattet mit entsprechender „Sicherheitskleidung“, nach Herzenslust dem Rost eines alten Waggons zu Leibe gerückt werden. Ein Luftballonkünstler zauberte auf Wunsch kleine Kunstwerke von Pferden, über Marienkäfern, Giraffen bis zur Meerjungfrau. Wer danach mit dem Dampftraktor eine Platzrunde gefahren war, der konnte gleich noch eine Runde auf dem Kinderkarussell drehen und sich anschließend ordentlich am Imbiss stärken.

Der Stammtisch der Modelleisenbahner beantwortete gerne alle Fragen und im Bücherladen gab es reichlich Lektüre zum Schmökern.  Für die musikalische Untermalung mit Akkordeonklängen sorgte die Musikschule Kürten, während die Mitarbeiter des Museums auf der Drehscheibe den Besuchern die unterschiedlichen Dampfloks präsentierten und ein wenig Betriebswerk-Feeling aufkommen ließen. Der Ringlokschuppen aus dem Jahr 1905 mit seinem speziellen Ambiente lockte vor allem die älteren Besucher, die so manches Erinnerungsfoto an diesem Tag schossen.  


[Ullrich Menzl (links) und Sascha Langenfeld präsentieren den Packwagen, an dessen Restaurierung der Schreiner maßgeblich beteiligt war.]

Einen besonderen Dank sprachen die Eisenbahnfreunde an diesem Tag ihrem Schreiner Sascha Langenfeld aus, der seit etwa vier Jahren im Museum beschäftigt ist. Langenfeld ist taubstumm und seinerzeit, nach vierjähriger Arbeitslosigkeit, durch eine Maßnahme der ARGE zu den Eisenbahnern gestoßen. „Er zeichnet sich durch seine sehr selbständige und zuverlässige Art aus und ist maßgeblich für den Aus- und Aufbau unseres neuen Packwagens zuständig“, erklärt Ullrich Menzl voll des Lobes. „Am Anfang stand hier nichts außer dem Rahmen, man konnte von den Schienen in die Sterne schauen“, sagt er und deutet zur Decke des Waggons, in dem Sascha mit Stolz seine Arbeit vorstellt.

Etwa sieben Monate habe er intensiv in die Gestaltung und Farbgebung des Waggons gesteckt, lässt er über die Gebärdendolmetscherin Bastienne Blatz übermitteln, wobei aufgrund des Alters und Verfalls des Wagens fast alle Einbauten einzeln angepasst werden mussten und er nur anhand alter Fotos und Zeichnungen arbeiten konnte. In seinem Reich, der Schreinerei, hat er bereits etliche Teile für den weiteren Ausbau vorgefertigt, erklärt er und deutet auf diverse Fensterrahmen und Bodenteile. Die Verantwortlichen möchten Sascha unbedingt eine weitere Beschäftigung vor Ort sichern, denn man arbeitet gerne zusammen. Sie sind aber auch hier nun auf finanzielle Unterstützung angewiesen, denn der Lohn, früher nur teilweise, muss durch die Ehrenamtler mittlerweile alleine aufgebracht werden und stellte diese somit vor eine weitere Aufgabe.  

Spendenkonten
Stichwort „Weichenstellung“

IG-Bw-Dieringhausen
Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt
IBAN: DE81 3845 0000 1000 3804 75  BIC: WELADID1 GMB

oder Volksbank Oberberg
IBAN: DE63 3846 2135 7008 6150 17  BIC: GENODED1 WIL

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