Archiv

Schüler wehren sich gegen Bundeswehr-Besuche

fn; 20. May 2014, 11:09 Uhr
Bild: Jonathan Lessing --- Die Erfolgschancen für den Antrag der Schülerschaft stehen beim St. Angela-Gymnasium eher schlecht.
ARCHIV

Schüler wehren sich gegen Bundeswehr-Besuche

fn; 20. May 2014, 11:09 Uhr
Wipperfürth – Bundeswehr-Offiziere sind regelmäßig in Schulen zu Gast, um über Sicherheitspolitik zu informieren - Die Schüler der Wipperfürther Gymnasien wollen dies nun verhindern und sich damit vor Anwerbungsversuchen schützen.
Von Fabian Nitschmann

Trotz zahlreicher Versuche der Imagepflege mit TV-Spots und vielfältigen Beratungsangeboten genießt die Bundeswehr nicht in allen Teilen der Gesellschaft große Beliebtheit. Mit zur Gruppe der Gegner gehören derzeit auch einige Schüler aus Wipperfürth. Denn an den beiden örtlichen Gymnasien versuchen derzeit die Schülervertretungen, Werbemaßnahmen der Soldaten in ihren Klassenräumen zu vermeiden.

Hintergrund ist eine Kooperationsvereinbarung, die das Schulministerium Nordrhein-Westfalen und die Bundeswehr im Sommer 2012 erneuert haben. Diese sieht vor, dass Jugendoffiziere der Bundeswehr als Experten für friedens- und sicherheitspolitische Fragen Informationsveranstaltungen in Schulen abhalten dürfen. „Ziel ist es, die Entwicklung einer Friedensgesinnung der Schülerinnen und Schüler zu fördern und sie zu befähigen, sich mit Fragen internationaler Verständigung und Zusammenarbeit sowie mit unterschiedlichen Strategien von Friedenserhalt auseinanderzusetzen“, heißt es in der Vereinbarung. Ebenfalls konkret geregelt ist, dass die Bundeswehr dabei nicht für Tätigkeiten innerhalb ihrer Institution werben darf.



Doch an diesem Passus scheiden sich in der Debatte die Geister. Inwieweit wirbt die Bundeswehr direkt oder indirekt für ihre eigene Arbeit? Wird mit den Informationsveranstaltungen der Nachwuchs rekrutiert? Lässt sich dies überhaupt vermeiden?

Die Unterschriftenkampagne „Lernen für den Frieden“ möchte bundesweit verhindern, dass die Bundeswehr und auch die Rüstungsindustrie Einzug in Bildungseinrichtungen erhalten. Im Oktober sollen die gesammelten Unterschriften an die Kultusministerkonferenz übergeben werden. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, der Gewerkschaft ver.di, den politischen Jugendorganisationen der Grünen und der SPD und vielen weiteren Jugendverbänden.

Die Schülerschaft des St. Angela Gymnasiums hat sich auf Initiative von Schüler Louis Fehling ebenfalls in die Debatte eingeklinkt. „Wir wollen mit einem Antrag in der heutigen Schulkonferenz zukünftige Bundeswehrbesuche in unserer Schule verhindern“, erklärt der Abiturient, der bei der Schulleitung mit seinem Engagement allerdings auf taube Ohren stößt. „Die Lehrer werden uns in der Konferenz voraussichtlich überstimmen“, so Fehling, der eine gute Argumentation der Schulleitung allerdings vermisst.

Weitaus erfolgreicher könnte die Aktion am Engelbert-von-Berg-Gymnasium laufen. Hier hat sich Abiturient Jonathan Lessing dem Thema angenommen. „Wir werden die Unterschriftenaktion Anfang Juni durchführen. Für die Schulkonferenz sind wir sehr zuversichtlich, da sich bisher alle sehr offen für das Thema gezeigt haben“, so Lessing. Außerdem soll es Informationsveranstaltung geben, die die Eltern und Lehrer auf den neusten Stand bringen.

Auch wenn die Abstimmung in der Schulkonferenz des St. Angela Gymnasiums voraussichtlich keinen Erfolg haben wird, rechnet Louis Fehling nicht damit, dass die Schulleitung zeitnah die Bundeswehr einladen wird. Umso ärgerlicher wäre es, wenn die Schule kein generelles Nein gegen Informationsbesuche der Bundeswehr in ihren Räumen aussprechen würde. Schulleiter Norbert Krämer war bis Redaktionsschluss nicht für ein Gespräch verfügbar.