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Seniorin stirbt bei Altenheimbrand

ch; 13. Aug 2011, 16:00 Uhr
Bild: Christian Herse, Adi (6) --- Heute Nacht kam es zu einem Zimmerbrand im Caritas-Seniorenheim in Marienheide.
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Seniorin stirbt bei Altenheimbrand

ch; 13. Aug 2011, 16:00 Uhr
Marienheide – Ein Zimmerbrand im Caritas Seniorenzentrum löste den größten Rettungseinsatz in der Geschichte des Oberbergischen Kreises aus – 250 Helfer rückten an – 75-Jährige verstirbt, elf Personen verletzt. (AKTUALISIERT)
Von Christian Herse

Es ist das Horrorszenario eines jeden Helfers: Ein Feuer in einem Altenheim mitten in der Nacht. Am frühen heutigen Morgen wurden diese Befürchtungen Realität. Um 1:37 Uhr wurden sämtliche Feuerwehren der Gemeinde Marienheide in die Hermannsbergstraße alamiert. In dem dortigen Caritas Seniorenwohnheim hatten Mitarbeiter auf der vierten Ebene den Brand bemerkt und auch selbst erste Löschversuche gestartet. Als die Rettungswagencrew der nahen Wache am Einsatzort eintraf, war das gesamte Stockwerk bereits so sehr verraucht, dass keine Hilfe mehr möglich war.

[Im Eingangsbereich wurden die betroffenen Bewohner untersucht.]

Die anrückende Feuerwehr unter der Leitung des Wehrführers Frank Hartkopf erkannte schnell den Ernst der Lage und leitete einen massiven Atemschutzeinsatz zur Evakuierung ein. „Insgesamt waren 33 Personen auf dieser Etage gemeldet. Glücklicherweise haben die Brandschutztüren funktioniert, sodass sich weder Feuer noch Qualm weiter ausbreiten konnten“, berichtete Hartkopf. Insgesamt zehn Bewohner wurden in ihren Zimmern vermisst und durch zwölf Trupps unter Atemschutz ins Freie gerettet. Für die 75-jährige Bewohnerin des betroffenen Zimmers kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie verbrannte in ihrem Bett und konnte nur noch tot geborgen werden. Das Feuer selbst war binnen kürzester Zeit gelöscht.

Aufgrund der unklaren Lage und der potentiellen Anzahl von Verletzten löste die Kreisleitstelle Großalarm für die Rettungskräfte aus. Mit „MANV 4“,  was "Massenanfall von Verletzten" bedeutet, wurde erstmalig im Kreis die höchste Alarmstufe ausgerufen, nach deren Vorgaben über 50 Verletzte versorgt werden müssen. Neben der DRK Einsatzeinheit Mitte und Betreuungseinheit Nord setzten sich  deswegen auch Kräfte aus dem gesamten Märkischen Kreis in Bewegung, die gleiche Zahl wurde im Rheinisch-Bergischen-Kreis in Alarmbereitschaft versetzt. Zusätzlich waren sechs Rettungswagen aus Gummersbach, Hückeswagen, Marienheide und Meinerzhagen sowie die Notärzte aus Engelskirchen, Gummersbach und Wipperfürth im Einsatz.

Weitere dienstfreie Kräfte aus dem hauptamtlichen Rettungsdienst wurden ebenso alarmiert, wie zehn Mitarbeiter der Leitstelle, die ebenfalls aus der Freizeit aktiviert wurden. Die Löschzüge Gummersbach und Kierspe/Rönsahl unterstützten die hiesigen Kräfte. Letztere hatten erst einen Tag zuvor den Ernstfall mit den Heier Kameraden geprobt. Insgesamt waren 30 Feuerwehr- und 40 Rettungsdienstfahrzeuge vor Ort.


[Drei Personen wurden in Krankenhäuser eingeliefert, acht weitere mussten psychisch betreut werden.]

Koordiniert wurde diese Großschadenslage im Einsatzleitwagen aus Bergneustadt, in dem alle Fäden zusammenliefen. „Bei dieser möglichen Anzahl von Verletzten muss man vom Schlimmsten ausgehen“, führte Kreisbrandmeister Frank-Peter Twilling aus. „Gott sei Dank haben alle Beteiligten, vom Pflegepersonal über die Feuerwehr bis zum Rettungsdienst, hervorragende Arbeit geleistet.“ Dies sah auch Landrat Hagen Jobi so, der gemeinsam mit Kreisdirektor Jochen Hagt nach Marienheide geeilt war, sich einen Überblick über die Lage verschafft hatte und den 130 Feuerwehrleuten sowie 100 Rettern des Deutschen Roten Kreuzes und Malteser Hilfdienstes für ihren Einsatz dankte.

Im Eingangsbereich wurden die Betroffenen vom Rettungsdienst und dem Leitenden Notarzt, Dr. Carsten Eisberg, einer Triage zugeführt, bei der sie gesichtet und nach Verletzungsgrad gekennzeichnet wurden. Ein Feuerwehrmann verletzte sich während den Löscharbeiten und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Gleiches galt für eine Bewohnerin und eine Mitarbeiterin des Altenheims, welche beide Rauchgasvergiftungen erlitten. Notfallseelsorger und Psychologen betreuten sieben Bewohner vor Ort seelisch.

„Die Kriminalpolizei wird die weiteren Ermittlungen durchführen. Das betroffene Stockwerk wurde nur leicht in Mitleidenschaft gezogen und kann schnell wieder genutzt werden“, erklärte Hartkopf. Während große Teile des DRKs bereits gegen vier Uhr abrücken konnten, blieb die Feuerwehr noch bis 5:30 Uhr vor Ort. Mit Ergebnissen zur Brandursache wird nicht vor Montag gerechnet.

Videobeitrag: Tödliches Feuer im Altenheim



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