Archiv

Wenn der Alarm den Chef nur noch nervt

ch; 1. Apr 2011, 15:52 Uhr
Bilder: Feuerwehr Ründeroth --- Immer wieder kommt es zu unnötigen Fehleinsätzen der Feuerwehr, die die Geduld der Arbeitgeber strapazieren.
ARCHIV

Wenn der Alarm den Chef nur noch nervt

ch; 1. Apr 2011, 15:52 Uhr
Oberberg – Unnötige Einsätze stoßen zunehmend auf Unverständnis bei der Feuerwehr. Denn auch bei jedem Fehlalarm verlassen dutzende Kameraden ihren Arbeitsplatz, was die Chefs nicht immer freuen dürfte.
Kopfschüttelnd stehen die Kameraden auf der Straße, ihr Blick richtet sich auf einen qualmenden Haufen von Tannenzweigen. Vor wenigen Minuten hatte genau dieser dafür gesorgt, dass bei 80 Feuerwehrleuten der Alarmempfänger zur Mittagszeit losgegangen ist. Viele von ihnen befinden sich zu dieser Zeit auf der Arbeit. „Einsatz für die Löschzuge Engelskirchen und Ründeroth, nach Schnellenbach – Scheunenbrand“, lautet die Durchsage der Leitstelle.

[Anstelle den Unrat auf einem Feld zu verbrannten, entzündete es der Besitzer direkt neben eine Scheune.]

Schnell machen sich die Helfer auf den Weg, lassen die Schaufel fallen, die Computermaus liegen oder die Werkbank alleine zurück, um zügig zu ihrem Gerätehaus zu fahren. Dann am eigentlichen Einsatzort stellt sich heraus, dass es sich lediglich um ein Abraumfeuer handelte, dass gefährlich nah an einer Scheune entzündet wurde und für mächtig Qualm sorgte. Der stellvertretende Wehrführer in Engelskirchen, Thomas Krimmel, ist sauer: „Es ist wirklich ärgerlich, wegen solchen Fahrlässigkeiten den Arbeitsplatz verlassen zu müssen.“ Viele Arbeitgeber würden ihre Angestellte noch unproblematisch zum Einsatz lassen, obwohl sie niemand dazu zwingt und die Arbeit in der Zeit ruht.

Ein Lied von unnötigen Einsätzen kann auch der Marienheider Feuerwehrchef Frank Hartkopf singen, selbst Arbeitgeber. Insgesamt 25 Mal mussten die Heier Kameraden im letzten Jahr zum Zentrum für seelische Gesundheit ausrücken und jedes Mal war es ein Fehlalarm. „Zum Glück ereigneten sich die Einsätze zumeist in den Abendstunden, wenn viele bereits zu Hause sind. Denn ich hätte Verständnis dafür, wenn die Arbeitgeber dieses ehrenamtliche Engagement irgendwann untersagen würden.“ Denn im Endeffekt handelt es sich um Lappalien, zu denen dann zumeist 20 bis 30 Feuerwehrleute rausfahren und häufig eine Stunde lang weg bleiben.

Krimmel will deswegen vor allem aufmerksam machen: „ Wenn einfach etwas nachgedacht werden würde, könnte man solche Einsätze wunderbar vermeiden.“ Er erklärt deutlich, dass die Freiwilligen Feuerwehren aus Ehrenamtlichen bestehen, die häufig ihre Familie oder Arbeitsplatz verlassen. Entsprechend groß sei dann das Unverständnis, wenn es sich um einen fahrlässigen Fehlalarm handelt. „Glücklicherweise sind die Arbeitgeber noch kulant, aber solche Einsätze tragen nicht gerade dazu bei, dass dies auch künftig noch so bleibt.“ Die Folge wäre dann eine nicht mehr schlagfertige und deutlich reduzierte Truppe, die  nicht mehr schnell sowie ausreichend helfen kann, wenn es einmal wirklich brennt.