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Lebenswichtige Hilfe im Eiltempo

ch; 3. Mar 2010, 11:59 Uhr
Bild: Christian Herse --- Chefarzt Dr. Walter Schäfer zeigt die Zertifizierung, die belegt: Die Traumaversorgung in Gummersbach ist vorbildlich.
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Lebenswichtige Hilfe im Eiltempo

ch; 3. Mar 2010, 11:59 Uhr
Gummersbach – Schwerstverletzte Traumapatienten erhalten im Krankenhaus Gummersbach schnelle und hochqualifizierte Hilfe. Dies bekam die Klinik nun auch offiziell zertifiziert.
Das Oberbergische ist in den warmen Frühjahrs- und Sommermonaten ein Mekka für Motorradfahrer und Mountainbiker. Die kurvenreichen Straßen und dichtbewachsenen Wälder locken jährlich hunderte Zweiradfahrer in die Region, doch nicht alle kommen unbeschadet wieder nach Hause. Einige verunglücken schwer und erleiden aufgrund der gefahrenen Geschwindigkeiten häufig schlimmste Verletzungen. 70 Polytraumen, also einzelne Verletzungen oder die Kombination mehrerer, die zu lebensbedrohlichen Zuständen führen, werden jedes Jahr in das Gummersbacher Krankenhaus eingeliefert- die Zahl der Verdachtsfälle ist sogar dreimal so hoch.

Werden Ärzte und Pfleger dort mit diesem Stichwort alarmiert, wird automatisch eine Rettungskette in Gang gesetzt, die aus klaren Richtlinien besteht und einzig das Ziel hat, den Patienten schnellstmöglich die Versorgung zukommen zu lassen, die er am dringendsten benötigt.  Die Zahl der lebensgefährlich Verunglückten ist dabei in Oberberg im Landesschnitt überdurchschnittlich hoch, während die Anzahl der in der Klinik verstorbenen Unfallfahrer äußerst gering ausfällt. Möglich wird dies nur durch eine enge Zusammenarbeit, die mit dem Rettungsdienst auf der Straße beginnt und auf der Station im Krankenhaus endet.

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Patienten innerhalb einer Stunde nach dem Unfall in die Klinik gebracht zu haben. Eine weitere Stunde später muss die Schockversorgung im Krankenhaus abgeschlossen sein“, berichtet Dr. Ralf Mühlenhaus als Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. Während der Versorgung gebe es dabei nichts zu diskutieren oder kritisieren. In welches Hospital der Patient eingeliefert wird, entscheidet sich anhand seines Verletzungsgrades. „Die Traumaversorgung ist als ein Netzwerk aufgebaut. Leichtverletzte kommen in die kleineren Häuser wie Engelskirchen oder Wipperfürth. Schwerverletzte sollen grundsätzlich nach Gummersbach gebracht werden“, erklärt Dr. Walter Schäfer, unter anderem Chefarzt der Unfallchirurgie am Kreiskrankenhaus, das System. „Nur ein ganz geringer Teil kommt in die Spezialklinik nach Köln-Merheim.“

Rund um die Uhr hält die oberbergische Klinik ein Traumateam für einen Notfallpatienten bereit, ein zweites könnte in kürzester Zeit zusammengestellt werden. Diese qualifizierte Hilfe kann Gummersbach nun auch schwarz auf weiß belegen. „Im letzten Jahr wurden wir auf Herz und Niere überprüft und von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie nun offiziell als regionales Traumazentrum zertifiziert. Damit können wir belegen, dass an unserem Standort die Verunglückten jederzeit die beste Hilfe erhalten“, freut sich Klinikum Oberberg- Geschäftsführer Joachim Finklenburg.

Eine Entwicklung, die auch für eine Sogwirkung bei anderen Häusern sorgt. „Lange Zeit hat man sich beispielsweise in Engelskirchen oder Lindlar dagegen gewehrt, die eigenen Mitarbeiter im Trauma-Management fortzubilden. Mittlerweile findet auch dort ein Umdenken statt“, stellt Mühlenhaus eine positive Tendenz fest, die vor allem einem zu Gute kommt: Dem Verunfallten, dessen Ausflug ins Oberbergische unsanft im Rettungswagen endete.

Siehe auch: Oberbergischer Traumakonsens: "Behandle das, was zuerst tötet!"