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HC-Motor geht der Sprit aus

pn; 16. Dec 2018, 19:55 Uhr
Bilder: Michael Kleinjung ----
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HC-Motor geht der Sprit aus

pn; 16. Dec 2018, 19:55 Uhr
Oberberg – Während Derschlag sich die Herbstmeisterschaft sichert, stolpert HCGS zur nächsten Niederlage - CVJM überwintert als Schlusslicht - SSV chancenlos - Die Handball-Oberliga wird präsentiert von 'Sportsbar Lutter'. (AKTUALISIERT)

HC Gelpe/Strombach – Pulheimer SC 25:26 (15:13).


„Das Fass ist leer“, resümierte HC-Trainer Michiel Lochtenbergh kurz und knackig die Niederlage seines Teams zum Hinrundenabschluss. Hatte der Niederländer nach dem überraschenden Remis in der Kölner Südstadt vergangene Woche noch gehofft, dass sein Team nur mentale Probleme gegen den Abstiegskandidaten gehabt habe, musste er nun feststellen, dass sein Kader wohl doch körperlich auf dem Zahnfleisch geht. „Uns fehlt die letzte Power. Die Winterpause kommt für uns zwei Wochen zu spät“, erklärte der Ex-Profi weiter. Die vielen kleinen und großen Verletzungen während der Hinserie forderten auch gegen Pulheim ihren Tribut. Die Oberberger starteten zwar mit einem perfekten 5:0-Lauf (6.) in die Partie, der letztjährige Vizemeister ließ sich über 9:8 (20.) aber keineswegs abschütteln und blieb stets auf Schlagdistanz. Die Hausherren blieben über 19:15 (38.) und 24:22 (53.) zwar ständig in Führung, konnten aber keineswegs den entscheidenden Punch setzen.


[Lukas Bader rutschte in der Schlussphase unglücklich weg und verdrehte sich dabei sein bereits lädiertes Knie erneut leicht. Sein Coach geht aber von keiner schlimmeren Verletzung aus, ist aber froh seinem Linkshänder nun etwas Pause geben zu können.]

„Was uns in vielen Duellen der Hinrunde ausgemacht hat, dass wir in der Schlussphase noch einmal zulegen konnten, fehlte uns in den letzten Spielen völlig und ist eigentlich untypisch für die Jungs“, meinte Lochtenbergh. Gerade defensiv habe die Kraft zum letzten Schritt zu häufig gefehlt. Luis Drux wurde schmerzlich vermisst. Schließlich kam es, wie es kommen musste. Cedric Wentzel markierte zunächst den 25:25-Ausgleich (57.) für die Gäste und Kristoffer Lingner sorgte mit der einzigen PSC-Führung des Spiels vier Sekunden vor dem Ende für entsetzte und ratlose Gesichter bei der oberbergischen Spielgemeinschaft. „Man merkt, dass viele Spieler bei uns nur so trainieren können, dass sie für das Wochenende fit sind. Das kann man vielleicht für ein oder zwei Wochen kompensieren, aber nicht über weite Teile der Hinrunde“, so Lochtenbergh, der von einem insgesamt schwachen Oberliga-Spiel sprach, sich gleichzeitig aber auch angriffslustig zeigte: „Wir freuen uns, jetzt Kraft zu tanken, sind in der Tabelle immer noch in Schlagdistanz und haben noch eine komplette Rückrunde vor uns, in der viel passieren kann.“


Gelpe/Strombach: Nico Blech, Lukas Bader (je 6), Julian Mayer (5/3), Sean Borgard (3), Markus Meister, Florian Panske (je 2), Harry Roth (1).

HSG Refrath/Hand – TuS Derschlag 27:31 (11:14).

Ein zufriedenes Lächeln umspielte Ralph Weinheimers Gesicht nach dem souveränen Erfolg im Spitzenspiel bei der HSG Refrath/Hand. Seine Handballer meisterten die schwierige Auswärtshürde nicht nur höchst souverän, sondern sicherten sich auch die Tabellenführung über die lange Winterpause. „Das war ein toller Abschluss des Jahres und die Herbstmeisterschaft ist die Krönung einer tollen Hinrunde“, meinte der TuS-Coach. Hatten die Oberberger zuletzt ein wenig geschwächelt, passte im letzten Pflichtspiel des Jahres noch einmal fast alles. Gerade seine 5:1-Defensive um Indianer Thorben Schneider verzückte Weinheimer über 60 Minuten. „Wir wollten den Druck von unserem Mittelblock wegbekommen und haben Refrath mit dieser für uns nicht unbedingt üblichen Deckung auch ein wenig überrascht. Die Jungs haben genau das umgesetzt, was wir uns unter der Woche erarbeitet haben“, erklärte der Trainer weiter.

[Nico Blech wird von Jan Giesen attackiert.]

Nach wilden Anfangsminuten, in denen beide Teams bis zum 4:5 (6.) nervös begannen, fanden die Gäste zu ihrer spielerischen Linie und kontrollierten die Partie bis zum 10:14 (29.) weitestgehend. Mit dem Pausenpfiff musste Derschlag allerdings noch einen kleinen Magenschlag verkraften. Zunächst blieb ein Foul an Thorben Schneider ungeahndet, im Gegenzug eroberten die Gastgeber dagegen einen Siebenmeter und Carsten Lange wurde zusätzlich ein wenig fragwürdig für zwei Minuten auf die Strafbank geschickt. Das TuS-Team reagierte ein wenig geschockt und kassierte nach dem Seitenwechsel den 14:14-Ausgleich (33.). „Es spricht aber für unsere Qualität, dass wir uns davon nicht haben beirren lassen“, so Weinheimer, dessen Team auch zügig wieder zum 16:19 (42.) vorlegte und die Partie völlig souverän über die Bühne brachte. Neben dem starken Matias Cabrales verdiente sich auch der solide Timo Domian ein Sonderlob aus einer guten Kollektivleistung. „Der Blick auf die Tabelle ist schön, aber im neuen Jahr müssen wir wieder angreifen“, weiß Weinheimer, dass die Herbstmeisterschaft nicht über den Aufstieg entscheidet.


TuS Derschlag: Matias Cabrales (7), Tim Hilger (7/2), Carsten Lange (5), Thorben Schneider (4), Vladislav Veselinov, Timo Domian (je 3), Paul Borisch (2).

 

Longericher SC II – CVJM Oberwiehl 31:30 (17:14).


Zumindest seinen Optimismus hatte CVJM-Trainer Nils Hühn nach der neuerlichen Niederlage in Longerich, durch die Oberwiehl die Hinserie mit mickrigen zwei Punkten abschließt, noch nicht verloren: „Meine Frau Lena hatte zu ihren Nümbrechter Zeiten nach der Hinrunde schon einmal nur einen Punkt und ist am Ende nicht abgestiegen.“ Ob auch ihr Ehemann als Trainer einen ähnlichen Husarenritt in der Rückrunde vollziehen kann, darf nach dem erneuten Nackenschlag allerdings zumindest angezweifelt werden. Zwar haben die wahrscheinlich einzigen Konkurrenten aus Nippes und Köln derzeit auch nur vier und fünf Punkte, doch die Südkreisler befinden sich momentan in einer sich verselbstständigen Abwärtsspirale. Dabei schien der Spielfilm des Duells im Kölner Norden wie gemacht für einen spektakulären Befreiungsschlag. Oberwiehl agierte im ersten Durchgang erschreckend schwach und verlor nach 20 Minuten zudem Abwehrchef Andre Rischikov, dem ein Gegenspieler ins Knie gefallen war.


[Michiel Lochtenbergh ist eigentlich kein Freund davon, über Verletzungssorgen zu klagen, ist aber froh, dass sein Team nun über einen Monat regenerieren kann.]

„Defensiv waren wir viel zu passiv und auch im Angriff fiel uns wenig ein“, monierte Hühn, der zur Pause aber ein Fünkchen Hoffnung hatte. Schließlich hatten sich die Gastgeber in der letzten Minute vor dem Seitenwechsel durch drei Zeitstrafen selbst geschwächt. Tatsächlich konnte der CVJM daraus enormes Kapital schlagen, drehte die Partie zum 17:18 (36.) und wähnte sich trotz der roten Karte gegen Jan Sonka (44.) beim 22:26 (51.) auf dem Weg zum ersehnten Befreiungsschlag. Doch während Longerich nun das Tempo anzog, verloren die Gäste völlig den Kopf. Auch Joshua Grabeck wurde disqualifiziert (53.) und beim 27:26 (55.) war der komfortable Vorsprung bereits verspielt. In den Schlussminuten hatte Oberwiehl zwar mehrfach die Chance die Partie abermals zu drehen, „aber wir waren in unseren Abschlüssen schlicht zu dumm“, wollten Hühns Spieler den Turnaround zu sehr erzwingen.


Für die Rückrunde hat er die Hoffnung aber noch nicht verloren: „Selbst nach der katastrophalen ersten Hälfte hat sich die Mannschaft zurückgekämpft, dabei Leben und Willen gezeigt. Das Ergebnis passt aber zu unserem Jahr. Wir belohnen uns nicht. Wir müssen jetzt einen Monat intensiv arbeiten und haben dann 13 Spiele, um den Klassenerhalt doch noch zu schaffen, auch wenn das wahrscheinlich ultra-schwierig wird.“


Oberwiehl: Mirco Gröbner (6/2), Jan Jäckel (5), Artur Gartung, Simon Schanz (je 4), Andre Rischikov, Andreas Glüer, Jannes Pulla, Jan Sonka, Sebastian Deilmann (je 2), Bastian Schneider (1).
[Kristoffer Lingner (links im Bild) testete hier nicht nur das Trikot von Nico Blech auf seine Reißfestigkeit, sondern erzielte auch das Siegtor für die Gäste.]

MTV Köln – SSV Nümbrecht 28:21 (12:10).


Den Jahresabschluss hatten sich Nümbrechts Handballer ganz anders vorgestellt. Wähnten sich die Oberberger unter der Woche noch auf Augenhöhe mit dem Kölner Kontrahenten, musste SSV-Coach Dirk Heppe diese Meinung nach dem Duell mit dem Tabellennachbarn revidieren. „Die zweite Hälfte war schon großer Käse. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt“, haderte der Trainer mit dem Auftritt seines Teams. Insgesamt 17 technische Fehler und zahlreiche Fehlwürfe notierte Heppe in seiner Statistik. Kölns Keeper Benedikt Schmitz parierte weit über 20 Bälle. Entsprechend bedient war der Übungsleiter bereits beim Seitenwechsel. Nümbrecht präsentierte sich in der Anfangsphase zwar defensivstark, konnte aufgrund der hohen Fehlerquote bis zum 0:2 (10.) aber kaum Kapital hieraus schlagen. Nachdem Köln begann das Tor zu treffen, wechselte entsprechend schnell die Führung über 4:2 (13.) und 9:5 (25.).


Der Schlussspurt vor der Pause machte zwar nochmals Hoffnung, diese verflog nach der zehnminütigen Unterbrechung aber auch ebenso schnell wieder. Über 17:12 (42.) versuchten es die Gäste allzu häufig mit der Brechstange. „Die Jungs wollten die Aufholjagd zu sehr erzwingen“, vermisste Heppe mit Jannik Lang eine ordnende Hand in der insgesamt schwachen Oberligapartie. Der Spielgestalter schaffte es erst acht Minuten vor dem Abpfiff von seiner Univeranstaltung in die Halle. Gegen die 3:2:1-Defensive der Domstädter agierten die Gäste viel zu statisch und ohne jede Bewegung ohne Ball. „In den letzten Minuten haben wir dann die Köpfe hängen lassen“, resümierte Heppe die Schlussphase, in der aus einem 21:18 (53.) noch eine klare und verdiente Niederlage wurde. „Das war natürlich ein enttäuschender und ernüchternder Auftritt. Wir werden die Pause nutzen, unsere Wehwehchen auszukurieren und den Kopf wieder klar zu bekommen“, gibt Heppe der Mannschaft erst einmal frei, um in der Rückrunde neu angreifen zu können.


Nümbrecht: Dag Dissmann (5), Tobias Mlynczak, Marcel Baier, Johannes Urbach (je 3), Dominik Donath, Jens Frey (je 2), Mario Weissner, Marcel Samel, Julian Klein (je 1).
  
Ergebnisse und Tabelle