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Julian Mayer eiskalt aus sieben Metern

pn; 14. Oct 2018, 11:21 Uhr
Bilder: Michael Kleinjung, Judith Uessem ---- Luis Drux steuerte drei Treffer zum HC-Sieg bei.
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Julian Mayer eiskalt aus sieben Metern

pn; 14. Oct 2018, 11:21 Uhr
Oberberg - Der Linkshänder macht mit der Schlusssierene einen glücklichen HC-Sieg perfekt - Derschlag überrollt dezimierten CVJM - Nümbrecht in der Schlussphase zu naiv - Die Handball-Oberliga wird präsentiert von 'Sportsbar Lutter' (AKTUALISIERT).
HC Gelpe/Strombach – TSV Bayer Dormagen II 27:26 (13:15).


[Harry Roth und der HC Gelpe/Strombach sind seit diesem Wochenende neben dem TuS Derschlag das einzige unbesiegte Team der Oberliga.]

Wer nach dem denkbar knappen 27:26-Erfolg im Spitzenspiel gegen die bis dahin ungeschlagene Dormagener Zweitligareserve erwartete, einen zufriedenen Michiel Lochtenbergh anzutreffen, hatte die Rechnung ohne den Niederländer gemacht: „Wenn ich ehrlich bin, war das bislang unsere schlechteste Saisonleistung. Wir hätte uns über einen Punktverlust oder eine Niederlage heute nicht beschweren dürfen.“ Sein Team habe sich das Leben selbst schwer gemacht, weil die taktischen Vorgaben nur selten eingehalten wurden. „Das war fahrig, unkonzentriert und teilweise undiszipliniert. Das ist nicht unser eigener Anspruch“, ging der Ex-Profi in die weitere Analyse. Bereits die Anfangsminuten gehörten bis zum 4:6 (11.) den individuell starken Gästen, die in der HC-Defensive immer wieder Lücken aufrissen. Aber auch die Hausherren wussten phasenweise mehr als nur zu gefallen. Beim 8:6 (17.) hatten die Oberberger ein erstes Statement abgegeben, konnten über 9:12 (24.) darauf aber nicht aufbauen. Zu viele technische Fehler und unnötig früh abgeschlossene Angriffe sorgten für den Pausenrückstand.


[Lukas Bader nimmt gegen Leonard Nielen Maß.]

Nach dem Seitenwechsel folgte zwar der 18:18-Ausgleich (41.), es dauerte aber bis zum 23:22 (54.) ehe Gelpe/Strombach die Partie erstmals wieder drehen konnte. Aber selbst die 25:23-Führung (56.) sorgte nicht für Entspannung bei der HCGS. „In den Phasen, in denen es eigentlich lief, haben wir den Gegner immer wieder mit weggeworfenen Bällen wieder stark gemacht“, so Lochtenbergh, der eine turbulente Schlussminute sah. Zunächst glich Dormagen 17 Sekunden vor dem Ende zum 26:26 aus, ehe die Oberberger zu einem letzten Angriff ansetzten. Nach einem Freiwurfpfiff versuchten gleich zwei Gästespieler die Ausführung zu unterbinden. Es folgten leicht tumultartige Szenen, ehe die Schiedsrichter nach einer knapp einminütigen Beratung auf eine rote Karte gegen Micah Hensing und einem damit verbundenen Strafwurf für die Hausherren entschieden. Julian Mayer zeigte keine Nerven und traf zum umjubelten Sieg. „Auch wenn es glücklich war, am Ende gewinnt der, der es auch verdient“, freut sich Lochtenbergh nun auf die einwöchige Pause, „da können wir einige Dinge aufarbeiten.“


Gelpe/Strombach: Julian Mayer (10/4), Nico Blech (6), Harry Roth, Lukas Bader, Luis Drux (je 3), Florian Panske (2).




CVJM Oberwiehl – TuS Derschlag 23:37 (9:14).


[Spitzenreiter Derschlag ließ dem CVJM Oberwiehl im Derby nicht den Hauch einer Chance.]

Ein eher dröges oberbergisches Duell erlebten die rund 200 Zuschauer in der Wiehler Weltmeisterhalle. „Der geneigte Derbyzuschauer wird heute unzufrieden nach Hause gegangen sein“, vermisste Gästecoach Ralph Weinheimer die Derbymentalität auf dem Spielfeld, aber auch auf den Zuschauerrängen. Dabei hatten die Gastgeber in den ersten 20 Minuten durchaus auf Augenhöhe agiert. Der taktische Plan von Florian König, die Derschlager Rückraumschützen zu Würfen aus der zweiten Reihe einzuladen, ging bis zu diesem Zeitpunkt vollkommen auf. Das TuS-Kreisläuferspiel fand bis zum 7:8 (23.) kaum statt, während der starke Christopher Koch die Geschosse reihenweise parierte. Aber auch offensiv war der CVJM zunächst ebenbürtig, bis Marc Weschenbach und Johannes Schneevogt Verschnaufpausen benötigten. „Das brachte Unordnung in unser Spiel“, hatte König aufgrund der Personalnot sogar Jan Jäckels Comeback vorgezogen. Derschlag konterte entsprechend eiskalt zum 9:14-Pausenstand. „Eigentlich müssen wir zu diesem Zeitpunkt schon deutlicher führen“, hatte Weinheimer 13 Fehlwürfe und vier technische Fehler notiert.



[Der akribische Michiel Lochtenbergh war trotz des Sieges nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft.]

Wesentlich besser wurde seine Laune nach dem Seitenwechsel. Die Südkreisler zeigten sich defensiv längst nicht mehr so präsent und auch offensiv machten sich die zahlreichen taktischen Kompromisse bemerkbar, nachdem Weschenbach und Schneevogt am Rande ihrer Kräfte waren. Über 12:22 (39.) und 18:30 (51.) war der Erfolg der Gäste nur eine Frage der Höhe. „Nachdem unsere Chancenverwertung besser wurde, spiegelten die 14 Tore den Unterschied zwischen beiden Teams einfach wieder“, meinte Weinheimer, der sich zwar über die Tabellenführung zur Herbstpause freute, diese aber nicht überbewerten will: „Das ist noch ein Muster ohne Wert. Natürlich dürfen wir das jetzt genießen, aber in zwei Wochen wartet das Derby gegen Nümbrecht. Das wird deutlich intensiver werden.“ Auch auf der anderen Seite ist König über die anstehende einwöchige Pause froh: „Danach werden mehrere Verletzte in den Kader zurückkehren. Das wird ein Neustart für uns. Trotz der neuerlichen Niederlage gibt es positive Dinge, an denen wir uns festbeißen müssen.“


Oberwiehl: Johannes Schneevogt (6/2), Marc Weschenbach, Andre Rischikov (je 5), Jan Jäckel (4), Joshua Grabeck (2), Bastian Schneider (1).


Derschlag: Tim Hilger (8/3), Matias Cabrales (6), Paul Borisch, Vladislav Veselinov (je 5), Thorben Schneider (4), Carsten Lange, Nils Welke, Timo Domian (je 2), Norman Krause, Timo Bay, Fynn Wandschneider (je 1).




SSV Nümbrecht – TV Birkesdorf 31:31 (15:14).


Tief enttäuscht und mit gesenkten Köpfen verließen Nümbrechts Handballer nach dem Abpfiff die Spielfläche. Zwei Minuten vor der Schlusssirene hatten Dominik Donath noch das 31:28 für die Südkreisler erzielt. Nur 64 Sekunden später sollte Aaron Ernst für den Aufsteiger aus Birkesdorf zum 31:31-Ausgleich einnetzen. In der verbleibenden Minute passierte nichts mehr. Als einen Cocktail aus jugendlicher Unbekümmertheit, gepaart mit einiger Naivität, dazu einem Schuss Übermut und Unerfahrenheit beschrieb Nümbrechts Coach Dirk Heppe die Horror-Minute seiner Mannschaft, um ihr aber auch sogleich Mut zuzusprechen. „Wir müssen auf dem Teppich bleiben. Gegen einen wirklich starken Gegner haben wir erneut ein tolles Spiel gemacht. Vor der Saison wurden wir teilweise als Abstiegskandidat gehandelt, jetzt stehen wir mit 9:3-Auftaktpunkten hervorragend da“, weiß er, dass der starke Saisonstart im SSV-Umfeld Erwartungen geweckt hat. „Man muss einfach sehen, dass wir eine blutjunge Mannschaft haben und unsere Gegner auch Handball spielen können“, will er demütig bleiben und weiter in Ruhe mit seinem Team arbeiten.



[Julian Mayer ließ sich beim letzten Siebenmeter des Spiels nicht aus der Ruhe bringen.]

Eine Arbeit, die für spannungsgeladene 60 Minuten in der GWN-Arena gesorgt hatte. Die Gäste forcierten ein unheimliches Tempo, dass Nümbrecht gnadenlos mitging. Besonders die Anfangsphase gehörte der Mannschaft von Boris Lietz, die jeden Fehler mit einem Gegenstoß bestrafte. Über 5:8 (15.) liefen die Hausherren ständig einem Rückstand hinterher und konnten die Partie erst Sekunden vor der Pause drehen. Seine stärkste Phase hatte der SSV nach dem Seitenwechsel.


[Immer wieder stießen die Derschlager Angreifer durch die löchrige Oberwiehler Deckung.]

Dabei feierte Marcel Samel ein sensationelles Comeback und sorgte dafür, dass die Gastgeber zum 20:15 (36.) enteilten. Der BTV konterte aber zum 23:24 (47.), nachdem er endlich eine Lösung für die Manndeckung gegen Aaron Ernst gefunden hatte. Bekanntermaßen sollte die Partie zwar erneut in Richtung der Oberberger kippen, der Schlussakkord verhieß aber Lehrgeld für die Südkreisler. „Jeder wollte unbedingt das erlösende Tor erzielen und dabei haben wir viel zu schnell den Abschluss gesucht. Da fehlte uns Abgezocktheit, die ich von den Jungs aber noch nicht erwarten kann“, konnte Heppe auch mit einem Zähler letztlich gut leben.


Nümbrecht: Marcel Samel (9/2), Mario Weissner, Dag Dissmann (je 4), Tobias Mlynczak, Dominik Donath, Julian Klein, Jannik Lang (je 3), Marcel Baier (2).


Ergebnisse und Tabelle