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Viel Derby, wenig Glanz

pn; 16. Sep 2018, 11:25 Uhr
Bilder: Michael Kleinjung ---- Nach einer Viertelstunde hatte Dag Dissmann mit einer Provokation noch dafür gesorgt, dass Luca Schrabe die blaue Karte sah, acht Minuten vor Schluss musste er ihm unter die Dusche folgen.
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Viel Derby, wenig Glanz

pn; 16. Sep 2018, 11:25 Uhr
Oberberg - Zwei rote, eine blaue Karte und viel Hektik prägen das Südkreisderby - Gelpe/Strombach und Derschlag liefern sich Kampf auf Augenhöhe - Die Handball-Oberliga wird präsentiert von 'Sportsbar Lutter'. (AKTUALISIERT)
CVJM Oberwiehl – SSV Nümbrecht 22:25 (9:14).

Seit mittlerweile fast zwölf Jahren wartet der CVJM Oberwiehl auf einen Sieg im prestigeträchtigen Südkreisderby. Im Januar 2006, damals noch zu Landesligazeiten, gelang der letzte Erfolg. Es folgten viele Niederlagen und einige Remis. Der SSV Nümbrecht konnte mit seinem neuen Trainer Dirk Heppe dagegen diese Serie nicht nur weiter ausbauen, sondern sich zumindest über Nacht sogar an die Tabellenspitze setzen. Für den SSV-Coach allerdings nicht mehr als eine nette Momentaufnahme: „Natürlich bin ich stolz auf die Jungs und wir können etwas beruhigter in die kommenden Wochen gehen, aber wir haben in diesem Spiel auch viel liegen lassen.“ Dem Wiehler Rivalen bläst der Wind nach zwei Auftaktniederlagen und dem schon wieder grassierenden Verletzungspech dagegen bereits kräftig ins Gesicht.


[Jan Kaminski setzt zu seinem einzigen Treffer an.]

„Ich weiß nicht, ob wir übermotiviert waren. Auf jeden Fall haben wir die in der Kabine aufgebaute Motivation nicht auf die Platte bekommen“, fasste CVJM-Coach Florian König die desolate Anfangsviertelstunde seiner Mannschaft zusammen, die reihenweise am starken Tom Rydzewski scheiterte. 1:6 (15.) hieß es auf der Anzeigentafel, ehe eine strittige blaue Karte gegen Luca Schrabe die Hausherren aus ihrer Lethargie weckte. Im Duell der beiden früheren Oberbantenberger hatte sich Schrabe zu einem Revanchefoul an Dag Dissmann hinreißen lassen. Während Heppe die Situation nicht komplett einsehen konnte, beurteilte König die blaue Karte als „großen Quatsch“: „Das war eine Affekthandlung. Die beiden kennen sich und Luca ist auf die Provokation leider reingefallen. Eine rote Karte hätte völlig ausgereicht.“ Zumindest weckte dies aber sein Team, das allerdings bis zur Pause über 4:7 (18.) und 7:12 (28.) weiter dem Rückstand hinterherlief. „Gefühlt hätten wir zur Pause mit neun Toren führen müssen, haben aber viele Chancen liegen lassen“, meinte Heppe in der Analyse.




[Auch sieben Tore von Artur Gartung konnten die CVJM-Niederlage nicht verhindern.]

Ein Chancenwucher, der sich im zweiten Durchgang fast noch rächen sollte. Die Partie wurde über 13:16 (40.) und 17:20 (51.) zunehmend hektischer, spielerische Glanzpunkte waren die seltene Ausnahme. Vielmehr standen erneut die Unparteiischen im Mittelpunkt, die in der umkämpften Begegnung gegen Mirco Gröbner und Dag Dissmann weitere rote Karten aussprachen – diese allerdings durchaus berechtigt. „Im zweiten Durchgang kam viel Hektik auf und wir haben den Faden etwas verloren“, konnte sich Heppe in der Schlussphase aber auf den starken Tobias Mlynczak und Niklas Reuter verlassen. Auf der anderen Seite haderte König mit dem Spiel seiner Mannschaft. „Auch wenn fast jeder 50-50-Pfiff gegen uns ausgefallen ist, waren wir insgesamt nicht entschlossen genug. Im Training einstudierte Laufwege haben wir nicht umgesetzt bekommen und konnten unsere Spielzüge deshalb nicht blind spielen. Dadurch hat uns zu häufig das Tempo gefehlt.“


Oberwiehl: Artur Gartung (7/2), Bastian Schneider (5/1), Mirco Gröbner (3), Joshua Grabeck (2), Johannes Schneevogt (2/2), Andre Rischikov, Marc Weschenbach, Julian Marenbach (je 1).


Nümbrecht: Tobias Mlynczak (7), Niklas Reuter (5/3), Jannik Lang (3), Johannes Urabch (3/1), Dominik Donath, Jens Frey (je 2), Jan Kaminski, Dag Dissmann, Marcel Baier (je 1).

[Nümbrechts Spieler feierten nach Schlusspfiff ausgelassen Heppes ersten Südkreisderby-Sieg.]

HC Gelpe/Strombach – TuS Derschlag 26:26 (14:14).


Mit Spannung erwartet wurde auch das Gummersbacher Stadtderby, in dem es nicht nur um die Vorherrschaft in der Kreisstadt ging, sondern auch um ein erstes Statement im Kampf um die Spitzenplätze der Oberliga. Welches Team mit dem Remis besser leben kann, werden die kommenden Wochen zeigen, in ihrer Analyse waren sich beide Trainer allerdings einig. Die 350 Zuschauer hatten ein spannendes, aber kein hochklassiges Spitzenspiel erlebt. Während TuS-Coach Ralph Weinheimer zwar die Derbymentalität beider Seiten gefiel, dafür aber das Tempo vermisste, war auch HC-Coach Michiel Lochtenbergh nur bedingt zufrieden „Mit so einer Leistung gegen Derschlag ein Remis zu holen, war letztlich zwar gerecht, aber wenn ich ehrlich bin, kann mit dem Spiel nicht zufrieden sein“, meinte der Niederländer in seiner Analyse.


Dabei machte sich bei den Gastgebern insbesondere der Ausfall von Youngster Sean Borgard bemerkbar, der bereits das Aufwärmen abbrechen musste. Aber auch Derschlag hatte trotz des Debüts von Carsten Lange anfängliche Probleme. Die versetzte 5:1-Defensive auf die starke rechte Angriffsseite des HC erwies sich schnell als Rohrkrepierer. „Wir wollten Nico Blech damit in die Entscheidung zwingen, aber leider hat er immer richtig entschieden“, musste Weinheimer frühzeitig umstellen. Über 6:4 (11.) und 12:10 (22.) entwickelte sich ein hart umkämpftes faires Spiel, in dem die Hausherren leichte Vorteile hatten. Beim 14:12 (27.) verpasste es Gelpe/Strombach aber auch eine Überzahlsituation auszunutzen, verlor diese stattdessen sogar mit zwei Toren, so dass es zur Pause nicht unverdient Remis stand. Der zweite Durchgang gehörte dagegen zunächst den Gästen.



[Mirco Gröbner zeigte sich als fairer Sportsmann. Zunächst wurde Bastian Schneider des Feldes verwiesen. Der Spielmacher intervenierte aber bei den Unparteiischen, dass das Foul an Jannik Lang von ihm ausging.]

Über 16:16 (38.) sorgte ein 0:4-Run zum 16:20 (43.) für die stärkste TuS-Phase. Die Spielgemeinschaft gab sich aber keineswegs auf, während Weinheimer nun Schlüsselszenen für den späteren Punktverlust sah. „In Unterzahl haben wir überragend gedeckt, unser Überzahlspiel war dafür eine Katastrophe. Das hat uns das Genick gebrochen“, urteilte er. Über 22:22 (51.) kippte die Partie erneut zum 24:22 (53.). Derschlag konterte seinerseits und hatte auch den letzten Angriff des Spiels. Statt den freien Linksaußen Norman Krause zu bedienen, ließ sich Matias Cabrales allerdings festmachen. Aus dem letzten verzweifelten Freiwurf konnte der erneut gut aufgelegte Tim Hilger nichts mehr machen. „Unter den Umständen war das Ergebnis in Ordnung, aber hier wäre mehr möglich gewesen“, meinte Lochtenbergh abschließend. Weinheimer wusste dagegen noch nicht recht wie er die Punkteteilung bewerten sollte: „Das ist eigentlich weder Fisch, noch Fleisch, aber in Gelpe/Strombach werden noch viele Teams stolpern.“


Gelpe/Strombach: Harry Roth (9/2), Nico Blech (7), Julian Mayer (6), Florian Panske (3), Tom Bonfiglio (1).


Derschlag: Tim Hilger (13/8), Vladislav Veselinov (4), Carsten Lange (3), Matias Cabrales, Norman Krause (je 2), Lennart Mentges, Thorben Schneider (je 1).


Ergebnisse und Tabelle