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Khodkov wieder ein Totalausfall - Verdiente 23:25-Niederlage gegen Dormagen
(pl/24.3.2001-23:55) Von Peter Lenz
Peinlich, peinlich: Am Abend unterlag der VfL Gummersbach nach einer indiskutablen Leistung den Gästen aus Dormagen völlig verdient mit 23:25.
[Bilder: Oliver Mengedoht --- Ratlose Gesicher beim VfL nach der erneuten Heimschlappe.]
Mindestens zwei Dinge wurden heute Abend einmal mehr deutlich: Zum einen scheinen die Handballer von Trainer Thomas Happe mittlerweile einen regelrechten Heimkomplex zu haben - in der laufenden Spielzeit verbuchte der VfL bereits sechs Niederlagen vor heimischem Publikum - und außerdem braucht der Verein dringend Verstärkung, und zwar auf der halblinken Rückraumposition. Olympiasieger Oleg Khodkov, der derzeit diese Position noch inne hat, wird immer mehr zum Unsicherheitsfaktor der Blau-Weißen. Auch heute wieder war der Russe völlig von der Rolle. Nach 20 Minuten für Marco Beers eingewechselt, leistete sich Khodkov in der Folgezeit gleich vier Fahrkarten und einen technischen Fehler - Torausbeute dagegen Fehlanzeige.
[Auch Umberto Brajkovic hatte heute gegen Dormagen - hier gegen Marcus Wallgren (14) und Henrick Andersson (2) - einen schweren Stand.]
VfL Gummersbach - TSV Bayer Dormagen 23:25 (13:11).
Zunächst gestalteten beide Teams das Mittelrhein-Derby ausgeglichen. Bis zur 27. Minute konnte sich nie eine Mannschaft mit mehr als zwei Toren absetzen. Kyung-Shin Yoon war es, der die Gastgeber erstmals mit drei Treffern in Führung brachte (13:10). Dormagens Robert Sighvatsson verkürzte kurz vor der Pause dann noch auf 11:13 aus Sicht der Gäste. Mit zwei Paraden des TSV-Keepers Joachim Kurth, der bereits nach 15 Minuten für den glücklosen Rafal Bernacki zwischen die Pfosten kam, blieb es bei dem Zwei-Tore-Abstand - nacheinander waren Yoon und Umberto Brajkovic gescheitert.
[Dormagens Christian Ericsson zählte zu den besten Akteuren auf dem Feld.]
Nach dem Seitenwechsel sorgten zwar zunächst Gummersbachs Francois-Xavier Houlet (2) und erneut Yoon per Strafwurf für ein Drei-Tore-Polster (16:13), aber mit vier Toren in Folge durch Christian Ericsson, Jacek Bedzikowski, Viktor Szilagyi und Kreisläufer Robert Sighvatsson waren die Schützlinge von TSV-Trainer Kai Wandschneider in der 41. Minute wieder im Rennen. Bis zum 19:19 (49.) blieb es dann wieder ausgeglichen, ehe Gummersbach in Überzahl - Pascal Mahé saß auf der Bank - durch Umberto Brajkovic und Kapitän Ian-Marko Fog wieder auf 21:19 davonzog.
Auch fünf Minuten vor dem Abpfiff waren die Oberberger am Drücker (23:21), aber fortan lief nichts mehr bei der Mannschaft von Thomas Happe: Nach dem Anschlusstreffer zum 22:23 durch Dormagens besten Akteur, Christian Ericsson, schloss zunächst Brajkovic völlig überhastet nach nur sieben Sekunden ab. Im direkten Gegenzug der Ausgleich durch Nationalspieler Mirko Bernau mit seinem fünften Treffer.
[Mit sechs Toren war "Zou-Zou" Houlet noch erfolgreichster VfL-Werfer.]
Nachdem dann auch noch Marco Beers einen Gummersbacher Angriff verstolperte, besorgte erneut Ericsson zweieinhalb Minuten vor Ultimo die Führung. Die Uhr zeigte noch 55 Sekunden an, als VfL-Spielmacher Houlet völlig freistehend am glänzend aufgelegten Bayer-Keeper Kurth (elf Paraden) scheiterte. Viktor Szilagyi gab mit seinem einzigen Feldtor dann dem VfL den Todesstoß.
[Sollte weniger lamentieren, stattdessen lieber Handball spielen: Oleg Khodkov, heute einmal mehr ein Totalausfall.]
Trainerstimmen nach dem Spiel:
Kai Wandschneider (Bayer Dormagen): "Ich bin froh, dass wir hier gewinnen konnten, im Vorfeld hatte ich mir einen Punkt erhofft. Sicherlich hatte die Entscheidung, die Torhüter nach 15 Minuten zu wechseln, maßgeblichen Anteil an unserem Erfolg. Außerdem hat sich unsere defensive 6:0-Deckung bewährt. Wir haben unsere Linie konsequent beibehalten und sind so zu dem nicht unverdienten Erfolg gekommen."
Thomas Happe (VfL Gummersbach): "Auswärts hui, zuhause pfui, müssen wir schon langsam sagen. Ich bin verärgert, weil wir das ganze Spiel über nicht die nötige Agressivität gezeigt haben um gegen eine Mannschaft zu bestehen, die gerade im Aufwind ist.
[Des einen Freud, des anderen Leid: Während sich Kai Wandschneider über den zweiten Sieg seiner Schützlinge unter seiner Regie freuen kann, musste Thomas Happe heute bereits die sechste Heimniederlage verdauen.]
Wir haben es in der ersten Halbzeit versäumt, mit vier Toren in Führung zu gehen. Unsere 3:2:1- und 6:0-Deckung war schlecht, und wir haben zu viele Zweikämpfe verloren - das ist unverständlich. Wenn man in der 55. Minute mit 23:21 vorne liegt, und dann nach sieben Sekunden abschließt, dann ist das für mich schon Ignoranz. Deshalb bin ich verärgert und habe das Gefühl, dass nicht jeder weiß, worum es geht. Ob ausgeglichener Kader hin oder her, ich erwarte vollen Einsatz. Wer auf der Bank sitzt und reinkommt, von dem erwarte ich, dass er das Spiel gesehen hat und nicht die gleichen Fehler wie die anderen macht. Die vielen unnötigen Spielereien haben uns um den Erfolg gebracht. Wir haben verdient verloren.
Zum Thema Oleg Khodkov kann ich nur sagen, für einen Olympiasieger ist das viel zu wenig. Ich habe mit Beers begonnen, und hatte dafür meine guten Gründe."
VfL Gummersbach:
Jan Stankiewicz (9 Paraden, darunter ein Strafwurf)
Kyung-Shin Yoon (6/2)
Oliver Plohmann (1)
Jörn Ilper (2)
Marco Beers (2)
Andreas Blank (1)
Ian-Marko Fog (2)
Oleg Khodkov
Sead Kurtagic
Umberto Brajkovic (3)
Francois-Xavier Houlet (6)
Mirko Naber (n.e.)
TSV Bayer Dormagen:
Rafal Bernacki (1.-15.)
Joachim Kurth (16.-60.)
Henrik Andersson (1)
Andreas Kottwitz
Viktor Szilagyi (4/3)
Christian Ericsson (6)
Robert Sighvatsson (6)
Mirko Bernau (5)
Marcus Wallgren (1)
Jacek Bedzikowski (2)
Holger Beelmann
Pascal Mahé
Schiedsrichter: Matthias Dang und Thorsten Zacharias aus Mainz.
Zuschauer: 1.100.
Siebenmeter: 2:5 - 2:4.
Zeitstrafen: 6:6 Minuten (Beers, zweimal Plohmann - Andersson, Bedzikowski, Mahé).
Beste Spieler: VfL: keiner - Dormagen: Joachim Kurth, Christian Ericsson, Robert Sighvatsson.
Spielfilm: 1:1 (2.), 5:5 (8.), 9:9 (20.), 13:10 (27.), 13:11 (Halbzeit) - 16:13 (34.), 16:16 (39.), 19:17 (46.), 21:19 (51.), 23:21 (55.), 23:23 (56.), 23:25 (Endstand).
Tabelle und Ergebnisse
[Jubel beim Sieger: Verdient schickten die Dormagener den VfL heute in die Wüste.]
[Bekannte Gesichter in der Halle: Die Ex-Gummersbacher Jörg Zereike, Tomas Axner (Bild links) und Eric Amalou waren in ungewohnter Funktion als Zuschauer anwesend.]