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Leserbrief: Jeder Kradfahrer fährt einmal etwas schneller

Red; 2. May 2009, 11:48 Uhr
Oberberg Aktuell
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Leserbrief: Jeder Kradfahrer fährt einmal etwas schneller

Red; 2. May 2009, 11:48 Uhr
(Red./2.5.2009-11:45) Thomas Dyck sieht sowohl Pro als auch Contra in der Diskussion um die vermeintlichen Motorradraser.
Ich zähle selbst seit über 20 Jahren zu der Fraktion „Motorradfahrer und hatte vor zwölf Jahren selber einen folgenschweren Motorradunfall im Oberbergischen. Eine Begegnung mit einem Auto, meinem Motorrad und mir, bei der mir das Auto die Vorfahrt genommen hatte. Eigentlich eine klare Schuldfrage, doch gleichwohl wurden sofort die Stimmen und Rufe laut, die mich in diesem Fall als Raser und Schuldigen für diesen Unfall abstempelten. Es traten sogar vermeintliche Zeugen auf, die den Unfall zwar nicht gesehen hatten, aber aufgrund der Geräuschkulisse ihre subjektive Meinung abgaben, dass ich sicher viel zu schnell gewesen sei. Nach drei Jahren und unzähligen Verhandlungen stellte ein Gutachter, der ein Unfallrekonstruktionsgutachten erstellt hatte, fest, dass ich nicht zu schnell gefahren war.

Daher stelle ich nun nach lesen aller bisherigen Beiträge fest, dass es für alles eine Pro und Contra Seite gibt. Selbstverständlich gibt es zahlreiche Motorradfahrer die es einfach übertreiben. Es gibt aber auch das Gegenteil, diejenigen, die es eben nicht übertreiben. Oder andere, die es nicht grundsätzlich übertreiben, aber halt hin und wieder an Stellen, wo sie meinen schneller fahren können, als erlaubt. Und ich denke ehrlicherweise, dass dies jeder Motorradfahrer irgendwo und irgendwann macht. Meist geht dies ohne Folgen aus und manchmal kommt es dabei eben zu folgenschweren Unfällen.

Genauso gibt es, wie beschrieben, eben die Fälle, in denen Motorradfahrer unschuldig in einen Unfall verwickelt werden, durch die mangelnde Rücksicht der Autofahrer. Wobei man auch dies sicher nicht pauschalisieren kann, da es einfach nicht immer mangelnde Rücksichtnahme von einer der beiden Parteien ist, sondern manches mal einfach halt eben Unfälle sind, die keiner mit Absicht hervorgerufen hat. Eben ein unglücklicher Unfall, so wie sich jeden Tag Unfälle auf Straßen ereignen. Solche Unglücke kann man generell nie ausschließen können. Nicht durch Streckensperrungen und auch nicht durch Kontrollen, da ein Unfall ein Unfall bleibt.

Wie ich bereits schrieb, gibt für jede Seite und für jede Situation Pro und Contra. Jedoch hat einer meiner Vorschreiber bereits erwähnt, dass statistisch gesehen bei Motorradunfällen prozentual leider mehr die Autofahrer schuld haben. Ein Spruch lautete einmal: Motorradfahrer töten nicht, Motorradfahrer werden getötet. Es gibt selbstverständlich diese Art von Motorradfahrern, die es einfach bewusst übertreiben und letztlich provozieren. Einmal geht es halt eben schief, auch wenn es zuvor bereits hundert Mal funktioniert hat oder genau dieser Motorradfahrer diese Strecke zuvor mehrfach vorschriftsmäßig befahren hat.

Ich selber wohne in Waldbröl, wo es ebenfalls eine besagte Rennstrecke sowie Todesstrecke mit dem Schladernring gegeben hat. Selbiges wurde dort nach jahrelangen Diskussionen und vielen Verkehrstoten und Schwerverletzten praktiziert: Die Strecke wurde für Motorradfahrer an Wochenenden gesperrt. Auf dieser Straße mag es nun nicht mehr zu überdurchschnittlich vielen Unfällen oder gar Verkehrstoten kommen. Das Problem behebe ich ehrlicherweise doch mit solchen Maßnahmen nicht wirklich, sondern ich verlagere es lediglich auf andere Streckenabschnitte. Mit einer Streckensperrung erreiche ich nämlich niemals, dass alle „rasenden“ Motorradfahrer es nun nicht mehr machen. Sondern genau diese Minderheit der Biker sucht sich einfach eine andere Strecke, die dann für ihren Kick, ihre Wettfahrten und Adrenalinschübe sorgen. So wird es auch in beschriebenen Fall der Strecke um Lindlar sein. Sperrt man diese Strecke zukünftig, kracht es dort nicht mehr, dafür dann demnächst anderen Orts.

Effektiv können nur strenge Kontrollen und empfindlich harte Strafen an genau diesen „Rennstrecken“ sein. Letztlich ist natürlich auch die Prävention eine Maßnahme zur Minderung der Unfälle, sowie mehr gegenseitige Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer. Abschließend bleibt mir als Motorradfahrer nur die Erkenntnis, dass Unfälle dieser Art es immer geben wird und diese werden nie zu vermeiden sein. Nicht durch Sperrungen und nicht durch Kontrollen. Fraglich ist, ob man die Zahl der Unfälle mindern kann, was meiner Meinung nach möglich ist. Wer „rasen“ möchte, sollte es in Maßen tun und nicht übertreiben. Wer den absoluten Kick sucht und braucht, sollte eine dafür vorgesehene Rennstrecke, zum Beispiel Nürburgring aufsuchen.


Thomas Dyck, Waldbröl


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