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Leserbrief: Fehlende Identifikation mit dem VfL Gummersbach
(Red./29.4.2009) Jan Alexander Kolf äußert sein Unverständnis über die geringe Resonanz der Fans beim Europapokalspiel gegen Aragon.
In Gesprächen über die Zuschauerresonanz bei den Spielen des VfL Gummersbach in der Kölnarena musste ich mir in den vergangenen Jahren oft das Argument anhören, die Zuschauerzahlen seien unter anderem deshalb so gering, weil viele Oberberger Fans keine Lust hätten, den langen Weg nach Köln auf sich zu nehmen. Erst Recht nicht, wenn der VfL gegen einen wenig attraktiven Gegner spiele. Seit vergangenem Wochenende ist allerdings klar, dass die Oberberger noch nicht mal nach Gummersbach in die Halle kommen.
Beim existenziell wichtigen DHB-Pokal-Viertelfinale gegen die HSG Nordhorn-Lingen waren nur 1.786 Zuschauer in der 2.200 Besucher fassenden Eugen-Haas-Halle und vergangenen Samstag zum EHF-Pokal-Halbfinale gegen BM Aragon kamen sogar nur 1.578 Zuschauer. Der VfL ist sportlich auf einem guten Weg zum ersten Titelgewinn seit 18 Jahren, aber in Gummersbach scheint dies kaum jemanden zu interessieren. Es ist einfach traurig anzusehen, wie gering das Zuschauerinteresse an diesem Traditionsverein ist
Da stellt sich die Frage, worin dieses mangelnde Interesse der Gummersbacher und Oberberger am VfL, dem sportlichen Aushängeschild der gesamten Region, begründet liegt. Natürlich ist die altehrwürdige Eugen-Haas-Halle mit ihren Holzbänken und dem Turnhallen-Charme nicht mehr zeitgemäß. Aber kann dies allein der Grund für das Fernbleiben der Gummersbacher sein? Wer nach einem Heimspiel im VfL-Trikot durch Gummersbach geht, wird an jeder Ecke angesprochen und nach dem Ergebnis gefragt. Zudem weiß jeder zweite Fragende zu berichten, dass er früher selbst regelmäßig in der Halle war. Auf Nachfrage, warum diese Personen nicht mehr in die Halle kommen, äußern vor allem die Älteren häufig, dass sie mit der sportlichen Entwicklung des Vereins unzufrieden seien, weil er VfL nicht mehr ganz oben mitspiele und alljährlich um Titel kämpfe.
Beim Stichwort VfL Gummersbach schwärme die meisten von großen Europapokal-Triumphen, Rekordmeisterschaften, Hansi Schmidt, den Brand-Brüder, etc., aber der VfL im Jahre 2009 hat außer dem Namen nicht mehr viel mit dieser großen Vergangenheit gemein. Ich denke, dass in Gummersbach über die Jahre der Bezug der Menschen zum Verein verloren gegangen ist. Früher hat es gereicht zu sagen "Der VfL spielt" und schon strömten die Leute in die Halle. Heute muss man sagen "Der VfL spielt gegen die Topmannschaft XY", damit die Menschen aufmerksam werden.
An diesem Punkt müsste der VfL ansetzen. Die Menschen müssen wieder einen Bezug zu ihrem Verein bekommen. In den vergangenen Jahren zielte die Vermarktung des VfL darauf ab, über das Argument Spitzensport die Zuschauer zu ködern. Es wurde gerne vom Saisonziel Champions-League-Qualifikation gesprochen, um zu zeigen, dass man im Konzert der ganz Großen mitmischt.
Dieses Konzept war sicherlich richtig, um in der Metropole Köln Fuß zu fassen. Dort ist es nötig aus der Masse der Sportverein und anderer Konkurrenzveranstaltungen herauszustechen. Parallel dazu wurde jedoch versäumt, die oberbergischen Fans im Boot zu behalten.
Es ist an der Zeit die Verbundenheit des Vereins zu Gummersbach und dem Bergischen Land wieder zu stärken. Damit es bald nicht mehr heißt "Der VfL spielt gegen XYZ", sondern wieder "Wir spielen gegen XYZ". So etwas funktioniert nicht über Plakataktionen oder Flyer, sondern vielmehr durch eine stetige Präsenz in der Stadt. Das geht nur, wenn beide Seiten einen Schritt aufeinander zu machen. Die Europapokal-Trikots in den Stadtfarben sind beispielsweise ein klares Bekenntnis zur Heimat und ein Schritt in diese Richtung. Ich würde mir wünschen, dass in der Stadt die Farben Blau und Weiß wieder allgegenwärtig werden. Zum Beispiel, indem Händler bei der Dekoration ihrer Schaufenster auch Utensilien des VfL verwenden oder der Bäcker an der Ecke ein VfL-Brot anbietet.
Aktuell hat der VfL Gummersbach vielleicht ein paar hundert wirkliche Fans, die kein Spiel versäumen und damit eindeutig zu wenig für einen ambitionierten Bundesligisten. Wenn sich daran mittelfristig nichts ändert, sind die Zukunftsperspektiven für Spitzenhandball im Oberbergischen Kreis wenig rosig. Eine neue Halle ist ein wichtiger Schritt, aber kein Alleinheilmittel. Es geht nur mit der Unterstützung der Menschen. Der VfL ist Gummersbach, und er braucht und verdient die Unterstützung der Gummersbacher.
Jan Alexander Kolf, Aachen
Beim existenziell wichtigen DHB-Pokal-Viertelfinale gegen die HSG Nordhorn-Lingen waren nur 1.786 Zuschauer in der 2.200 Besucher fassenden Eugen-Haas-Halle und vergangenen Samstag zum EHF-Pokal-Halbfinale gegen BM Aragon kamen sogar nur 1.578 Zuschauer. Der VfL ist sportlich auf einem guten Weg zum ersten Titelgewinn seit 18 Jahren, aber in Gummersbach scheint dies kaum jemanden zu interessieren. Es ist einfach traurig anzusehen, wie gering das Zuschauerinteresse an diesem Traditionsverein ist
Da stellt sich die Frage, worin dieses mangelnde Interesse der Gummersbacher und Oberberger am VfL, dem sportlichen Aushängeschild der gesamten Region, begründet liegt. Natürlich ist die altehrwürdige Eugen-Haas-Halle mit ihren Holzbänken und dem Turnhallen-Charme nicht mehr zeitgemäß. Aber kann dies allein der Grund für das Fernbleiben der Gummersbacher sein? Wer nach einem Heimspiel im VfL-Trikot durch Gummersbach geht, wird an jeder Ecke angesprochen und nach dem Ergebnis gefragt. Zudem weiß jeder zweite Fragende zu berichten, dass er früher selbst regelmäßig in der Halle war. Auf Nachfrage, warum diese Personen nicht mehr in die Halle kommen, äußern vor allem die Älteren häufig, dass sie mit der sportlichen Entwicklung des Vereins unzufrieden seien, weil er VfL nicht mehr ganz oben mitspiele und alljährlich um Titel kämpfe.
Beim Stichwort VfL Gummersbach schwärme die meisten von großen Europapokal-Triumphen, Rekordmeisterschaften, Hansi Schmidt, den Brand-Brüder, etc., aber der VfL im Jahre 2009 hat außer dem Namen nicht mehr viel mit dieser großen Vergangenheit gemein. Ich denke, dass in Gummersbach über die Jahre der Bezug der Menschen zum Verein verloren gegangen ist. Früher hat es gereicht zu sagen "Der VfL spielt" und schon strömten die Leute in die Halle. Heute muss man sagen "Der VfL spielt gegen die Topmannschaft XY", damit die Menschen aufmerksam werden.
An diesem Punkt müsste der VfL ansetzen. Die Menschen müssen wieder einen Bezug zu ihrem Verein bekommen. In den vergangenen Jahren zielte die Vermarktung des VfL darauf ab, über das Argument Spitzensport die Zuschauer zu ködern. Es wurde gerne vom Saisonziel Champions-League-Qualifikation gesprochen, um zu zeigen, dass man im Konzert der ganz Großen mitmischt.
Dieses Konzept war sicherlich richtig, um in der Metropole Köln Fuß zu fassen. Dort ist es nötig aus der Masse der Sportverein und anderer Konkurrenzveranstaltungen herauszustechen. Parallel dazu wurde jedoch versäumt, die oberbergischen Fans im Boot zu behalten.
Es ist an der Zeit die Verbundenheit des Vereins zu Gummersbach und dem Bergischen Land wieder zu stärken. Damit es bald nicht mehr heißt "Der VfL spielt gegen XYZ", sondern wieder "Wir spielen gegen XYZ". So etwas funktioniert nicht über Plakataktionen oder Flyer, sondern vielmehr durch eine stetige Präsenz in der Stadt. Das geht nur, wenn beide Seiten einen Schritt aufeinander zu machen. Die Europapokal-Trikots in den Stadtfarben sind beispielsweise ein klares Bekenntnis zur Heimat und ein Schritt in diese Richtung. Ich würde mir wünschen, dass in der Stadt die Farben Blau und Weiß wieder allgegenwärtig werden. Zum Beispiel, indem Händler bei der Dekoration ihrer Schaufenster auch Utensilien des VfL verwenden oder der Bäcker an der Ecke ein VfL-Brot anbietet.
Aktuell hat der VfL Gummersbach vielleicht ein paar hundert wirkliche Fans, die kein Spiel versäumen und damit eindeutig zu wenig für einen ambitionierten Bundesligisten. Wenn sich daran mittelfristig nichts ändert, sind die Zukunftsperspektiven für Spitzenhandball im Oberbergischen Kreis wenig rosig. Eine neue Halle ist ein wichtiger Schritt, aber kein Alleinheilmittel. Es geht nur mit der Unterstützung der Menschen. Der VfL ist Gummersbach, und er braucht und verdient die Unterstützung der Gummersbacher.
Jan Alexander Kolf, Aachen