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"Die Mauer ist weg" - 110 Jahre Bever-Talsperre

Red; 19. Jul 2008, 00:00 Uhr
Oberberg Aktuell
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"Die Mauer ist weg" - 110 Jahre Bever-Talsperre

Red; 19. Jul 2008, 00:00 Uhr
(Red./4.7.2008-11:40) Hückeswagen - Mit einem großen "Tag der Offenen Tür" im ehemaligen Seehotel feiert die zum Wasserquintett gehörende Bever- Talsperre am Samstag, den 19. Juli, ihren 110. "Geburtstag“.
[Bild: privat --- Direkt an der Talsperre liegt das ehemalige Seehotel.]

Bereits 1898 zog es zahlreiche Besucher zur damals größten Talsperre des Deutschen Reiches. Damals als Ausflugslokal besonders beliebt war das Seehotel. In den 1960er Jahren versuchten die Eigentümer dann, das Gebäude zu einem Anziehungspunkt für die Polit- und Show-Prominenz umzubauen. Unter dem Wappen des Hauses verspricht der Text eine reichhaltige Speisekarte, eigene Schlachterei und Konditorei sowie "herrliche Fremdenzimmer zum See gelegen" in einer "idyllischen, ruhigen Lage an der schönsten Talsperre des Bergischen Landes".

Doch die Zeit für tatsächliche und vermeintliche Nobelherbergen im beschaulichen Hückeswagen scheint abgelaufen. Nach mehrfachem Besitzerwechsel musste das Hotel 1973 schließen. In den kommenden acht Jahren wird das Gebäude als Internat genutzt. Zeitweilig drückten über hundert Kinder im Alter zwischen acht und 13 Jahren im umgebauten Bootshaus die Schulbank. Seit 1982 ist das ehemalige Seehotel Sitz der "Europäischen Akademie für psychosoziale Gesundheit und Kreativitätsförderung", eine staatlich anerkannte Einrichtung der beruflichen Weiterbildung.

Ohne die Bever- Talsperre hätte das Hotel jedoch gar nicht so lange bestehen können. Der Wasserspiegel der "kleinen" Talsperre lag damals rund acht Meter unterhalb des heutigen Niveaus. Mit 3,3 Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen staute die aus Bruchsteinen gefertigte Sperrmauer gleichwohl mehr Wasserinhalt als Eschbach- und Panzer-Talsperre, die beiden Vorgängertalsperren auf deutschem Boden, zusammen; in den Jahren von 1896 bis 1898 erbaut, ist sie nach dem Nord-Ostsee-Kanal das zweitgrößte Wasserbauwerk des in Europa

Nach Plänen des Geheimrats Otto Intze, Professor an der TH Aachen und Nestor des deutschen Talsperrenwesens, zeichnete sich Albert Schmidt, Bauunternehmer aus Lennep, für den Fortschritt des Projekts verantwortlich. Bis zu 100 Arbeiter, hauptsächlich aus Italien, trieben unter seiner Leitung das Bauvorhaben voran. Motor der Planung war Fritz Hardt Senior, Patriarch der Lenneper Tuchmacherdynastie, der bereits seit Anfang der 1890er-Jahre darum bemüht war, das Land zu erwerben, über dem sich zukünftig die Bäche der Bever und der Lüttgenau aufstauen sollen. Rund 43 Hektar beansprucht der Stausee heute.

Nach nun 110-jährigem Bestehen öffnet das Wasserquintett seine Tore. Beim Tag der Offenen Tür am Samstag, den 19. Juli, bietet sich den Besuchern die Gelegenheit zu einer Zeitreise in die Anfänge des Talsperrenbaus. Von 11 bis 18 Uhr gibt es Führungen durch das ehemalige Seehotel sowie einen Spaziergang mit Hans-Friedrich Hardt zur Geschichte der Lenneper Tuchmacher-Dynastie Hardt und dem Bever-Wald mit seinem exotischen Baumbestand. Dr. Wilhelm Richard Schmidt, Urenkel des Erbauers der Bever-Talsperre, wird ebenfalls sprechen.

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