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Ilic wirft möglichen VfL-Sieg einfach weg - nur Remis gegen Essen
(pl/27.2.2008-23:25) Von Peter Lenz
Köln - Nach einer ganz schwachen Vorstellung des VfL Gummersbach kommt die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason am Abend nicht über ein bitteres 27:27 gegen den Bundesliga-Aufsteiger und aktuellen 16. TuSEM Essen hinaus.
[Bilder: Michael Kleinjung --- Mächtig angefressen war Alfred Gislason, der vor allem Momir Ilic nach dem Abpfiff ins Gebet nahm.]
Die Gummersbacher verschenken damit einen wichtigen Punkt in Sachen erneuter Qualifikation für die Champions League. Mit jetzt 31:15 Zählern bleiben die Blau-Weißen zwar auf dem sechsten Tabellenplatz, aber der Abstand zum Vierten HSG Nordhorn beträgt nun drei Punkte. Im Top-Spiel des Abends feierte die SG Flensburg-Handewitt einen 39:28-Kantersieg gegen den HSV Hamburg. Der TBV Lemgo setzte sich erwartungsgemäß mit 36:29 gegen den TV Großwallstadt durch.
VfL Gummersbach TuSEM Essen 27:27 (14:12).
Dramatik pur in den letzten fünf Minuten der insgesamt unterklassigen Partie: Die Hausherren führen mit 27:24 und keiner der knapp 5.700 Zuschauer in der Kölnarena hat ernsthafte Zweifel am standesgemäßen Sieg des VfL gegen den Aufsteiger aus Essen. Nachdem aber der erneut erschreckend schwache Momir Ilic mit seiner fünften Fahrkarte scheitert, Essens Sergio Ruiz Casanova zum 25:27 verkürzt und dann auch noch der wieder genesene Oleg Kuleshov den Ball wegwirft, ist zwei Minuten vor Schluss der Weg frei für David Katzirz, der mit seinem fünften Treffer das 26:27 markiert.
[Einer der wenigen Lichtblicke heute beim VfL: Roman Pungartnik.]
Alfred Gislason tobt an der Seitenlinie, nimmt eine Auszeit und redet nochmals auf seine Schützlinge ein. Er mahnt zur Geduld. Und tatsächlich, der VfL spielt zunächst ruhig den Ball, die Zeit verrinnt, und als der eingelaufenen Gudjon Valur Sigurdsson den sechsten Siebenmeter herausholt, scheint die Kuh vom Eis. Der Kapitän, der zuvor bereits fünfmal sicher von der Linie eingenetzt hatte, tritt selbst an scheitert diesmal aber am Pfosten.
Die Hallenuhr zeigt 59:28 an, als Essens Coach Krysztof Szargiej die grüne Karte zückt und in der Auszeit die letzten Anweisungen gibt. Torhüter raus, 7:6-Überzahl auf dem Feld, und tatsächlich schaffen die Gäste 26 Sekunden vor Schluss durch Linksaußen Aljoscha Schmidt den Ausgleich. In aller Ruhe könnten die Gummersbacher nun den letzten Angriff aufziehen, aber bezeichnender Weise nimmt sich Momir Ilic viel zu früh die Kugel und schmettert diese überhastet in die TuSEM-Deckung. Das Remis ist perfekt Essen jubelt, wieder einmal lange Gesichter und Frust bei Gummersbach.
Wenn man solche Ansprüche wie wir haben, muss man natürlich so ein Spiel gegen den Tabellen-16. gewinnen. Da kann man auch keine Ausreden bezüglich zu hoher Belastung gelten lassen, ist Sportdirektor Francois-Xavier Houlet mächtig angefressen. Tobte Alfred Gislason während der Partie noch am Spielfeldrand, findet der Coach nach dem Abpfiff schnell wieder die Contenance: Es war ein schlechtes Spiel von uns, das Remis ist für uns ein herber Rückschlag. Ich hoffe jetzt nur, dass Essen mit diesem Punkt etwas anfangen kann.
[Ausgerechnet beim entscheidenden Siebenmeter zeigte VfL-Kapitän Sigurdsson schwache Nerven.]
Auch wenn die spannende Schlussphase etwas anderes suggerieren könnte, die Zuschauer hatten einen wenig berauschenden Handball-Abend geboten bekommen. Spielten die Essener im Rahmen ihrer Möglichkeiten ordentlich, war vom starken VfL, der vor einer Woche noch die Ausnahme-Mannschaft von Ciudad Real an den Rand einer Niederlage gebracht hatte, rein gar nichts mehr übrig.
Viel zu passiv in der zunächst 6:0-, dann 5:1-Deckung. Im Angriff ohne Druck, langsam und absolut ideenlos. So plätscherte die Partie vor sich hin, meist mit einem kleinen Vorsprung für die Gummersbacher, die aber jede Möglichkeit gekonnt ausließen, sich einmal mehr als mit drei Toren abzusetzen.
Gesamt gesehen also eine schwache Leistung des VfL, der sich einen technischen Fehler nach dem anderen leistete - wobei neben dem unterirdisch schlechten Momir Ilic auch beide Spielmacher Geoffroy Krantz und Oleg Kuleshov nach unten ausschlugen. Die rechte Seite mit Roman Pungartnik und Alexis Alvanos präsentierte sich noch einigermaßen gut, beim Rest allenfalls magere Durchschnittskost.
[Kein glanzvolles Comeback feierte heute Oleg Kuleshov, der dem VfL-Angriffsspiel keine entscheidenden Impulse geben konnte. Immerhin markierte er aber drei schöne Tore.]
Die Gummersbacher Treffer markierten Pungartnik (8), Sigurdsson (7/5), Ilic, Gunnarsson, Kuleshov und Alvanos (je 3). Seitens der Gäste waren die Außen Schmidt (7/2), Schmetz (6/3) und Rückraum-Werfer Katzirz (5) die erfolgreichsten Schützen. Eine gute Note verdiente sich auch Keeper Friedrich mit neun Paraden.
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