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1. FC Gummersbach will sich in der Bezirksliga nicht verstecken

lo; 25. Jul 2007, 10:34 Uhr
Oberberg Aktuell
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1. FC Gummersbach will sich in der Bezirksliga nicht verstecken

lo; 25. Jul 2007, 10:34 Uhr
(lo/24.7.2007-20:05) Von Björn Loos
Gummersbach - Der Kreismeister betritt die Bezirksliga-Bühne und konzentriert sich auf den Klassenerhalt - Trainer Köhler: "Haben die Qualität, um zu bestehen" - viele Alternativen im Mittelfeld, aber nicht alle Transferwünsche gingen in Erfüllung.
Es war eine Saison wie im Rausch. Nach dem erfolgreichen Aufstieg aus der Kreisliga B setzten sich die von vielen im Vorfeld als Geheimfavorit titulierten Gummersbacher in der Spitzengruppe der Kreisliga A fest und verteidigten den zu Beginn der Rückrunde eroberten ersten Platz bis zum Schluss, auch wenn im letzten Saisondrittel die Leichtigkeit verloren ging. Die Konkurrenz war aber nicht konstant genug, um Gummersbach richtig unter Druck zu setzen und die FC-Kicker brachten die Meisterschaft am vorletzten Spieltag unter Dach und Fach. „Ein Traum ist wahr geworden“, sagte Meistercoach Ralph Köhler unmittelbar nach dem Titelgewinn. Innerhalb von zwei Jahren von der Kreisliga A in die Bezirksliga, ein seltenes Kunststück. In der Bezirksliga zählt jetzt erst einmal nur der Klassenerhalt.

[Bilder: Björn Loos --- Ralph Köhler mit den Neuzugängen Daniel Oesterreich, Patrick Dederichs, der für die 2. Mannschaft vorgesehen ist, Rafael Offiera und David Degen.]

Kommen und Gehen

Der Kreismeister sicherte sich die Dienste von drei Mittelfeldspielern: David Degen wechselt vom VfR Marienhagen zum FC und sucht die Herausforderung, zwei Klassen höher zu spielen. Mit Daniel Oesterreich kommt ein großes Talent aus der Jugendabteilung des SSV Bergneustadt. Erfahrenster Neuzugang ist Michael Kloska, der zuletzt für ein halbes Jahr beim Liga-Konkurrenten VfR Wipperfürth spielte. Das große Plus: Alle drei sind flexibel einsetzbar und erhöhen den Konkurrenzkampf. „Wir hatten vergangenes Jahr eine gute Mannschaft, waren aber in der Breite nicht gut genug aufgestellt. Jetzt haben wir 16, 17 gleichwertige Leute“, so Köhler. Oesterreich und Degen werden sich allerdings an die höhere Klasse gewöhnen müssen. Rückkehrer Rafael Offiera, der allerdings nur unregelmäßig trainieren kann, und Markus Barf stießen ebenfalls zum Kader.

Schmerzlich ist sicherlich der Abgang von Routinier André Germer, der mit seiner Erfahrung und Kopfballstärke vor allem in der zweiten Saisonhälfte ein stabilisierender Faktor war. Nico Sotorino wurde immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen und gehörte zuletzt nicht mehr zur Stammformation. Alle Transferwünsche erfüllten sich für Köhler nicht: „Ich hätte gerne noch einen Abwehrspieler und einen Mittelstürmer gehabt. Aber es ist schwer, gestandene Leute zu holen, wenn der finanzielle Spielraum sehr klein ist.“

Die Mannschaft

Obwohl beide noch keine Bezirksligaerfahrung haben, macht sich Köhler auf der Torwartposition keine Sorgen: „Mit Dennis Kulisch und Christian Heuser sind wir für diese Klasse top besetzt.“ Kulisch besitzt nach seiner starken Meistersaison sicherlich einen kleinen Bonus. Der Defensivverbund wird vom erfahrenen Libero Andreas Bujock organisiert, vier Spieler streiten sich um die beiden Verteidigerposten, wobei Ali Demirkaya erst im September wieder zur Verfügung stehen wird. „Da sind wir ein bisschen dünn besetzt. Wenn ein, zwei Leute ausfallen, hätten wir ein Problem.“


[Ralph Köhler gelangen zwei Aufstiege in Folge.]

Diese hat Köhler im Mittelfeld nicht, zumal alle Kicker universell einsetzbar sind. Arthur Schilke und Erwin Fröse werden aller Vorrausicht wie in der vergangenen Saison das Zentral-Tandem bilden, die Neuzugänge Kloska („Einen starken Linksfuß wie ihn haben wir gebraucht“) und der beidfüßige Oesterreich erhöhen des Trainers Optionen immens. Dazu kommen noch so erfahrene Spieler wie Hans-Jürgen Schlottner und Artur Offiera, die ebenfalls alle Positionen bekleiden könnten.

Im Angriff hat sich der torgefährliche Dreiersturm mit Stefan Rößler (20 Tore), Robert Wilde (15) und Kader Veckollari (11) bewährt, allerdings wird Köhler in der Bezirksliga bei Bedarf auch auf ein 3-5-2 zurückgreifen. „Wir wollen nicht immer stur mit drei Spitzen spielen. Dank der vielen Alternativen kann ich jetzt auch während des Spiels umstellen. Insgesamt werden wir weiter offensiv ausgerichtet sein.“ Die Suche nach einem klassischen Stoßstürmer blieb erfolglos, was Köhler aber kein Kopfzerbrechen bereitet. „Wir haben vorne zwar nur kleine, dafür aber wahnsinnig schnelle Leute. Wenn die mit zwei Kontakten spielen, bekommen die gegnerischen Abwehrreihen Probleme“, ist er sich sicher.

Tests und Tore

Bislang konnten die Gummersbacher nur beim Test gegen den Landesligisten Kiersper SC (2:2) überzeugen, eher schwach waren dagegen die Auftritte gegen Atatürk Meinerzhagen (2:1) und beim Turnier in Hermesdorf. Als Jux-Trainingseinheit war das Spiel gegen die VfL-Handballer anzusehen. „Das zeigt, dass wir noch einen harten Weg vor uns haben“, erklärt Köhler. Ansonsten läuft die Vorbereitung aber wunschgemäß. Alle Spieler nehmen die Herausforderung Bezirksliga an und drängen auf einen Platz in der Startelf. Lediglich Markus Barf, den eine Verletzung zurückwarf, und eben Ali Demirkaya sind noch nicht soweit.

Saisonziel

Nach dem Durchmarsch von der Kreisliga B in die Bezirksliga steht der Klassenerhalt im Vordergrund. „Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, können wir Platz neun bis zwölf erreichen. Langfristig wollen wir uns in der Liga etablieren“, verrät Köhler. Wie das Kaninchen vor der Schlange erschrickt man vor der höheren Klasse nicht. „Wir haben die Qualität, um dort zu bestehen und wollen uns nicht verstecken. Es gibt genügend Mannschaften, mit denen wir mithalten können. Wir lassen einfach alles auf uns zukommen und möchten Spaß haben“, gibt sich der Übungsleiter gelassen. Gespannt darf man sein, ob sein Team nach dem zweijährigen Siegeszug im oberbergischen Fußball mit wohl nicht zu vermeidenden Durststrecken zurechtkommt. Köhler setzt dabei auf die Kameradschaft: „Die Mannschaft hält zusammen und ist in der Lage, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.“


Trainer und Umfeld

Ralph Köhler hat sich beim 1. FC Gummersbach etabliert und den Verein, zu VfL-Zeiten eines der Aushängeschilder des oberbergischen Fußballs, zusammen mit der engagierten Vorstandscrew wieder aus den sportlichen Niederungen herausgeführt. Der Aufstieg, der eigentlich erst in frühestens zwei Jahren eingeplant war, löste keinen Aktionismus aus, zumal die finanziellen Mittel begrenzt sind. „Es bringt doch nichts, acht neue Leute zu holen. Dann hätte man erst eine neue Hierarchie aufbauen und einigen Leuten vor den Kopf stoßen müssen“, setzen die Verantwortlichen bei der Kaderplanung auf eine Politik der kleinen Schritte und die Meistermannschaft, auch wenn dem FC ein erfahrener Mann im Abwehrbereich und eine zusätzliche Alternative im Sturm gut zu Gesicht gestanden hätte.

Zugänge
Daniel Oesterreich (SSV Bergneustadt A-Junioren)
David Degen (VfR Marienhagen)
Michael Kloska (VfR Wipperfürth)
Raphael Offiera (FV Wiehl)
Markus Barf (eigene Reserve)

Abgänge
Nico Sotorino (TSV Ründeroth)
André Germer (hört auf)

Spielerkader

Tor
Christian Heuser
Dennis Kulisch

Abwehr
Dirk Borchert
Andreas Bujock
Tarek Charif
Ali Demirkaya
Ali Sevim

Mittelfeld
Erwin Fröse
Michael Kloska
David Degen
Daniel Oesterreich
Artur Offiera
Arthur Schilke
Hans-Jürgen Schlottner

Angriff
Markus Barf
Tim Müller
Rafael Offiera
Stefan Rößler
Kader Veckollari
Robert Wilde


Trainer
Ralph Köhler (wie bisher)

Betreuer
Stefan Reich.

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