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Die Missstände an der "Wurzel" packen - Oberberger auf Hilfstour in kenianischen Gefängnissen
(cn/16.7.2007-15:30) Oberberg Mitarbeiter der Gefährdetenhilfe Scheideweg besichtigten bei einer dreiwöchigen Tour verschiedene kenianische Gefängnisse und unterstützten mit ihrer 30-köpfigen Gruppe die Insassen medizinisch und seelisch. Dabei knüpften sie Beziehungen zum Aufbau einer kenianischen Gefährdetenhilfe.
[Bilder: Privat - Die 30-köpfige Helfergruppe aus Deutschland machte sich im gecharterten Gefangenentransporter auf eine Hilfsreise durch Kenia]
Höhepunkt und Abschluss der dreiwöchigen Reise stellte das Zusammentreffen der deutschen Reisegruppe mit Kenias Vizepräsident, Moody Awori dar. Ihren Einsatz in den Gefängnissen unseres Landes schätzen wir sehr, betonte der zweite Mann des ostafrikanischen Staates, den Deutschen gegenüber.
Diese hatten, in der Hauptstadt Nairobi und den im Westen gelegenen Städten Kisumu und Kakamega, Schulungen für kenianische Vollzugsbedienstete angeboten und sich in die Gefängnisgottesdiensten mit kleinen Liedern und Theaterstücken in eingeübtem Kisuaheli mit eingebracht. Neben dem geistlichen Engagement der Oberberger, konnte die Gruppe besonders mit dem Einsatz des schweizerischen Zaharztes Dr. Roland Eisenring und seiner Frau Anne-Marie überzeugen. Die Beiden behandelten, gemeinsam mit einigen Helfern, in einer mobilen Dentalklinik von Zahnschmerzen geplagte Gefangene und zogen fast 300 Zähne.
Unterwegs war die Gruppe meist in einem vollzugseigenen Reisebus, der mit seinen vergitterten Scheiben ein äußerst ungewöhnliches, wenn auch sicheres Reisemittel für die Deutschen war. Trotzdem erregten die Reisenden mit ihrem Gefährt allerorts Aufregung und stießen, nach eigenen Angaben, teilweise auf bedenkliche Vorurteile den Gefangenen gegenüber. Die Menschen seien froh gewesen, statt böser Gefangener, deutsche Freunde aus dem Bus steigen zu sehen, meinte Scheideweger Achim Halfmann.
Diese Unterteilung in gute und schlechte Menschen sei leider auch bei den örtlichen Christen zu beobachten gewesen. Ein Missstand, der besonders vor dem Hintergrund auffalle, dass eine Vielzahl der Inhaftierten nur wegen kleinerer Delikte einsäße. Die Zeitungsberichte würden von Kapitalverbrechen überquellen, die nicht geahndet würden und selbst einheimische Vollzugsbedienstete würden die harten Bedingungen gegenüber kleinen Dieben oder Schwarzbrennern kritisieren.
[Zahnarzt Dr. Eisenring befreite zahlreiche Gefangene von schmerzenden Zähnen]
Trotzdem habe man aber auch den frischen Wind im kenianischen Strafvollzug bemerkt. Zwar seien die 93 Vollzugsanstalten mit knapp 50.000 Gefangenen zum immer noch 313 Prozent chronisch überbelegt, aber die Reform habe Folter und Prügel abgeschafft und die Ernährungssitution verbessert, so Halfmann. Zudem würden in Modellprojekten wie dem Langata- Frauengefängnis mit Werkstätten, Unterrichtsangeboten und Kreativkursen eine Abwechslung zum monotonen Gefängnisalltag geboten. Doch immer noch überforderten die große Zahl der Gefangenen und deren Unterbringung, Kleidung und Versorgung die kenianischen Kapazitäten.
Mit ihrem Einsatz in Kenia konnte die Gefährdetenhilfe Scheideweg die Türe für einen menschenwürdigen Umgang mit Strafgefangenen aufstoßen. Deutsche und kenianische Christen gründeten in der Nähe des Viktoriasees gemeinsam eine 70 Hektar große Farm, auf der haftentlassene, junge Menschen eine neue Lebensperspektive gewinnen können. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit den kenianischen Vollzugsanstalten und der protestantischen Africa Inland Church.
Die Kirche will die Scheideweger bei dem Aufbau einer kenianischen Gefährdetenhilfe unterstützen und die Oberberger hoffen, Anstoß für die Arbeit in anderen afrikanischen Staaten geben zu können. Darum wolle man die begonnene Arbeit auf der CESCA-Konferenz in Swaziland vorstellen, einem Dialogforum der Strafvollzugsleiter des afrikanischen Kontinents.