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'Lindlar is green, very green' - Amerikanische Austauschschüler aus dem Wüstenstaat Arizona zu Gast
(ch/19.6.2007-14:40) Von Christian Herse
Lindlar - 19 Jugendliche aus der Millionenstadt Tucson tauschen sich mit Schülern der Realschule über kulturelle Dinge aus: Radtour durchs Bergische und feiern beim Schützenfest standen auf der Tagesordnung.
[Bild: Christian Herse --- 19 Jugendliche aus Arizona sind zurzeit im sonnigen Lindlar zu Gast. Das Austauschprogramm läuft schon seit fünf Jahren erfolgreich.]
Seit nun schon fünf Jahren führt die Realschule Lindlar jährlich einen Schüleraustausch mit der Eliteschule University High School aus Tucson durch. Im Wechsel besuchen die 15 bis 17-jährigen Schüler ihre Freunde auf dem anderen Kontinent. In der Zeit vom 6. bis 26. Juni sind nun 19 Jugendliche aus den Vereinigten Staaten in Lindlar zu Gast.
Die deutschinteressierten Jugendliche erwartete ein großes Programm, als sie vor circa zwei Wochen in Deutschland ankamen. Wir waren für drei Tage in Berlin und haben den Reichstag und das Brandenburger Tor gesehen. Außerdem konnten wir den Kölner Dom besuchen und haben das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum besichtigt., erzählt Marcus Miller, dessen Mutter Deutsche ist.
Für Michael Klein ist es besonders wichtig, dass neue Kontakte geknüpft und per E-Mail auch gehalten werden können. Er selbst war letztes Jahr in den Vereinigten Staaten und vor allem von der Esskultur und den amerikanischen Fahrzeugen überrascht: Ich habe in den drei Wochen vielleicht viermal zu Hause gegessen. Ansonsten hauptsächlich Fastfood. Die Straßen und Häuser sind dort allesamt in Quadraten angeordnet.
Für die Amerikanerinnen Catharina Cau und Christine Crytchy ist das deutsche Verkehrssystem eine Umstellung: Alle fahren hier so schnell. Selbst auf den kleinen engen Seitenstraßen sind die Autos viel schneller unterwegs und überholen waghalsiger als in Amerika. Trotzdem würde man hier doch sehr viel mehr laufen, als in den USA, wo alles mit dem Auto besorgt wird.
Ein Hauptbestandteil des Kulturaustausches seien auch die zahlreichen Partys, wie Miller zugab. So sei es sehr nützlich gewesen, dass am vergangenen Wochenende in Lindlar-Frielingsdorf das Schützenfest stattfand: Viele Gasteltern waren mit uns Amerikanern da. Dass in Arizona das Trinken von Alkohol erst mit 21 Jahren erlaubt sei, wurde dabei großzügig übersehen beziehungsweise geriet in Vergessenheit.
Englischlehrer Daniel Nitze, der den Austausch betreut, machte auf das große Engagement von Eltern und Unternehmen aufmerksam: Normalerweise ist so ein Austauschprogramm sehr teuer. Doch wir schaffen es, dass die Jugendlichen lediglich den Flug bezahlen und etwas Taschengeld mitnehmen müssen. Der Rest wird von anderer Seite finanziert. Vor allem ortsansässige Unternehmen wie eine Tanzschule oder eine Bank würden die Amerika AG RSL unterstützen. Aber auch überregional von Unternehmensberatungen aus Köln würden Fördergelder kommen. Des Weiteren sammeln die Schüler bei Schulfesten immer wieder Geld oder verkaufen Kuchen oder Würstchen bei Schulveranstaltungen.
Um sich besser kennen zu lernen, sei man zu Beginn zu einer großen Fahrradtour durch das Bergische Land aufgebrochen. Schnell jedoch wurde die Gruppe in zwei Teile gerissen. Ermüdungserscheinungen und Bäder im Brennnesselbeet standen dabei auf der Tagesordnung., so Nitze. Darum entschied man sich, dass die erste Hälfte weiterfahren konnte, während der Rest schon einmal mit einem Picknick auf einem Bauernhof begann.
Allen amerikanischen Gästen fiel jedoch sofort auf, wie grün Oberberg mit seinen Dörfern ist. Wir leben in einer Stadt mit Eine-Millionen Einwohnern. Und das in einem Bundesstaat, in dem selbst nur fünf Millionen Menschen leben, der aber so groß ist, wie ganz Deutschland. Außerdem ist Tucson mitten in der Wüste gebaut. Sehr viele Bäume haben wir da nicht., bemerkte eine weitere Austauschschülerin.
Dass das Interesse für den deutsch-amerikanischen Austausch ausgesprochen groß ist, zeigt auch die lange Warteliste: Wir schicken immer circa 20 Schüler in die USA. Mitkommen würde gerne eine Anzahl, die drei- bis viermal so hoch ist., berichtet Nitze. Auswahlkriterien seien dabei unter anderem ein gutes Sozialverhalten, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, aber auch Engagement in der Schule und gute Noten.