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Weltmusik mit französischem Accent Gelungener Abschluss der Jazztage
(cn/18.5.2007-13:50) Von Christian Neeb
Wiehl Mit dem Auftritt von Yannik Monot & Nouvelle France beim Jazzfrühschoppen in der Wiehltalhalle klangen die 18. Internationalen Wiehler Jazztage stilvoll aus. Die Verantwortlichen ziehen eine positive Bilanz.
[Bilder: Teresa Müller, Christian Neeb - Einen würdigen Abschluss der Jazztage lieferten Yannik Monot & Nouvelle France mit beschwingtem "Cajun"]
Wegen des unberechenbaren oberbergischen Wetters hatten die Initiatoren den Jazz Frühschoppen, der traditionell im Biergarten stattfindet, kurzerhand in die Wiehltalhalle verlegt. Die Jazzfreunde hatten an liebevoll dekorierten Tischen platzgenommen und warteten gespannt auf das letzte Highlight ihrer Jazztage. Mit Yannik Monot hatten die Verantwortlichen erstmals einen Vertreter der Musikrichtungen Cajun und Zydeco gewinnen können und der lebenlustige Franzose zeigte den Zuschauern schnell, dass beim letzten Konzert des Festivals das Feuer beileibe noch nicht aus war. Wir nehmen euch mit auf eine Reise von Frankreich, über Kanada nach Lousianna., meinte Monot in gutem Deutsch mit seinem charmanten Akzent.
[Yannik Monot beherrscht nicht nur das Akkordeon, sondern überzeugt auch noch mit genialem Gitarren- und Bluesharpspiel und nicht zuletzt mit unvergleichlichem Gesang]
Die Reise beginnt als Ludwig der XIV., der mit der kleinen Wohngemeinschaft in der Nähe von Paris, Kanada aus seinen Händen geben muss, und die Franzosen nach Louisianna fliehen müssen. Auf dieser Reise über den halben Kontinent mixen sich unzählige Musikstile und der Cajun, so werden die flüchtigen Franzosen in ihrer neuen Heimat genannt, und der Zydeco entstehen. Zwischen kleinen Bäumen und Blumen, die auf die Bühne gepflanzt wurden, greift Yannik Monot in die Tasten seines Akkordeons und stimmt fröhliche Songs, wie The streets of New Orleans an, die vor Lebensfreude nur so übersprudeln.
Seine Mitmusiker fügen dem Klangbild mit Bass, Gitarre, Geige und Schlagzeug verschiedene Farbtupfer hinzu, die zusammen eine gelungene Mischung aus Blues, Country, Jazz und typischer Siedlermusik ergeben. Zwischen den Songs amüsiert der kleine Franzose mit skurrilen Witzen, alle Franzosen sprechen Englisch...unter der Folter und beißenden Bezügen zum Tagesgeschehen und dem neuen französischen Präsidenten. Das Publikum wird oft in das Spiel der Band einbezogen und lernt im Blitzkurs auch noch Französisch. Nach dem waschechten Blues Negresse stimmt das Publikum bei Tout la nuit lautstark in den Gesang ein. Wer das nicht kann, singt einfach Oui, Oui, Oui, witzelt Monot.
[Geiger Eckehardt Limberg spielte mit Gitarrist Peter Dümmler wunderbare zweistimmige Soli]
Das Publikum genießt den entspannten Auftritt von Nouvelle France sichtlich und zeigt sich auch vom Soloauftritt La fault de Blues von Monot sichtlich begeistert. Nicht nur am Akkordeon, sondern auch an Gitarre und Bluesharp legt Yannik Monot geniale Soli hin und begeistert mit einem wunderbaren Bottle-Neck Blues auf seiner Dobro. Die Musiker beeindrucken an ihren Instrumenten, allen voran Eckhardt Limberg an der Geige und Peter Dümmler, der trotz einem Brötchenmesserunfalls am Morgen, mit gepflastertem Finger gelungene Soli bietet und mit Limberg geschmackvolle zweistimmige Melodielinien spielt. Bei dem Song Lucile ist das Publikum wieder gefordert und mit einem Merci Bien verabschieden sich die fünf Musiker von der Bühne.
Doch um die obligatorische Zugabe kommt auch Nouvelle France nicht herum und bietet dem Publikum den langsamsten Two-Step seit 200 Jahren. Das entpuppt sich aber als glatte Lüge und die Jazztage preschen mit einem irrsinnigen Tempo ihrem Ende entgegen. Nach dem Auftritt nimmt sich Yannik Monot noch einige Minuten und bestätigt den sympathischen Eindruck, den der Künstler auf der Bühne macht. Seit 30 Jahren wohnt der Musiker in Deutschland und begeistert hier viele junge Künstler, nicht zuletzt seine vier Mitmusiker, mit der Cajun-Musik, mit der er während seiner Zeit in Schweden erstmals in Kontakt kam.
Den guten Eindruck, den Monot von dem Festival gewonnen hat, können auch Hans-Joachim Klein und Dr. Erwin Kampf vom Kulturkreis Wiehl bei ihrem Resümee bestätigen. Wir sind sehr zufrieden mit der musikalischen Auswahl, meint Erwin Kampf und unterstreicht: Viele Leute haben sich total über die Dutch Swing College Band gefreut. Das Wiehler Publikum sei der große Vorteil des Festivals, meint auch Hans-Joachim Klein. Rund 4500 Besucher genossen in diesem Jahr das hochkarätige Programm. Die Reaktionen des Publikums seien zum großen Teil positiv gewesen, stellte Klein fest. Nur über die zu hohe Lautstärke bei der Blues-Night hätten sich einige Besucher beschwert. Hier müssten die Richtlinien im nächsten Jahr strikter befolgt werden. Zudem denke man über eine Unterteilung der Blues-Night, in eine Blues-Party mit lauterer Band und in eine traditionellere Blues-Session, nach. Für das nächste Jahr stehen aber auch schon weitere Überlegungen auf dem Plan. Es wird wieder mehr Dixie-Land geben, stellte Klein fest. Bewährt habe sich das Konzept der verkürzten Woche von Freitag bis Donnerstag. Ein besonderes Dank sprach Klein auch den rund 40 freiwilligen Helfern aus, die auf der Bühne ihren verdienten Applaus erhielten. Finanziell sind wir mit einem blauen Auge davongekommen, meinte Erwin Kampf und fügte die gute Nachricht für alle Jazzfreunde an: Es wird auch im nächsten Jahr wieder die Wiehler Jazztage geben.
