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Schlussmann Fazekas entnervt Melsungen mit 21 Paraden VfL ist wieder an der Spitze
(pl/8.10.2006-21:55) Von Peter Lenz
Gummersbach - Am frühen Abend besiegte der VfL Gummersbach MT Melsungen klar mit 38:30 und eroberte damit die Tabellenführung in der Handball-Bundesliga zurück.
[Bilder: Adi --- Momir Ilic bedient VfL-Kreisläufer Robert Gunnarsson mustergültig. Dieser bedankt sich mit fünf blitzsauberen Toren gegen Melsungen.]
Nach acht absolvierten Partien liegen die Schützlinge von Trainer Alfred Gislason mit nunmehr 14:2 Punkten wieder auf dem Platz an der Sonne. Der VfL verdrängte den HSV Hamburg von der Tabellenspitze, die Hanseaten haben bei 12:2 Punkten allerdings bislang ein Spiel weniger absolviert - ebenso wie die punktgleichen Nordhorner auf dem dritten Rang. Der THW Kiel (11:3) hält durch einen klaren 38:24-Erfolg gegen den TuS N-Lübbecke Anschluss an die Spitze.
VfL Gummersbach MT Melsungen 38:30 (19:16).
[Spektakuläre Flugeinlagen von "Robbie" - ein gefundenes "Fressen" für die Fotografen.]
Nein, gefährdet war der siebte Gummersbacher Saisonsieg heute in der mit knapp 2.000 Zuschauern sehr gut gefüllten Eugen-Haas-Halle gegen die Handballer aus Nordhessen wahrlich nicht, auch wenn zur Pause der VfL-Vorsprung wieder auf drei Tore zusammengeschmolzen war. Dabei hätten die Blau-Weißen bereits in Halbzeit eins den Sack gegen die zunächst völlig überforderten Männer von Trainer Dr. Rastislav Trtik zumachen können.
Per Blitzstart brachten Vedran Zrnic, Robert Gunnarsson und zweimal Gudjon Valur Sigurdsson die Hausherren mit 4:0 in Front (5.). Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits Keeper Nandor Fazekas zwei Paraden an den Tag gelegt am Ende sollten es bei seinem 53-minütigen Einsatz derer 21 (!) sein, womit der Ungar maßgeblichen Anteil am klaren VfL-Sieg hatte. Als nach 15 Minuten die Gummersbacher auf 12:5 davoneilten, lehnten sich die Fans locker zurück und freuten sich auf ein Feuerwerk am frühen Abend.
Nur leider taten dies auch die VfL-Cracks, denn fortan war es mit der Konzentration dahin. Offenbar wollte sich nun jeder am erwarteten Schützenfest beteiligen. Übereilt stürmten die Gummersbacher nach vorne, obwohl am eigenen Kreis die Situation noch gar nicht bereinigt war. Es kam, wie es kommen musste. Melsungen nutzte die Fahrlässigkeiten des VfL und sorgte mit vier Toren in Folge binnen vier Minuten wieder für frischen Wind in der Partie 12:9.
[Ungewohnt agil auch die Zuschauer auf den Rängen. Solch eine Unterstützung bräuchte der VfL auch am Donnerstag bei Champions League-Spiel gegen Celje in Leverkusen.]
Alfred Gislason hatte genug gesehen, er zückte die grüne Karte. Wachgerüttelt in der Auszeit fingen sich die Gastgeber zunächst wieder Sigurdsson und Zrnic erhöhten auf 14:9 -, aber die MTM-Schützlingen waren fortan nicht mehr so leicht abzuschütteln. Sie verkürzten sogar zwischenzeitlich auf 13:15 (25.). Bezeichnend für den kleinen VfL-Durchhänger auch die Tatsache, dass Momir Ilic unmittelbar vor der Pause per Siebenmeter am Melsunger Schlussmann Zoran Djordjic kläglich scheiterte.
[Wieder einmal erfolgreister VfL-Werfer: Kapitän Gudjon Valur Sigurdsson.]
Man muss kein Hellseher sein um zu wissen, dass es beim Pausentee in der Gummersbacher Kabine alles andere als behaglich zuging. Und Gislason wäre nicht solch ein erfolgreicher Trainer, hätte er nicht die passende Antwort auf die Unzulänglichkeiten seiner Männer parat gehabt. So sahen die Zuschauer dann auch nach dem Seitenwechsel einen ganz anderen VfL auf der Platte. Nahtlos knüpfte der Rekordmeister an die ersten 15 Spielminuten an und ließ in Halbzeit zwei nichts mehr anbrennen. Im Gegenteil, nun war Zaubern angesagt.
Basierend auf eine noch offensivere Deckung verschafften Narcisse, Zrnic und Ilic dem VfL bis zur 36. Minute zunächst wieder etwas Luft (22:17). Für die Vorentscheidung sorgte dann im Anschluss der pfeilschnelle und wachsame Sigurdsson fast im Alleingang. Fünf sehenswerte Tore des Isländers, der auch in der Deckung wieder einen glanzvollen Auftritt als vorgezogener Posten zeigte, und ein Zrnic-Treffer ließen die Blau-Weißen bis zur 46. Minute auf 30:20 davon ziehen.
[Vater des Sieges war heute eindeutig Keeper Nandor Fazekas mit 21 Paraden.]
Beflügelt von einigen atemberaubenden Ballstafetten und Kempa-Tricks seitens der Blau-Weißen erwachten nun auch die ansonsten eher beschaulichen Gummersbacher Zuschauer und füllten die alt-ehrwürdige Sporthalle mit Leben. Ja sogar die Welle auf den Rängen funktionierte perfekt. Und Gislason nutzte die Gunst der Stunde und gab seinem zweiten Anzug eine Chance. Bennet Wiegert und Co. machten dann auch ihre Sache nach einem kurzen "Warm up" ordentlich.
[Zum Haare raufen war es zwischenzeitlich nicht nur für Trainer Alfred Gislason.]
Alles in allem also ein souveräner Pflichtsieg mit einigen Kabinettstückchen für die Galerie. Außer dem bereits erwähnt stark auftrumpfenden Torwart Fazekas und dem gewohnt starken Sigurdsson gilt es aber keinen weiteren Spieler besonders hervor zu heben. So boten alle Mann eine solide Leistung, was auch die Tatsache belegt, dass sich sämtlich Akteure - außer Milan Vucicevic - in die Torschützenliste eintragen konnten.
Fakt ist aber auch, dass man sich gegen kommende starke Gegner wie Celje am Donnerstag in der Champions League solch eine rund 15-minütige Auszeit wie im ersten Durchgang nicht erlauben darf. Sonst geht der Schuss mit Sicherheit nach hinten los.
Trainerstimmen
Alfred Gislason (Gummersbach): Insgesamt bin ich natürlich zufrieden, dass wir die zwei Punkten durch einen Sieg mit acht Toren Abstand geholt haben. Allerdings gab es nach einer guten Viertelstunde einen extremen Bruch. Angetrieben von der Kulisse wollten wir zu kompliziert und risikoreich spielen. Wie im Vorfeld bereits erwähnt ist Melsungen eine gute Mannschaft, die so was sofort bestraft. Auch in der Abwehr agierten wir in dieser Phase zu passiv. Nach der Pause gelang es uns zum Glück, das Spiel durch den Einsatz aller umzubiegen.
Dr. Rastislav Trtik (Melsungen): Für mich ist eine Niederlage mit weniger als zehn Toren gegen diesen starken Gegner ein Erfolg. Es war ein verdienter Sieg für den VfL und ein schönes Spiel. In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit hatten wir die besten Szenen, als wir den Gegner zu Fehlern zwangen. Nach der Pause gab es einen schlauen taktischen Wechsel beim VfL in der Abwehr, mit diesem Überraschungsmoment sind wir nicht klargekommen. Wir verloren viele Bälle und kassierten dadurch viele billige Tore.
[Rechtsaußen Vedran Zrnic bedankte sich für das Vertrauen des Trainers mit sechs Treffern.]
VfL Gummersbach
Nándor Fazekas (1.-53. / 21 Paraden, darunter ein Siebenmeter)
Christian Ramota (53.-60. / 3 Paraden)
Bennet Wiegert (2)
Daniel Narcisse (2)
Momir Ilic (7/1)
Robert Gunnarsson (5)
Michael Spatz (1)
Alexis Alvanos (3)
Gudjon Valur Sigurdsson (10)
Milan Vucicevic
Jörg Lützelberger (2)
Vedran Zrnic (6/2)
MT Melsungen
Zoran Djordjic (20.-60. / 7 Paraden, darunter ein Siebenmeter)
Radek Musil (1.-20. / 3 Paraden)
Ivan Brouko
Andrej Kurchev (6/1)
Michal Kraus (3)
Predrag Kontic (3)
Petr Hazl
Daniel Valo (1)
Petr Hruby (1)
Vladica Stojanovic
Goran Sprem (5/2)
Giorgos Chalkidis (3)
Sead Kurtagic (3)
Spyros Balomenos (5)
Zuschauer: 1.921.
Schiedsrichter: Frank Lemme, Bernd Ullrich.
Siebenmeter: 5/3 4/3 (Ilic scheitert an Djordjic, Zrnic verwirft Kurtagic scheitert an Fazekas).
Zeitstrafen: 2:6 Minuten (Zrnic Kurchev, Kontic, Valo).
Beste Spieler: Nandor Fazekas, Gudjon Valur Sigurdsson.
Spielfilm: 4:0 (5.), 7:3 (9.), 12:5 (15.), 12:9 (19.), 15:13 (25.), 19:16 (Halbzeit) 23:19 (38.), 30:20 (46.), 30:24 (49.), 35:25 (55.), 38:30 (Endstand).
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