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Mächtig eingeheizt: Die lange Nacht der Schmiedefeuer kam an
(mho/12.8.2006-18:25) Oberberg - Die Hämmer klopften emsig in der gestrigen langen Nacht der Schmiedefeuer: Ob Handarbeit oder vom Wasser betrieben, ob Hufeisen oder Wagenrad, die alte Kunst des Schmiedens hat bis heute nichts von ihrem Glanz verloren.
[Bilder: Martina Hoffmann --- Absoluter Höhepunkt der Veranstaltung in Wiehl war aber das Aufziehen eines glühenden Radreifens auf ein Holzspeichenrad..]
So konnten - trotz zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen - die drei Beteiligten Museumsstandorte Freilichtmuseum Lindlar, Oelchenshammer in Bickenbach und das Wiehler Museum Achse Rad und Wagen einen außerordentlich regen Besucherandrang verzeichnen. Am Ölchenshammer wurden schon früh die Schleusen geöffnet und die zwei wasserkraftbetriebenen Hammer in Bewegung gesetzt.
[Gastschmied Friedel Thiel aus dem Westerwald hatte von der langen Nacht aus der Presse erfahren und sofort seine Hilfe angeboten. "Es gibt nichts Schöneres als abends im Feuerschein zu schmieden", freute sich Thiel.]
Schmied Thomas Mantowski erklärte anschaulich die alten Arbeitsschritte zur Herstellung von Raffinierstahl und erfreute das erstaunte Publikum auch noch mit Shanties der Christlichen Seefahrt - einem Großabnehmer von Eisen für die Ozeanriesen. Derweil warteten im Hof Heidi und Sepp auf neue Hufeisen und wer Hunger hatte, konnte sich mit Gegrilltem einen romantischen Platz am Stauweiher suchen. Hausherr Dr. Markus Krause vom Reihnischen Industriemuseum Engelskirchen war sichtlich zufrieden. "Ich freue mich, wenn dieses herrliche Ensemble so gut von den Leuten angenommen wird."
Im Freilichtmuseum Lindlar wurde das traditionelle Schmieden mit der Hand gezeigt. Im Werksmuseum der Bergischen Achsenfabrik in Wiehl konnten die Besucher den Schmied aktiv unterstützen. Damit das Schmiedefeuer lodert, musste zunächst der Blasebalg betätigt werden. Mit einer Handkurbelbohrmaschine konnten die Gäste dann ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen und unter Anleitung eine kleine Feldschmiede benutzen.
Absoluter Höhepunkt der Veranstaltung war aber das Aufziehen eines glühenden Radreifens auf ein Holzspeichenrad. 1.500 Grad hatte der Feuerring, in dem der Radreifen zum glühen gebracht wurde. Schmied Gunther Thime mahnte zur Geduld: "Gut Ding will Weile haben." Der Radreifen muss vollständig durchhitzt werden, damit der auf Maß geschmiedete Ring bei der Erwärmung sich gerade soweit ausdehnt, dass er über das Holzspeichenrad geführt werden kann. Durch die sofortige Kühlung des Metalls nach dem Aufsetzen werden die Holzspeichen fest in den Radrahmen gespannt.
[Großes Interesse herrschte auch am Oelchenshammer.]
Augenmaß und viel Erfahrung ist hier für ein `rundes` Ergebnis entscheidend. Aber den gestandenen Recken der BPW Thieme, Siegfried Bert, Dieter Kahlenberg und Jupp Hambach gelang auch dieses Mal das Kunststück. Die anschließende Klangprobe bewies: dieses Rad läuft rund.
Die lange Nacht der Schmiedefeuer lockte nicht nur Einheimische an die traditionellen Standorte, sondern auch einige Touristen ins Bergische. Unter dem Strich also eine absolut runde Sache.
