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UNESCO-Verbindungsfrau besuchte Realschule Steinberg

nis; 24. May 2006, 00:00 Uhr
Oberberg Aktuell
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UNESCO-Verbindungsfrau besuchte Realschule Steinberg

nis; 24. May 2006, 00:00 Uhr
(nis/9.5.2006-17:50) Gummersbach – Fanny Guerra besuchte heute die Schüler der Realschule Steinberg und berichtete von den Verhältnissen in Ecuador. Ebenso bedankte sie sich für das Geld, das die Realschüler jährlich sammeln.
[Bild: Nina Schmitt --- Schulleiter Werner Mays und Fanny Guerra (Mitte) erzählten von den Verhältnissen in Ecuador. Sport- und Englischlehrerin Ursula Wanders übersetzte.]

Schöner und lebhafter Besuch für die Realschule Steinberg: Fanny Guerra, die "Mutter der Straßenkinder" in Quito/Ecuador, machte einen Abstecher nach Oberberg - und das nicht zum ersten Mal. Guerra ist vom Kultusministerium Quito und Verbindungsfrau der UNESCO. Einmal im Jahr ist sie in Paris bei den UNESCO-Tagen und lässt es sich nicht nehmen, ein paar Tage in Oberberg zu verbringen, wo sie dann auch von Schulleiter Werner Mays in die Realschule Steinberg eingeladen wird. Der Kontakt kam zustande, als Mays als stellvertretender Vorstand des Vereins "Opam" nach Ecuador reiste, um sich dort ein Bild über die Projekte zu machen. "Opam" hat sich die Alphabetisierung in benachteiligten Regionen der Welt zum Ziel gesetzt, so auch im Norden Ecuadors.

Seit sechs Jahren sammeln die Schüler der Realschule Steinberg jährlich durch Schulfeste und Sponsorenläufe 1.200 € - ein Jahresgehalt eines Lehrers in der Patenschule in Ecuador. So kann durch das Engagement der Schule erreicht werden, dass etwa 30 Kinder Lesen und Schreiben lernen. Dafür bedankte sich Guerra sehr. Vor den Schüler aus der achten, neunten und zehnten Klasse erzählte sie, dass die Verhältnisse in der Region sehr ärmlich sind. Die Kinder müssen zwei Stunden mit dem Bus zur Schule fahren, sechs Stunden wären es zu Fuß. Da die Häuser spärlich eingerichtet sind, fehlt es an Mobilar wie Tische und Stühle, was dazu führt, dass der Nachwuchs in der Schule übernachtet, um die richtige Ausrüstung zum Lernen zu haben. Mays: "In einem Haus wohnen teilweise bis zu drei Generationen auf engem Raum; so können die Kinder nicht lernen." Oft gibt es auch Probleme mit Alkohol. Im Chota-Tal, wo die Nachfahren afrikanischer Sklaven leben und es bis zu 100 Schüler gibt, ist die Situation ebenfalls schwierig. Die Regierung sei der Meinung, die Erziehung junger Leute brauche nicht unterstützt zu werden.

"Wenn die Kinder nicht lernen können, haben sie nicht die geringste Chance", warnt Guerra. Viele Familien seien auch nicht daran interessiert, die Besitzverhältnisse zu ändern. "Die Kinder müssen erfahren, wie man bessere Erträge erzielen kann." Guerra erzählt weiter, dass viele schon mit drei, vier, fünf oder sechs Jahren anfangen zu arbeiten und gar nicht zur Schule gehen können, weil sie Geld nach Hause bringen müssen. "Die wirtschaftliche Lage ist ebenfalls sehr schwierig, die Familien verdienen nur rund drei Dollar die Woche und können sich zwar Grundnahrungsmittel leisten, aber jeder andere Luxus ist ihnen nicht möglich", so die Besucherin. Mays machte noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: "Viele junge Leute wandern aus, um sich ein besseres Leben zu machen. Ich habe auf meiner Reise Dörfer gesehen, wo nur noch Frauen gelebt haben, alle Männer ab 16 Jahren waren weg." So kann es passieren, dass junge Mädchen im Alter von 13 Jahren schon schwanger sind und wenig später vom Kindsvater alleine gelassen werden.

Da ist es gut, dass sich Projekte wie "Opam" diesen Kindern annimmt und sich auch die Schüler engagieren. Der Schulleiter hofft, dass sich noch mehr Schulen finden werden, die solche Lehrerpatenschaften übernehmen. Seit 15 Jahren besteht eine Zusammenarbeit zwischen Guerra und Opam". Die Realschüler wollen sich nun dafür einsetzten, Geld für einen Computer zu sammeln, denn diesen brauchen die Kinder dringend zum Lernen, damit sie im späteren Leben eine Chance haben.

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