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Streit um Tierheim Koppelweide eskaliert – Turbulente Mitgliederversammlung erwartet

bv; 23. Mar 2006, 00:00 Uhr
Oberberg Aktuell
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Streit um Tierheim Koppelweide eskaliert – Turbulente Mitgliederversammlung erwartet

bv; 23. Mar 2006, 00:00 Uhr
(bv/8.3.2006-17:35) Wiehl – Zwei Tierschützergruppen in erbitterter Fehde. Vorwürfe und Verdächtigungen auf beiden Seiten.
[Bilder: privat --- Ausweis für katastrophale Zustände oder Normalität in deutschen Tierheimen: tote Katzen in der Tiefkühltruhe.]

Unter den Mitgliedern des Tierschutzvereins Oberberg, der das Tierheim Koppelweide in Wiehl betreibt, ist ein bitterböser Kleinkrieg entbrannt – mit allem, was dazu gehört. Man spricht nicht mehr mit, sondern übereinander. Vorwürfe, Gerüchte und Verdächtigungen fliegen wie vergiftete Pfeile von hüben nach drüben. Selbst offizielle Stellen sind eingeschaltet. Auf der einen Seite steht Reiner Gaertner, sei mehr als 20 Jahren im Tierschutz aktiv, und seit 2003 Mitglied im Verein ist. Er kämpft mit Unterschriftenlisten, dem Versprechen, das defizitäre Tierheim zu erwerben und viel Engagement darum, dem Verein eine neue Zukunft zu verschaffen. Sein Vorwurf an die bisherige Vereinsführung ist ein dreifacher. Man habe den Ruf des Vereins massiv geschädigt durch die Art und Weise, wie man mit Menschen, aber auch mit Tieren umgegangen sei.

Desweiteren fehle es der Geschäftsführung an den Fähigkeiten, Verein und Tierheim aus den roten Zahlen zu holen. Und schließlich habe die jetzige Führung die völlige Verwahrlosung des Tierheimes zu verantworten. Gaertner hat zur Untermauerung seiner Vorwürfe eine Reihe von Fotos gefertigt und ist sich sicher, dass man mit Sofortmaßnahmen einiges erreichen könne.

[Die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Heidelore Sondermann, weist alle Vorwürfe zurück.]

Vor allem gehe es darum, verloren gegangenes Vertrauen neu zu erwerben. Rainer Gaertner ist auch bereit, das Tierheim zu erwerben, um es vor dem Konkurs zu retten und anschließend dem Verein zum symbolischen Preis von einem Euro zu verpachten. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass die bisherigen Verantwortlichen keinen Einfluss mehr nehmen. Heidelore Sondermann, Gründerin und Vorsitzende des Tierschutzvereins, weist die Vorwürfe zurück, die sie an eine Intrige erinnerten. Sie sei inzwischen durch die Auseinandersetzungen gesundheitlich angeschlagen. „Ich komme gegen die Bösartigkeiten nicht an und weiß nicht, ob ich das noch lange durchhalte.“

Die Vorwürfe seien weitgehend falsch. Im Tierheim arbeiteten qualifizierte Fachkräfte, und auch eine Tierärztin sei angestellt. Dass tote Katzen in einer Tiefkühltruhe gelagert würden, sei kein Frevel, sondern in Tierheimen Realität, bis der Abdecker die toten Tiere abhole. Der Fehlbestand von etwa 80. 000 Euro komme dadurch zustande, dass eine große Gönnerin derzeit ernsthaft erkrankt, und diese Geldquelle ausgefallen sei. „Es ist eine Unverschämtheit, so zu tun, als ob ich das Geld veruntreut hätte“, sagt Sondermann.

[Ist der Tierpark verwahrlost oder müssste nur einmal aufgeräumt werden?]

Die Vorsitzende hat inzwischen kein Interesse mehr an der Leitung des Tierheimes, legt aber Wert darauf, dass die in Privatquartieren untergebrachten Tiere nicht zurück ins Tierheim müssen. Alles andere sei für sie völlig widersinnig. Allerdings gibt Sondermann zu, dass sie vor 14 Jahren, bei der Gründung des Vereins hinsichtlich der langfristigen Finanzierung zu blauäugig gewesen sei. Die ihr versprochene Unterstützung der Kommunen habe sich nur auf das absolut gesetzlich Vorgeschriebene beschränkt. Derzeit hat das Tierheim nur noch mit den Städten Wiehl, Bergneustadt, Gummersbach und Reichshof einen Vertrag über die Aufnahme von Fundtieren.

So brodelt der Streit weiter, und Rainer Gaertner hat sogar Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Kreisveterinär Hans-Georg Franchy gestellt, der die Verhältnisse im Tierheim hingenommen, und nicht gehandelt habe. Am 18. März, um 14 Uhr kommt es auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Oberbantenberg zum Show Down.

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