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'Unglaubliche Momente' erlebte der Gummersbacher Mario Falkenberg bei Olympia

om; 14. Apr 2005, 21:00 Uhr
Oberberg Aktuell
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'Unglaubliche Momente' erlebte der Gummersbacher Mario Falkenberg bei Olympia

om; 14. Apr 2005, 21:00 Uhr
(om/28.10.2000-23:30) Von Oliver Mengedoht
Gummersbach - Während im australischen Sydney gerade die behinderten Sportler bei den Paralympics um Medaillen kämpfen (wir berichteten mehrfach), hat der Gummersbacher Bankangestellte Mario Falkenberg seine Erinnerungen an die Olympischen Spiele kurz zuvor für uns berichtet.

[Bilder: Mario Falkenberg --- Dieses tolle Foto von der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2000 brachte der Gummersbacher mit nach Hause.]





Zwei Tage vor der Eröffnungsfeier kam Mario Falkenberg um 6 Uhr Ortszeit auf der anderen Seite der Erde an. Schnell holte er das bestellte Wohnmobil an und steuerte den erstbesten Campingplatz an - "nach 22 Stunden Flugzeit war das nicht sehr lustig", erinnert er sich an den Linksverkehr in der ehemaligen britischen Kolonie. Anschließend machte er sich sofort mit der S-Bahn in das Zentrum von Sydney in den Olympischen Park auf, "um zu sehen, was da schon los war".

[Schon am zweiten Tag traf Falkenberg "seinen ersten Promi", konnte sich mit dem ehemaligen Boris Becker-Trainer Ion Tiriac fotografieren lassen.]





Eine ganze Menge, fand der Gummersbacher, war aber nicht bereit, fünf Dollar Eintritt für leere Hallen und Stadien auszugeben - die würde er ja noch früh genug sehen, und dann wohlgefüllt mit der entsprechenden Atmosphäre. In dem Park, "ich schätze, etwa so groß wie das Phantasialand, fuhr kein einziges Auto, kein Bus, alles musste man zu Fuß machen". So kundschaftete Falkenberg schon einmal aus, wo die von ihm favorisierten Handballhalle war, wo das Schwimmen stattfinden sollte.





Schwimmen fasziniert den Oberberger seit den Spielen von '84 in LA, dass er sich für den Handball interessiert, ist nicht unbekannt, wenn man den "Nebenjob" des Bankangestellten kennt: Er ist der Mannschaftsbetreuer bei der Handball-Bundesliga-Mannschaft des VfL Gummersbach. Weitere Karten auf dem Schwarzmarkt hätte es ab 900 Dollar gegeben, "da bin ich lieber erstmal zu einem von vier oder fünf McDonalds-Restaurants im Olympischen Park gegangen", erzählt der junge Mann schmunzelnd. Bei den "Food Pavillons", in denen es Essen von der ganzen Welt gab, sei es recht teuer gewesen, Sydney sonst recht günstig.

[Als alle Athleten bei der Eröffnungsfeier eingelaufen waren, war nicht ein Quadratzentimeter Rasen mehr zu sehen.]





Am zweiten Tag erlebte Mario Falkenberg schon einen echten Höhepunkt: Er erlebte hautnah mit, wie die Olympische Flagge nach Sydney kam. "Ich lag am Strand von Bondai Beach, da kreisten die ganze Zeit Hubschrauber hinter einer Klippe, dann kamen an die 50 Schiffe und alle Menschen folgten ihnen." Er entschloss sich, einmal nachzuschauen, was es mit dem Trubel auf sich hatte - und dann sah er es: "Über das Wasser kam jemand mit der Flamme, direkt an mir vorbei, alle jubelten und liefen hinterher", beschreibt Falkenberg die besondere Situation. "Das war schon mal ein erster Ausblick auf die tolle Stimmung!"





Am dritten Tag galt es, die Eröffnungsfeier zu besuchen, für die Mario ebenfalls schon eine Eintrittskarte hatte. Bei einer Besichtigung der weltberühmten Oper und dem Hafen mit den riesigen Kreuzfahrtschiffen "habe ich meinen ersten Prominenten getroffen: Ion Tiriac." Mit ihm durfte er sich ablichten lassen, durfte sich aber mit einer Gegenleistung revanchieren. "Ich brauche Bahnhof, wo ist Bahnhof?" fragte Tiriac den Deutschen, der ihm das natürlich auch erklären konnte.

[Normalerweise sitzt Mario Falkenberg - wenn nicht "auf der Arbeit" in der Bank - hier: Auf der Bank beim VfL Gummersbach als Mannschaftsbetreuer.]





Dann sucht Falkenberg nach Worten, kann kaum die fantastische Feier bei der Eröffnungsfeier beschreiben. Nach einer Stunde Vorprogramm mit Showmastern, Popmusik und dem Oper-Orchester ging es los, "ein unglaubliches Fest", schwärmt Falkenberg. Vier Stunden dauerte das Programm, aber weil es alles andere als langweilig war "und wir Zuschauer immer mit einbezogen wurden, kam es mir vor, wie nur eine Stunde". In einem Köfferchen gab es für jeden Zuschauer Taschenlampe und rote Lämpchen zum Schwenken, Programmheft, Aufkleber, Socken und Postkarten.





"Es war so schön, die vielen Farben, die Tradition der Ureinwohner, Popmusik und Feuerwerk", ist der Gummersbacher noch immer fassungslos. Für den Einmarsch des deutschen Teams hatte er extra ein Fernglas mitgebracht, um Urban Wrona zu entdecken, den Gummersbacher Physiotherapeuten des VfL, der die gleiche Rolle in der Handball-Nationalmannschaft innehatte, "aber die Truppe war zu groß. Aber für Urban muss es ein tolles Gefühl gewesen sein", ist Falkenberg sicher. "Das hat mich für ihn gefreut."

[Tausende Menschen, Dutzende Boote, mehrere Helikopter und ein Zeppelin strömten zum "Landgang" des olympischen Feuers am Bondai Beach - "uns Mario" war hautnah dabei.]





Wenigstens hat er Oleg Khodkov gesehen, den russischen Rückraumspieler des VfL. "Unseren" Koreaner, Kyong-Shin "Nick" Yoon konnte er dagegen nicht entdecken, weil die südkoreanischen Handballspieler am nächsten Morgen um halb neun schon ein Spiel hatten und nicht mit auflaufen durften. Dennoch fand Mario Falkenberg den Moment, in dem die Koreaner einliefen, am schönsten.





"Es gab davor eine längere Pause, und dann verkündete das Organisationskomitee stolz, dass Süd- und Nordkorea unter einer Flagge einlaufen", erklärt Falkenberg. "Und obwohl nur ein Bruchteil der 110.000 Zuschauer Koreaner waren, standen alle ergriffenauf - ein unglaubliches Gefühl." Das sei ihm sehr nahegegangen, weil er ja "Nicks" Vater kenne, der in den 50-ern aus dem Norden geflüchtet sei, "ich musste mit den Tränen ringen, und auch viele andere aus wildfremden Ländern".

[Linkes Bild: Ein Schnappschuss des Gummersbachers von "seinem" Koreaner Kyong-Shin "Nick" Yoon; rechtes Bild: Ein Blick auf das Hockey-Feld, das Falkenberg bei den Olympischen Spielen sah.]





Die Projektion berühmter Sportler auf eine riesige Fahne über den Zuschauern am anderen Stadionende beeindruckte den Gummersbacher ebenso wie das olympische Feuer, das die australische Ureinwohnerin Casey Freeman auf die Bühne brachte und entzündete, wieder nur ein paar Meter von Falkenberg entfernt. Mit einem Feuerwerk endete der tolle Abend im "Stadium Australia".





"Ich weiß gar nicht, warum mich Olympia so brennende interessiert, es war teuer, aber vielleicht sieht man es nur einmal im Leben - mir war es jeden Pfennig wert und ich würde es sofort wieder machen, speziell die Eröffnungsfeier", ist Falkenberg begeistert. Dass es die perfektesten Spiele gewesen seien, mag er bestätigen: "Nur nach der Eröffnungsfeier habe ich drei bis 3,5 Stunden für die 1- bis 200 Meter zur U-Bahn gebraucht, sonst musste ich nie warten. Alles andere war perfekt."

[Die Oper (links) und den Hafen mit den riesigen Kreuzfahrtschiffen (re.) sah Falkenberg in Sydney ebenfalls.]





Sechs Handballspiele am Tag hat der Gummersbacher dann gesehen, alle Vorrunden- und die meisten Spiele der Finalrunde der Männer - insgesamt rund 75 Partien. Bei eien Deutschlandspiel sah er DHB-Präsident Ulrich Strombach (bekanntlich ebenfalls Gummersbacher), Bundestrainer Heiner Brand kontte er nicht begrüßen. Mit seinem Freund Oleg Khodkov unterhielt er sich mehrfach am Spielfeldrand, mit Kyong-Shin Yoon verbrachte er einen gemeinsamen Abend in Sydney. Die Karte für den 100-Meter-Finallauf der Männer und Frauen hat er dann doch noch verkauft - "ich hatte keine Lust, nochmal drei Stunden zu warten, von dem Geld bin ich schön Essen gegangen".

[Zwei weitere fantastische Bilder, die der Gummersbacher von der beeindruckenden Eröffnungsfeier in Australien mit in die Heimat brachte.]





Hat er wenigstens mal etwas Einheimisches gegessen? "Nein, chinesisch", lacht er. "Ich habe australische Milch getrunken, Brot und Obst gegessen, aber kein Strauß oder Känguruh." So wie er auch von Sydney und dem Land nicht viel gesehen habe, statt Sehenswürdigkeiten habe er sich lieber olympisches Beach-Volleyball oder Hockey angeschaut. Als letzte Veranstaltung der Spiele sahe er die Siegerehrung im Handball, als sein Freund Khodkov die Goldmedaille überreicht bekam.





Mario Falkenbergs Fazit: "Ich würde sofort wieder nach Australien fliegen, die Leute sind unglaublich nett und zuvorkommend, und im Gegensatz zu Korea habe ich diesmal etwas verstanden." Dort war er zweimal mit "Nick" Yoon, zuletzt zu dessen Hochzeit, zur Fußball-WM 2002 geht es mit dem Koreaner wieder in dessen Heimat. Aber Australien, so Falkenberg, sei ein tolles Land. "Da hast Du ja auch sooo viel gesehen", wirft Wirtin Nula Prousalis im "Hexenbusch" lästernd ein. "Und genau das will ich ja dann auch nachholen", kontert Stammgast Mario.







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