ARCHIV
Souveräner Auftritt gegen angeschlagene Hamburger sichert Gummersbach den Anschluss
(pl/20.10.2005-1:30) Von Peter Lenz
GM/Köln Die Handball-Profis des VfL Gummersbach gaben sich am Abend gegen den HSV Hamburg keine Blöße und verkürzten durch einen ungefährdeten 31:27-Sieg wieder den Rückstand zum Primus Magdeburg auf einen Zähler.
[Bilder: Michael Kleinjung --- Nach seiner überstandenen Schulterverletzung war "Nick" Yoon heute wieder ganz der alte. Vor allem seine sehenswerten Treffer in Unterzahl ließen das Publikum jubeln.]
Nachdem der Tabellenführer aus Magdeburg gestern mit einem Erfolg in Großwallstadt vorgelegt hatte, zogen heute die Verfolger nach. Sowohl Gummersbach (31:27 gegen Hamburg), Kiel (40:20 in Delitzsch) als auch Flensburg (41:26 gegen Düsseldorf) fuhren lockere Siege ein. Der VfL bleibt mit 16:2 Punkten Zweiter, mit jeweils 14:2 Zählern folgen Kiel und Flensburg.
VfL Gummersbach HSV Hamburg 31:27 (16:11).
[Licht und Schatten bei Daniel Narcisse: Für seine fünf Tore brauchte der Franzose 13 Anläufe.]
Es war ein hartes Stück Arbeit, aber am Ende ein völlig verdienter Sieg der Blau-Weißen. So hatten die fast 14.000 Zuschauer im Gummersbacher Handball-Tempel eigentlich nie das Gefühl, die Hausherren würden den Erfolg aufs Spiel setzen. Den Hanseaten, denen die Turbulenzen der letzten Tage kaum anzumerken waren bekanntlich hatte man am Montag den Trainer Christian Fitzek vor die Tür gesetzt ging in der Schlussphase schlichtweg die Luft und Kraft aus. Gummersbach dagegen konnte gerade am Ende immer noch eins drauflegen, sodass man schließlich von einem souveränen Sieg der Kljaic-Mannen sprechen darf.
Nicht wieder zu erkennen waren die Gummersbacher im Vergleich zum zwar erfolgreichen, aber alles andere als rühmlichen Auftritt vor Wochenfrist gegen Schlusslicht Delitzsch. Mit Ege, Spatz, Yoon, Houlet, Narcisse, Sigurdsson und Gunnarsson zum Beginn auf der Platte, starteten die VfL-Cracks gegen den HSV, der zu allem Überfluss auch noch auf seinen Leistungsträger und Nationalspieler Torsten Jansen verzichten musste, ebenso wie auf Stammkeeper Goran Stojanovic, der wegen des Todes seines Vaters kurzfristig fehlte.
[Grandiose Aufnahme, grandiose Aktion. Nur das Tor fehlte, denn dieser akrobatische Heber vom heute starken Robert Gunnarsson verfehlte leider sein Ziel knapp.]
Allerdings erwies sich diese Gummersbacher Variante als wenig effektiv Hamburg führte nach neun Minuten mit 5:3. Gunnarsson und je zweimal Yoon und Narcisse wendeten aber mit fünf Toren in Folge das Blatt 8:5 (16.). Doch trotz der erfolgreichen Aufholjagd lief beim VfL den Ball noch nicht rund. Dies besserte sich erst etwas, als Coach Velimir Kljaic nach 19 Minuten die Mannschaft neu aufstellte. Den erneut enttäuschenden Spielmacher Francois-Xavier Houlet ersetzte er durch Gudjon Valur Sigurdsson, an dessen Stelle Alexander Mierzwa auf den linken Flügel kam. Zudem löste Michael Hegemann zunächst Daniel Narcisse im linken Rückraum ab.
[VfL-Coach Kljaic hatte seine Mannschaft gut eingestellt. Der Lohn: Weiterhin ist der VfL das einzige Team ohne Niederlage.]
Zwar glich Hamburgs Pascal Hens nach einer HSV-Auszeit nochmals zum 10:10 aus (22.), aber in den verbleibenden acht Minuten des ersten Durchgangs sorgten die Hausherren für klare Verhältnisse. Gunnarsson, von Behren, Sigurdsson und Yoon erhöhten auf 14:10, zur Pause betrug der Vorsprung schon fünf Tore.
Und auch nach dem Seitenwechsel ließen die Gummersbacher nichts mehr anbrennen. Über 18:12 (34.) und 23:17 (44.) war beim 26:21 sieben Minuten vor Ultimo bereits eine Vorentscheidung gefallen. Zwei Treffer von Hamburgs Krzysztof Lijewski ließen die Gäste zwar nochmals etwas aufschließen, aber in Gefahr geriet der siebte Gummersbacher Sieg im neunten Saisonspiel nicht mehr. Konstant hielten die VfL-Cracks den Gegner mit drei Toren auf Distanz, ehe Kreisläufer Robert Gunnarsson mit seinem fünften Treffer den Sack zumachte.
[Michael Spatz auf ungewohnter Rückraum-Position.]
Unter dem Strich sahen die Zuschauer zwar kein hochklassiges, aber dennoch unterhaltsames Spiel. Während sich beide Teams in Sachen kämpferischer Einstellung nichts nahmen, waren es beim HSV am Ende die vielen ausgelassenen Chancen, die den erhofften Punktgewinn kosteten. Auf der anderen Seite gefielen die Gummersbacher durch eine mannschaftsliche Geschlossenheit.
[Führte gut Regie: der neue Publikumsliebling Gudjon Valur Sigurdsson.]
Besonders erfreulich, dass Nick Yoon offenbar seine Schulterprellung aus dem Lemgo-Spiel komplett auskuriert hat. Neun Treffer des Koreaners sprechen für sich. Ebenfalls sehr gut ins Bild rückte sich Keeper Steinar Ege mit 16 Paraden. Nicht überragend, aber gut in Form präsentierten sich auch Gudjon Valur Sigurdsson, der sich allerdings den Luxus von zwei vergeigten Siebenmetern leistete, und Kreisläufer Robert Gunnarsson, der für seine fünf Treffer gerade einmal sechs Versuche benötigte.
Zur Formkrise von Zouzou Houlet meinte Trainer Kljaic nur: Ihm fehlt derzeit etwas die Substanz, er ist ja auch nicht mehr der jüngste. Vor allem gegen eine 6:0-Deckung sind seine Möglichkeiten begrenzt, da kommen wir mit einem schnellen Spielmacher wie Sigurdsson einfach besser klar. Nicht klar kam Daniel Narcisse, der zwar fünf Mal ins Schwarze traf, dem aber acht Fahrkarten gegenüber standen.
[16 Paraden: Steinar Ege fühlte sich in seinem "Wohnzimmer" Kölnarena auch heute wieder pudelwohl.]
Trainerstimmen
Velimir Kljaic (Gummersbach): Das war ein Superkampf meiner Mannschaft. Es gab wie immer ein paar Fehler auf beiden Seiten. Hätte Daniel Narcisse den Gegenstoß verwandelt, wäre das Spiel schon früher entschieden gewesen, das war der Knackpunkt. Wir haben nach dem 5:5 die Führung nicht mehr abgegeben und so schließlich verdient gewonnen. Hamburg ist stark besetzt und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie wieder ihre wahre Klasse zeigen. Ich bin froh, dass wir dieses Spiel erfolgreich hinter uns bringen konnten.
Dierk Schmäschke (HSV-Geschäftsführer): Ich bin zufrieden mit der kämpferischen Leistung. Wir haben heute gute Gegenwehr geleistet. Nach der turbulenten Woche haben wir uns vernünftig präsentiert. Vielleicht war sogar noch etwas mehr drin, wenn wir nicht so viele klare Chancen vergeben hätten. Die Mannschaft hat ihren Stil bis zum Ende durchgehalten. Wir haben uns anständig verkauft, das gibt Ruhe für die nächsten Tage.
VfL Gummersbach
Steinar Ege (1.-60. / 16 Paraden, darunter ein Siebenmeter)
Christian Ramota (n.e.)
Kyung-Shin Yoon (9)
Frank von Behren (1)
Francois-Xavier Houlet (2/2)
Denis Bahtijarevic (n.e.)
Daniel Narcisse (5)
Alexander Mierzwa
Robert Gunnarsson (5)
Michael Spatz (2)
Michael Hegemann
Gudjon Valur Sigurdsson (7/2)
HSV Hamburg
Tobias Mahnke (41.-60. / 8 Paraden)
Henning Wiechers (1.-41. /12 Paraden)
Stefan Schröder (1)
Branko Kokir (4/3)
Matthias Flohr (2)
Thomas Knorr (1)
Roman Pungartnik (3)
Bertrand Gille (2)
Guillaume Gille (2)
Matthias Karbowski
Krzysztof Lijewski (3)
Igor Lavrov (4/1)
Pascal Hens (5)
Zuschauer: 13.726.
Schiedsrichter: Lars Geipel (Steuden) und Marcus Helbig (Raguhn).
Siebenmeter: 7:7 4:4.
Zeitstrafen: 18:12 Minuten (dreimal von Behren, zweimal Yoon, Houlet, Gunnarsson, Hegemann, Sigurdsson Schröder, Pungartnik, dreimal G. Gille, Karbowski).
Beste Spieler: Kyung-Shin Yoon, Steinar Ege Henning Wiechers, Tobias Mahnke.
Spielfilm: 1:1 (2.), 3:5 (9.), 8:5 (16.), 9:7 (18.), 10:10 (22.), 14:10 (28.), 16:11 (Halbzeit) 18:12 (34.), 20:15 (39.), 23:17 (44.), 26:21 (53.), 28:25 (58.), 31:27 (Endstand).
Ergebnisse und Tabelle Bundesliga
