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Schule darf kein „Durchlauferhitzer“ sein

ka; 6. Apr 2004, 06:22 Uhr
Oberberg Aktuell
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Schule darf kein „Durchlauferhitzer“ sein

ka; 6. Apr 2004, 06:22 Uhr
(ka/24.3.2004-16:45) Gummersbach – Auf dem heutigen fünften Gesamtschultag in Derschlag stand das Thema „gesundheitsfördernde Schule“ im Mittelpunkt – auswärtige Referenten waren unter anderem der Schweizer Schulentwickler Elmar Osswald und Dr. Harald Schmid, ehemaliger Europameister im 400 Meter-Hürdenlauf.
[Bilder (4): Oliver Mengedoht --- Mit 350 Lehrern fand in Derschalg der Lehrerkongress in der Region statt]

An der Gesamtschule Derschlag fand heute der größte Lehrerkongress der Region statt, wie Michael Jaeger, Leiter der Schule stolz erklärte. Rund 350 Lehrer aus den vier Gesamtschulen des Oberbergischen trafen sich heute zu 24 Veranstaltungen zum Thema „Gesundheitsfördernde Schule“. Es ging in den Kursen um Wohlbefinden, Lustlosigkeit, und Burn out bei Lehrern und Schülern. Gerade das Phänomen des Burn out sei unter Lehrern weit verbreitet. „Burn out hat eine neue Qualität erreicht“, erläuterte Inge Thielmann-Töppich von der Gesamtschule Waldbröl und Mitglied im Organisationsteam zur Vorbereitung der Tagung. „Viele Lehrer laufen in Klinken auf“, ergänzte Ulrike Bleicker von OPUS, dem Netzwerk für Gesundheitsfördernde Schule, das den Gesamtschultag sponsert. Es brauche Signale, dem zu begegnen, so Bleicker weiter.



[Elmar Osswald redete vor den Lehrern über die Anforderungen an eine andere Form von Schule.]

Jaeger hatte bereits in seiner Begrüßungsrede auf die Ursachen der hohen Beanspruchung hingewiesen: Arbeitszeiterhöhung, die Vielfältigkeit der Aufgaben, nämlich: unterrichten, erziehen, beraten und beurteilen, aber auch eine gestiegene Konferenzbelastung und die schwieriger gewordene Schülerschaft. Elmar Osswald, prominenter Schul- und Organisationsentwickler aus Basel, fügte aus anderer Perspektive im Gespräch hinzu, dass die Schule sich an die Anforderungen der Globalisierung anpassen müsse, und dies könne nur in einem Prozess erfolgen, der viele Jahre dauert. Derzeit werde aber alles auf einmal gefordert und ständig reformiert, die Schule werde damit zu einem „Durchlauferhitzer“. Die Lehrer seien, nur mit einer Holzlatte ausgestattet, auf dem hohem Meer unterwegs, verglich er die derzeitige Situation. Da Schulen gerne an alten pädagogischen und organisatorischen Strukturen festhielten, sei für die geforderten Änderungen die Hilfe externer Kräfte notwendig. Die Schule könne dabei von dem Wissen von Unternehmen profitieren.



[Schulleiter Michael Jaeger (r.) inmitten interessierter Lehrer]

Aufgabe der Schule sei es, die Schüler zusammen mit den Eltern aus einem „krank machenden Bildungssystem herauszuführen.“ An die Adresse der Eltern fügte Claudia Högener von der Gesamtschule Marienheide hinzu, dass sich die Eltern gegenüber den Lehrern nicht als die Anwälte der Kinder sehen, sondern verstehen sollten, dass Lehrer und Eltern eine gemeinsame erzieherische Aufgabe hätten.“



Dazu komme aber auch, dass die man die „Atmosphäre in der Schule so gestaltet, dass Lehrer und Schüler gerne in die Schule gehen“. Vor diesem Hintergrund brauche die Schule gesunde Lehrer, so Jaeger weiter. Entsprechend den Anforderungen an die Lehrer war das Interesse für zwei Workshops besonders groß: „Gesunder Rücken“ und „Stressabbau“.



[Bilder (2): Kyrosch Alidusti --- Der ehemalige Spitzensportler Dr. Harald Schmid leitete einen Workshop - links besieht er sich den Büchertisch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.]

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