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Milde Witterung lässt Kröten vorzeitig wandern: NABU bittet Verkehr um Vorsicht

ots; 17. Feb 2004, 06:22 Uhr
Oberberg Aktuell
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Milde Witterung lässt Kröten vorzeitig wandern: NABU bittet Verkehr um Vorsicht

ots; 17. Feb 2004, 06:22 Uhr
(ots/4.2.2004-13:30) Düsseldorf - Sturmtief "Queenie" hat ganz Deutschland mit mildem Vorfrühlingswetter überzogen.
Die Temperaturen reichen tagsüber fast an 20 Grad heran und selbst in den Nächten bleiben die Werte vielerorts zweistellig. Und die Natur reagiert darauf. In Gärten blühen Winterlinge, Winter-Jasmin und Zaubernuss, in der Feldflur öffnen die Haselsträucher und die gelben Kornellkirschen ihre Blüten. Die Amphibien können sich diesem Frühlingsaufbruch nicht entziehen, denn die milde Witterung hat die Tiere aus ihrer Winterstarre geweckt. Bereits um den 10. Januar herum waren in der Oberrheinebene Spring- und Grasfrösche unterwegs. Seit dem letzten Wochenende wandern nun auch in Nordrhein-Westfalen die ersten Erdkröten, Teichmolche und Grasfrösche.

Am Galgenberg nahe des aus dem Verkehrsfunk bekannten Kamener Kreuzes (Kreis Unna) wagten sich am Samstag die ersten beiden Erdkröten hervor. Einen Tag später sammelten die Helfer um Wolfgang Postler dort bereits 48 Erdkröten und 18 Teichmolche von der Straße. Am Montag schließlich fand im Münsterland (Rhede, Kreis Borken) Martin Steverding, vom örtlichen NABU, überfahrene Erdkröten. Auch am Niederrhein (Kreis Kleve) wurden erste Wanderaktivitäten von Erdkröte und Grasfrosch gemeldet. In den Regionen, aus denen bisher noch keine Wandermeldungen vorliegen, rechnen die Krötenexperten bei gleichbleibenden Temperaturen spätestens bis zum Wochenende mit dem Beginn der Amphibienwanderung.

Angesichts des sehr frühen Wanderbeginns ruft der NABU die Autofahrer auf, sich besonders auf die wandernden Tiere einzustellen und entsprechend vorsichtig zu fahren: An vielen Orten sind so früh im Jahr die Amphibienzäune noch nicht aufgestellt. Und schon bei einer Verkehrsdichte von 60 Fahrzeugen in der Stunde werden 90 Prozent der über die Strasse wandernden Frösche und Kröten überfahren. Neben dem direkten Tod durch Überfahren, sterben viele Tiere, obwohl sie nicht direkt vom Reifen überrollt werden. Professor Dietrich Hummel, Fachmann für Aerodynamik, hat herausgefunden, dass es der geschwindigkeitsabhängige Strömungsdruck der Autos auf die Fahrbahn ist, der die Amphibien tötet. An die Autofahrer appelliert der NABU daher, Tempo 30 möglichst nicht zu überschreiten, um den Druck gering zu halten und die Überlebenschance der wandernden Tiere zu erhöhen.

Seit vielen Jahren haben Naturschützer dem Amphibientod an unseren Straßen den Kampf angesagt. Jahr für Jahr sind Naturschutzgruppen aktiv, stellen Fangzäune auf, tragen Kröten über die Straße und legen Ersatzlaichgewässer an. Diese ehrenamtliche Arbeit ist auf zahlreiche Helferinnen und Helfer angewiesen. Der NABU bietet deshalb unter www.nabu.de/kroetenwanderung Sonderseiten zum bundesweiten Wandergeschehen an. Dort gibt es neben aktuellen Meldungen über besondere Ereignisse und seltene Arten auch eine bundesweite Datenbank, die über den Standort von Krötenzäunen und Aktionen informiert.

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