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Das längste Königsvogelschießen Oberbergs

om; 1. Aug 2000, 02:03 Uhr
Oberberg Aktuell
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Das längste Königsvogelschießen Oberbergs

om; 1. Aug 2000, 02:03 Uhr
(om/30.7.2000-2:05) Marienheide-Müllenbach - So lange hat das Ausschießen des neuen Königs noch nie gedauert - aber Axel Wirth schaffte es doch nach über fünf Stunden.
Über fünf Stunden dauerte es, bis die Müllenbacher einen neuen Schützenkönig feiern konnten - und der hatte noch nicht mal Zeit, sich einen Hofstaat zu suchen. Pünktlich um 15:30 Uhr hatte zwar das Schießen auf den Königsvogel begonnen und eine Schießgemeinschaft aus Rodt und zwei "einzelne" Börlinghausener hatten sich alle Mühe gegeben, doch der Vogel widerstand den Kugeln. Immer wieder unglaublich die Enttäuschung auf den Gesichrtern der Kameraden, wenn ein Schütze das aussichtsreiche Ziel vergeben hatte - und das geschah nicht selten.



[Bilder: Mengedoht --- Endlich gibt es einen König, schnell wird er vor der jubelnden Masse zur Krönung getragen]



Dabei waren wohl nicht immer die Schützen schuld: "Die Gewehre sind inzwischen so heiß, dass die Schützen vier bis fünf Zentimeter daneben zielen müssen, um zu treffen", erklärte Pressesprecher Wolfgang Gaudich den ausharrenden Journalisten. Der rechte Flügel war um 17:16 Uhr gefallen, geholt von Axel Wirth. Der holte auch wenig später den rechten Flügel, dann aber fielen zwar immer wieder größere Brocken des Vogels herab, er selbst aber wollte und wollte und wollte nicht fallen.



Und das ausgerechnet, wo doch der mit über 1.000 Mitgliedern größte Schützenverein Oberbergs gerade seine Festhalle in über 3.000 Arbeitsstunden und für über 90.000 Mark brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebracht hatte, "mal eben" zwei neue Treppenhäuser angebaute. "Nachwuchssorgen gibt es hier nicht", freute sich Gaudich.



[Bild: Grund zum Jubeln: Nach mehr als fünf Stunden haben die Müllenbacher einen neuen Schützenkönig]



Peng! wummerte der werweißwievielte Schuss durch das Tal - kein Grund für die seelenruhig weidenden Schafe, auch nur einmal gelangweilt aufzuschauen - und über den Festplatz, doch immer noch blieb um 20:22 Uhr ein letzter Splitter übrig, der nicht herunterfallen wollte. Mehr als 20 Minuten später gelang Axel Wirth aus Rodt mit dem 174. Schuss großkalibriger Munition endlich der entscheidende Treffer - die letzten Reste des "Vögleins" segelten herunter und Müllenbach konnte endlich seinen neuen Schützenkönig feiern.



Auf den Schultern wurde er getragen, ab ins Vereinshaus zur Krönung, ohne Pause, wie sonst üblich. Daher gab es auch noch keinen "offiziellen" Hofstaat, es war eben nach dem langen Warten keine Zeit mehr. Die mitscheßenden Kollegen der Schießgemeinschaft versammelten sich kurzerhand um den erfolgreichen Schützen und seine Gattin Miranda, denen Vorsitzender Udo Herrmann nun endlich die Insignien der Regentschaft überreichen konnte. Das scheidende, "tolle Königspaar" Günther und Waltraud Schoppmann wurde mit allen Ehren verabschiedet - auch der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Marienheide, der Musikverein "Hoffnung" Hünsborn, der MGV Müllenbach und die Tanmz- und Showbands "Die Bambis" und "Sound for you" sowie der Spielmannszug Eggenscheid hatten sich alle Mühe gegeben.



Besondere Mühe hatten sich die Müllenbacher auch wieder mit ihrem Festheft gegeben, das auf 146 Seiten alles Wissenswerte und Spannende zum Schützenfest in diesem Jahr, eine Nachlese zum letzten Fest und auch einen interessanten Rückblick auf das Fest vor 50 Jahren gibt. Die 1993 ins Leben gerufene T-Shirt-Kommission wartete mit einer Neuheit auf: Sie ist mit einer umfangreichen Homepage im Internet vertreten.



[Bild: Nach dem arg langen Königsvogelschießen bleibt dem König keine Zeit, einen Hofstaat auszusuchen - die "Mit-Schützen" nehmen an der Krönung teil]



Auf dem Festkommers am Tag zuvor hatte es zahlreiche Ehrungen gegeben. Den Rekord hält nach wie vor Willi Kaiser aus Danneberg mit 72 Jahren Mitgliedschaft, aber für 50 Jahre wurden Friedhelm Höller (Müllenbach), Richard Hoppe (Marienheide), Ernst Röttger (Bergneustadt) und Siegfried Schreiber (Lienkamp) geehrt. Ihren 40. feierten Manfred Brüning (Gummersbach), Karl-Friedrich Klüser und Manfred Renner (Marienheide), Klaus Müller und Klaus Schenk (Müllenbach) sowie Karl-Albert Wirth (Rodt).



Ferner wurden für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt:

Wolfgang Brüning, Peter Habermann, Bernd Hillig und Harald Viesteg (Müllenbach), Uwe Männing (Marienheide), Rüdiger Hennies und Hans Kiesler (Obernhagen), Harald Hochsattel (Dannenberg), Dieter Rimarzik (Rodt), Friedrich Vogt (Kotthausen), Ernst Wenzlau (Unnenberg) und Rolf Spindler (Gummersbach).