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HB-Verbandsliga: Michalke-Youngsters bändigen Janecks "Löwen" - Derschlag top

pl; 19. Dec 2003, 06:22 Uhr
Oberberg Aktuell
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HB-Verbandsliga: Michalke-Youngsters bändigen Janecks "Löwen" - Derschlag top

pl; 19. Dec 2003, 06:22 Uhr
(pl/7.12.2003-12:45 AKTUALISIERT 19:45) Oberberg – Zwei Favoriten-Stürze am Samstag in der Handball-Verbandsliga: Während der TV Rodt-Müllenbach beim Lokalrivalen in Waldbröl stolpert, verliert Siebengebirge zuhause gegen Rheinbach – Primus Derschlag nutzt heute mit Sieg gegen Stolberg die große Chance, sich abzusetzen.
[Bilder: Oliver Mengedoht --- CVJM-Kreisläufer Oliver Dax setzt sich hier gegen die Müllenbacher Routiniers Olaf Stübben (links) und Olaf Hardt (rechts) durch. Bitter: In der 41. Minute musste Dax mit einer Platzwunde am Kopf ausgewechselt werden]

Durch den souveränen 30:24-Sieg des TuS Derschlag heute Abend gegen den Neunten Stolberger SV hat sich die Fanger-Truppe mit zwei Punkten Vorsprung etwas Luft an der Tabellenspitze verschafft. Zweiter bleibt trotz der 26:29-Heimpleite die HSG Siebengebirge/Thomasberg mit nunmehr 12:4 Punkten. Müllenbach, überraschend in Waldbröl mit 27:30 unterlegen, liegt weiter als Dritter einen Zähler hinter Siebengebirge.

CVJM Waldbröl – TV Rodt-Müllenbach 30:27 (12:14).

[Müllenbachs Linksaußen Peter Voiss überwindet hier Waldbröls Keeper Martin Szepat.]

Es hat sich wieder einmal bewahrheitet: Lokalderbys haben eigene Gesetze. Ein bestes Beispiel hierfür sahen die rund 250 Zuschauer gestern in der Waldbröler Heidberghalle. Von der Tabellensituation, vom Kader und auch von den spielerischen Möglichkeiten her waren die Müllenbacher vor dem Derby klar favorisiert, aber am Ende jubelte der „Underdog“ aus dem Kreissüden – aus CVJM-Sicht glücklich, aber nicht unverdient, aus Gäste-Sicht alles andere als verständlich.

So haderten die Müllenbacher Spieler und Verantwortlichen nicht nur nach dem Abpfiff mit vielen Schiedsrichter-Entscheidungen der Oberwiehler Herren Marx und Marx, auch während der Partie gerieten die „Löwen“ nicht selten aus der Fassung, was sie am Ende wohl auch den möglichen Erfolg gekostet hat. Hätten sich die spielerisch besseren Gäste nämlich auf ihr Spiel konzentriert, hätten sie eventuell die Punkte auch nach Müllenbach gebracht. „Wir sind mit den mutwillig herbeigeführten Fehlentscheidungen der Schiedsrichter einfach nicht cool genug umgegangen“, so Müllenbachs Abteilungsleiter Karl Haarhaus, der seinen Spielern aber keineswegs einen Vorwurf machen will. „Bei diesen haarsträubenden Entscheidungen musste man ja förmlich aus der Haut gehen.“

[Erneut stark: CVJM-Spielmacher Rafael Laskowski.]

Auch Waldbröls Coach Karl-Heinz Michalke sah insgesamt die spielerischen Vorteile bei den Gäste, freute sich aber natürlich über den kämpferisch starken Auftritt seiner Schützlinge: „Wir haben gefightet bis zum Umfallen, die Zuschauer haben uns entsprechend angepeitscht und wurden letztendlich auch mit einem reinrassigen Derby belohnt.“

Zum Spiel: Nachdem die Hausherren einen guten Start erwischt hatten und mit 5:3 vorlegen konnten, fingen sich die Gäste, die übrigens ohne ihren verletzten Spielertrainer Helge Janeck (Muskelfaserriss) auf der Platte auskommen mussten, und wendeten beim 5:6 das Blatt. Zahlreiche vergebene Großchancen des CVJM ließen in der Folgezeit die nun Spiel bestimmenden Müllenbacher davon ziehen. Aus Gäste-Sicht über 10:6 (18.) und 13:9 lagen die „Löwen“ zur Pause noch mit zwei Treffern vorn.

[Jan-Hendrik van Münster traf vier Mal für die Löwen.]

Nach dem Seitenwechsel zunächst das gleiche Bild: bis zur 41. Minute (19:17 für Müllenbach) waren die Gäste am Drücker. Dann die aus Waldbröler Sicht Spiel entscheidende Situation, als Müllenbachs Christian Daase CVJM-Kreisläufer Oliver Dax unsanft von den Beinen holt, dabei die beiden unglücklich mit den Köpfen zusammenstoßen und Dax mit einer Platzwunde, die später mit vier Stichen genäht werden musste, das Feld verlassen musste.

„Da ging ein Ruck durch die Mannschaft und plötzlich war die Halle da“, freute sich später „Kalli“ Michalke. In Überzahl – „Ali“ Daase hatte für die Aktion eine Zeitstrafe aufgebrummt bekommen – machten die Waldbröler aus dem Zwei-Tore-Rückstand durch Treffer von Eike Eschmann, Rafael Laskowski und Patrick Seebaum ein 21:19. „Fortan standen wir fast nur noch in Unterzahl auf dem Feld“, ärgerte sich dagegen Müllenbachs Handball-Obmann Haarhaus. Zwar traf Jan-Hendrik van Münster nochmals zum 22:22-Ausgleich (50.) und Linksaußen Peter Voiss markierte den Anschluss zum 26:27 (57.) aus Gäste-Sicht, aber Waldbröls Hauke Gärtner, Eike Eschmann und Patrick Seebaum machten gegen die nun offene Manndeckung der numerisch unterlegenen Gäste den Sack zu.

[David Debus im "Anflug" auf Keeper Martin Szepat. Müllenbachs Coach Helge Janeck konnte gestern aufgrund eines Muskelfaserrisses nur Anweisungen geben.]

Der jubelnde Michalke abschließend zum Spiel: „Entscheidend war, dass wir in der hektischen Phase die Ruhe bewahrt haben. Der Sieg geht deshalb auch in Ordnung, auch wenn wir uns darüber im Klaren sein müssen, dass wir gegen Müllenbach mit einem Helge Janeck wohl kaum eine Chance gehabt hätten. Müllenbach ist letztendlich aber an sich selber gescheitert.“ Das sieht Karl Haarhaus ganz anders: „Auch mit Helge Janeck hätten wir gegen diese Schiedsrichter nicht gewinnen können.“

Sei’s drum, die Zuschauer sind auf ihre Kosten gekommen und hatten auf Waldbröler Seite einen starken Spielmacher Rafael Laskowski, einen mit sieben Treffern gut aufgelegten Patrick Seebaum und einen in Höchstform agierenden Keeper Christian Mertens (2. Halbzeit) gesehen. Bei den Gästen überzeugte vor allem Christian „Ali“ Daase, der aus dem linken Rückraum sieben Mal ins Schwarze getroffen hatte.

Tore Waldbröl: Patrick Seebaum (9/3), Rafael Laskowski (7/2), Oliver Dax (5/3), Hauke Gärtner (3), Eike Eschmann (2), Alexander Fuchs (1).

Tore Müllenbach: Christian Daase (7), Jan-Hendrik van Münster (4), Dennis Aust (4/1), David Debus (3), Peter Voiss, Tom Peters, Michael Fuchs (je 2).

[Dennis Aust bei einem seiner insgesamt vier Treffer .]

TuS Derschlag – Stolberger SV 30:24 (13:12).

Das Ergebnis täuscht etwas über den Spielverlauf hinweg, denn bis elf Minuten vor Schluss war noch lange nicht entschieden, wer die Halle als Sieger verlassen würde. 20:19 zeigte zu diesem Zeitpunkt Tafel an. Als die Fanger-Schützlinge sich dann aber die offene Stolberger Deckung zu nutze machten, war beim 27:21 nur sieben Minuten später die Kuh doch vom Eis.

Dabei hätten es die Hausherren, die bis auf Robert Fischer alle Mann an Bord hatten, gar nicht so spannend werden lassen müssen, denn nach der knappen Pausenführung erwischte der TuS einen guten Start in Halbzeit Zwei und legte schnell mit 16:12 vor. „Dann gönnten wir uns mal wieder eine Auszeit und ließen Stolberg unnötig nah heran kommen“, ärgerte sich Trainer Jochen Fanger. Insgesamt aber zeigte sich der kritische Coach zufrieden mit der Vorstellung seiner verletzungsbedingt doch arg angeschlagenen Mannschaft: „Sie hat gut gekämpft und rund 30 Minuten auch guten Handball gezeigt.“

["Kalli" Michalke (links) hatte nach dem Abpfiff natürlich allen Grund zur Freude.]

Neben den beiden Keepern Ralf Gießelmann (1. Halbzeit, 12/1 Paraden) und Thomas Heil (2. Halbzeit, 13/1 Paraden) verdienten sich noch Christian Deckarm mit sieben Treffern und Rechtsaußen Michael Häcke besonders gute Noten. Einen ordentlichen Part lieferte auch „Reservist“ Alexander Lüske sowohl im rechten Rückraum als auch in der zentralen Deckung bei seinem 40-Minuten-Einsatz ab.

Tore Derschlag: Christian Deckarm (7), Maik Thiele (6/3), Stefan Köser (5), Björn Kolbe, Michael Häcke, Norman Scholz (je 3), Michael Pausch (2), Alexander Lüske (1).

Ergebnisse und Tabelle Verbandsliga Männer

[Müllenbachs bester Angreifer, "Ali" Daase, nimmt Maß. Laskowski (23), Debus (3) und Dax (7) schauen gebannt zu.]

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