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Albowitz: "Kandidiere nicht pro forma, ich will Bürgermeisterin werden!"

om; 6. Nov 2003, 11:16 Uhr
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Albowitz: "Kandidiere nicht pro forma, ich will Bürgermeisterin werden!"

om; 6. Nov 2003, 11:16 Uhr
(om/14.10.2003-20:20) Von Oliver Mengedoht
Gummersbach - Ina Albowitz ist die Bürgermeister-Kandidatin der FDP für die Kommunalwahl im nächsten Jahr, wurde heute bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben.
[Bilder: Oliver Mengedoht --- Ina Albowitz will Bürgermeisterin von Gummersbach werden.]




"Die Menschen sind verwirrt und überdrüssig und wir als FDP sind mal wieder mit uns selbst beschäftigt - gerade in solchen Zeiten brauchen wir auf lokaler Ebene Persönlichkeiten mit Erfahrung und Durchsetzungsvermögen, in Ina Albowitz sehen wir eine solche Persönlichkeit, eine ideale Bürgermeisterin", kündigte heute Fraktionsvorsitzender Friedrich Busch die Kandidatur der Derschlagerin für das Bürgermeisteramt bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr an. Sie komme aus der freien Wirtschaft und der Politik und sei außerdem "Gummersbacherin mit Leib und Seele". Albowitz könne in guter Tradition von Dr. Hans-Georg Emde, Albrecht Menke und Dr. Hans-Jochen Kochheim stehen, die in den 60-er bis 90-er Jahren Stadtdirektoren in der oberbergischen Kreisstadt waren.




Viele Menschen hätten bei ihr direkt und bei den Liberalen nachgefragt, warum sie sich aus der Politik zurückgezogen habe und ob sie nicht doch noch einmal "ran wolle", erklärte Busch. Sie habe in der Tat von Februar an eine Auszeit genommen, gab Albowitz zu, die bei der letzten Bundestagswahl nicht mehr nach Berlin gewählt wurde. "Nach 30 Jahren in der Politik brauchte ich die Pause auch dringend, aber jetzt fühle ich mich wieder topfit." Das allein habe aber nicht den Ausschlag gegeben, dass sie es sich noch einmal überlegt habe. "Seit Ende März/Anfang April über die beiden anderen Bürgermeister-Kandidaten berichtet wurde, konnte ich keinen Schritt mehr tun, ohne angesprochen zu werden und mir gesagt wurde 'bei dem Angebot der beiden großen Parteien wird es Zeit, dass Sie noch einmal antreten'", erläuterte die Liberale.




"Ich trete nicht nur pro forma an oder aus Freude, ich will wirklich Bürgermeisterin dieser Stadt werden!"




Dabei machte sie deutlich, wie ernst es ihr ist: "Ich trete nicht nur pro forma an oder aus Freude, ich will wirklich Bürgermeisterin dieser Stadt werden!" Sie habe reiflich überlegt, mit ihrem Mann, der sie unterstützen will, ebenso wie die erwachsene Tochter, aber die Situation der Städte und Gemeinden sei so außergewöhnlich schwierig, dass sie sich zur Verfügung stelle, die endgültige Entscheidung fiel vor 14 Tagen im Urlaub. Auch in Gummersbach seien die Probleme vielfältig, "denken Sie an Gewerbegebiete, die Steinmüller-Geschichte, die Innenstadt, und auch in den Außenorten fühlen sich die Menschen vernachlässigt", bemerkte die geborene Weimarerin. "Wenn man vermeintlich in Rente ist, erzählen einem die Menschen mehr als wenn man im Amt ist."






[Die Derschlager "Power-Frau" mit ihrem Team J. werner Hannemann (v.l.n.r.), Dieter Busch und Margot Viebahn.]




Zuhören, sich kümmern und Probleme lösen wolle sie, dafür müsse man nicht immer Geld haben, "das geht auch mit Fantasie und davon mangelt es derzeit im Rathaus sehr. Ich denke auch nicht, dass ein Beamter Bürgermeister werden muss", ist Albowitz überzeugt. Dass kein Geld da ist, wüssten die Bürger, aber dass ihnen keiner zuhöre und sich bemühe, sei das schlimmste. "Ich will also im klassischen Sinne mehr Bürgernähe bieten. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass 1.500 € für die Sportlerehrung fehlen oder für Bäume am Lindenplatz, dann fehlen mir die Worte. Da muss man die Leute motivieren, sich zu engagieren, das Leben besteht nicht nur aus Geld." Ihr fielen eine ganze Menge ein, wo man auch ohne etwas bewegen könne. Jammern sei einfach, "dafür wird man aber nicht gewählt". Und zahlreiche Anträge der FDP, so Albowitz, schrieben sich heute CDU und SPD auf ihre Fahne.




"Eine Wahlperiode, aber die mit Power"




Der Mittelstand, klagte FDP-Vorstands- und Fraktionsmitglied Margot Viebahn, sei sträflich vernachlässigt worden in den letzten Jahren. "Bei Ina weiß ich, dass sie ein offenes Ohr für Handwerker, Einzelhandel und kleine Firmen hat und sich kümmert." Haushaltspolitische Schwierigkeiten seien ihr aus Berlin bestens bekannt, warb Ortsverbandsvorsitzender J. Werner Hannemann, und zudem könne Albowitz die nötigen Verbindungen nach außen schaffen. Die FDP sei in keinem besonders guten Zustand, der hoffentlich bald überwunden sei, so Albowitz, die gerade deswegen ihren Beitrag für die Liberalen leisten will. "Dass sie dem Ruf gefolgt ist, freut uns - ich glaube, viele Gummersbacher werden erleichtert sein, wenn sie das lesen", erklärte Busch.




Albowitz' Schlusswort: "Ich bin 60 - genug Zeit für eine Wahlperiode, aber die mit Power!"






Ausbildung, Beruf und Politik:





-geboren am 26. April 1943 in Weimar


-evangelisch-lutheranisch


-verheiratet, eine Tochter




-Volksschule, Fachschule, Höhere Bildungsansalt für Frauenberufe, Ausbildung zur Werbekauffrau


-seit 1968 leitende Mitarbeiterin in mittelständischen Unternehmen mit Personal- und Finanzverantwortung




-21 Jahre FDP-Kreisvorsitzende


-13 Jahre Mitglied des Stadtrates Gummersbach


-10 Jahre Fraktionsvorsitzende


-5 Jahre Vize-Bürgermeisterin


-5 Jahre Kreistagsmitglied und Vize-Landrätin




-1990 bis 1998 und 2000 bis 2003 Mitglied des Bundestages


-6 Jahre Parlamentarische Geschäftsführerin der FDP-Bundestagsfraktion mit Zuständigkeit für Personal und Finanzen


-4 Jahre Vorsitzende des Personalausschusses der (rund 3.000) Mitarbeiter aller Bundestagsabgeordneten


-8 Jahre Mitglied im Haushaltsausschuss, im Ältestenrat und Kulturpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion


Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung