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Tourismus als Chance gerade in schlechten Zeiten - Wertvolle Erkenntnisse

om; 14. May 2003, 08:40 Uhr
Oberberg Aktuell
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Tourismus als Chance gerade in schlechten Zeiten - Wertvolle Erkenntnisse

om; 14. May 2003, 08:40 Uhr
(om/13.5.2003-22:30) Von Oliver Mengedoht
Oberberg - Das Marketing besser positionieren und organisieren sowie regionale "Produkte" wie Wasser und Talsperren sowie Industrie- und Heimatgeschichte herausstellen - das waren die zentralen Erkenntnisse eines Tourismus-Workshops in der Malteser-Akademie.

[Bilder: Mengedoht --- Zahlreiche Experten trafen sich in der Malteser-Kommende auf Schloss Ehreshoven und holten einige konkrete Ergebnisse heraus.]



"Tourismus im Oberbergischen Land: Zukunftschancen - Neue Wege!" lautete das Thema des Workshops, zu dem der Oberbergische Kreis mit seinem Touristik-Verband Oberbergisches Land (TVO) und die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Köln, Zweigstelle Oberberg in die Malteser Kommende, Engelskirchen eingeladen hatten. "Die Akzeptanz, sich als Tourismusgebiet zu verstehen, muss gesteigert werden", fasste IHK-Leiter Rainer Lessenich ein Ergebnis der ganztägigen Veranstaltung zusammen. "Es gibt Kommunen, die sehen sich nicht so, und Gaststätten, die sich auch stärker einbringen könnten." Nur wenn das gelinge, gebe es eine Chance, die Marke "Bergisches Land" wirklich zu vermarkten.



Rund 70 Experten – darunter Professorin Monika Echtermeyer von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, Vertreter einiger Wirtschaftsverbände, zahlreiche Gastronomen der Region, engagierte Bürger sowie Politiker aus dem Kreis und den Städten und Gemeinden hatten den ganzen Tag unter Moderation durch den WDR-Journalisten Mark vom Hofe diskutiert. Was sind die touristischen Potenziale des Oberbergeischen Landes? Sind hier alle Chancen schon genutzt? Welche Strategien sind für die Zukunft notwendig, um trotz knapper öffentlicher Kassen ein eigenes Profil zu entwickeln und sich gegenüber der starken Konkurrenz etwa des Sauerlandes im NRW-Tourismus zu behaupten? – das waren die Kernfragen, für die Antworten in drei Arbeitsgruppen gesucht wurden.





[IHK-Leiter Rainer Lessenich (r.) formulierte die Konzentration auf zwei Themen als Fazit und Nümbrechts Bürgermeister Hombach (2.v.l.) leitete den Arbeitskreis zur Vernetzung bestehender Angebote.]



Zwei Stärken kristallierten sich für die Region heraus, wie Lessenich herausstellte. Industrie- und Heimatgeschichte einerseits sowie Wasser in all seinen Facetten, angefangen bei den Talsperren als "rote Linien" des Wassers ("hier gibt es den dichtesten Besatz einer Region mit Stauseen") durch den gesamten Kreis bis hin zu Wassermühlen. Damit könne man auch den Brückenschlag der mangelhaften Nord-Süd-Verbindung und das fehlende Wir-Gefühl erzeugen und entwickeln, führte Lessenich aus. Das seien allerdings mittel- bis langfristige Ziele, dämpfte er vorschnelle Erwartungen. Autor Harry Böseke aus Marienheide pflichtete bei: "Das sind erste Impulse, ein ganz zartes Pflänzchen."



"Der Oberbergische Kreis war heute offen und hat seine Nachbarn eingeladen", erklärte der IHK-Experte. Das sei angesichts des Scherbenhaufens der Bergisch-Land Touristik GmbH (BLT) auch nötig. Man müsse in die Zukunft sehen - die Neugründung der BLT als Verein ist in vollem Gange - und für eine Zusammenarbeit müsse man auch für die Nachbarn offen sein. Tatsächlich, so Landrat Hans-Leo Kausemann, seien Gespräche über Kooperationen bereits mit den Naturparks Bergisches Land, Kottenforst-Ville und Siebengebirge im Gange, ein Treffen für den Herbst in Petersberg vereinbart.



Der Landrat, dem das Thema Tourismus als Wirtschaftsförderer am Herzen liegt, verwies auch auf "50 plus", dem Ziel Oberberg für Senioren als Wanderer, für Familien mit Kindern, für Radfahrer und für "Tagen im Grünen", für die die Region hervorragend geeignet sei. "Jeder, der in der Region wohnt, sollte sich angesprochen fühlen", betonte Elisabeth Nieder, Leiterin der Hochsauerland-Touristik. Nun, forderte die Expertin, müssten die Hausaufgaben erledigt und offene Foren in jeder Gemeinde gegründet werden, dann erst könne man entwickeln und ein stärkeres Regionalbewusstsein schaffen. "Nicht den roten Faden verlieren, kreativ bleiben und nicht etwas anderes kopieren", riet sie. Wenn alle anderen an Streifen denken, solle Oberberg nur an Karos denken. "Wir werden das dokumentieren und eine kritische Ergebniskontrolle machen", versprach Kausemann.



Kultur und Landschaft erlebbar machen – zu diesem Ziel stehen ganz konkrete Maßnahmen auf der Aufgabenliste, die es jetzt abzuarbeiten gilt, fand der erste Arbeitskreis heraus. Frank Herhaus von der Biologischen Station Oberberg und Ursula Jandel, Landwirtschaftskammer Rheinland, diskutierten in diesem Arbeitskreis, welche Möglichkeiten seitens der Landwirtschaft bereits jetzt angeboten werden (Ferien auf dem Bauernhof, Reiterhöfe, Erlebnistage in der Landwirtschaft für Kinder und Eltern) und was weiter entwickelt werden kann: Wandern von Hof zu Hof mit Unterkunft, Angebote wie die Käsestraße oder andere Themenwanderwege.





[Experten (v.l.n.r.): Elisabeth Nieder von der Hochsauerland-Touristik, Autor Böseke, BSO-Leiter Herhaus und Hotelier Wirth.]



Speziell der Vernetzung bestehender Angebote widmete sich eine Arbeitsteam unter der Moderation von Nümbrechts Bürgermeister Bernd Hombach. Hierzu lieferte der Marienheider Hotelier Axel Wirth eine kritische Analyse des noch zu zersplitterten Engagements in Politik und bei den Gastronomen. Starke Hoffnungen werden in den Touristik-Verband Oberbergisches Land und in den geplanten Verein „Bergisches Land Tourismus Marketing“ gesetzt, die sich nach der Expertenmeinung nicht nur die Vermarktung nach Außen, sondern auch ein Werben für mehr Engagement bei allen Beteiligten zur Aufgabe machen müssen. Eine Stabilisierung und mittelfristige Stärkung der organisatorischen Strukturen erschienen den Teilnehmern des Workshops unerlässlich.



Ganz konkret lernen wollte man am Beispiel der Vermarktung des Rothaarsteiges. Die Entwicklungen hier und insbesondere die eindrücklichen Vermarktungserfolge, die von Elisabeth Nieder, Leiterin der Hochsauerland-Touristik dargestellt wurden, machten den Initiatoren des Projekts "Straße der Arbeit" um Harry Böseke Mut, ihre Idee weiter zu konkretisieren.



Sowohl Echtermeyer wie Moderator vom Hofe appellierten an die Tagungsteilnehmer, vorrangig die Region Bergisches Land insgesamt im Blick zu haben und die Chancen, die der Naturpark Bergisches Land als in ganz Deutschland eingeführter Markenname eröffnet, zu nutzen. "Wir brauchen zukunftsweisende Strategien, aber natürlich auch engagierte Umsetzer", Landrat Kausemann. Er lud die 13 Städte und Gemeinden wie auch alle Gastronomen und Touristik-Anbieter ein, gemeinsam mit dem Kreis die vorhandenen Chancen zu nutzen. "Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor mit hoher und weiter steigender Bedeutung für Oberberg. Gerade in Zeiten schwachen Konjunktur und knapper öffentlicher Kassen müssen wir gemeinsam alle Chancen nutzen."