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"Halbe Wahrheiten" als leicht verdauliche Kost

vma; 25. Sep 2002, 22:48 Uhr
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"Halbe Wahrheiten" als leicht verdauliche Kost

vma; 25. Sep 2002, 22:48 Uhr
(vma/25.9.2002-22:45) Wiehl – Das Vier-Personen- Stück von Alan Ayckborn in einer Inszenierung des Schau-Spiel-Studios Oberberg wird erstmals am 27. September in der Aula der Grundschule Wiehl zu sehen sein.

[Bilder: Schau-Spiel-Studio Oberberg --- Halbe Wahrheiten - ein Vier-Personen-Stück mit: Inga Niedtfeld (von links), Lutz Uhle, Gabi Bülter und Felix Steinberg.]



Alan Ayckbourn hat bislang an die 60 Stücke geschrieben, die meisten davon wurden in seiner eigenen Regie in Scarborough uraufgeführt, in zahlreiche Sprachen übersetzt und nachgespielt. Als Theaterpraktiker schreibt Ayckbourn Stücke von hoher dramaturgischer, oft auch moralischer Qualität, die übrigens immer auch voller "fun" sind, denn auf Spaß verzichtet Ayckbourn nie. So auch in dem Stück, mit der er 1967 seinen Durchbruch als Dramatiker hatte: "Halbe Wahrheiten" (Relatively Speaking).

[Viele Missverständnisse und Verwechslungen lassen das Stück von Alan Ayckbourn zu einer tempo- und geistreichen Komödie werden.]



Vier Personen - zwei Paare. Das eine Paar - Ginny und Greg - jung, frisch verliebt und noch nicht verheiratet, das andere - Sheila und Philip - seit Jahren im Stand der Ehe befindlich und von der Zweisamkeit etwas gelangweilt. Ginny will ihre Eltern, die sie schon lange nicht mehr gesehen hat, besuchen. Sagt sie wenigstens. Greg hat gewisse Zweifel, dass dieser Besuch auch tatsächlich ihren Eltern gilt. Schließlich gibt es da Blumenbuketts und luxuriöse Bonbonnieren, die nicht von ihm stammen, geheimnisvolle Telefonanrufe, und - um das Maß der Verdachtsmomente voll zu machen - ein Paar Hausschuhe unter dem Bett, die nicht ihm gehören. Auf vorsichtig tastende Anspielungen und Fragen Gregs reagiert sie nicht. Und die Adresse, die er auf einer Zigarettenschachtel notiert findet, sei die ihrer Eltern, behauptet Ginny.





Szenenwechsel: Das zweite Paar, Sheila und Philip, sitzt beim Frühstück. Als treusorgende Gattin schlägt Sheila Philip vor, den schönen Tag für eine Golfpartie zu nutzen, und Philip, auch er ganz liebevoller Ehemann, erinnert seine Frau daran, dass es Zeit für den Kirchgang sei. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die beiden einander gern aus dem Haus haben möchten. Dies kann natürlich nicht gelingen. Kurz darauf taucht Greg auf, der der Ansicht ist, unter dieser Anschrift Ginnys Eltern anzutreffen, die er um die Hand ihrer Tochter bitten will. Da Sheila und Philip keine Tochter haben und Greg sich nicht besonders genau auszudrücken versteht, nehmen die Missverständnisse und Verwechslungen ihren Lauf.





Philip hält Greg für den Liebhaber seiner Frau; eigentlich hatte er ja geglaubt, dieser Liebhaber sei Sheilas Erfindung, zum Leben erweckt, um ihn eifersüchtig zu machen. Nun kann er an dessen Existenz kaum mehr Zweifel haben. Als Ginny auch noch auf der Bildfläche erscheint, um ihren ehemaligen Liebhaber Philip, der ihr immer noch Blumen und Bonbonnieren schickt, vom Ende ihrer Beziehung zu überzeugen, beginnt für die Beteiligten, die sich in dieser Situation nur mehr "halbe Wahrheiten" leisten können, eine schwierige Gratwanderung.





Eine temporeiche und sehr geistvolle Komödie, die einen höchst amüsanten und anspielungsreichen Abend verspricht und den Zuschauer nicht ohne Nachdenklichkeit zurücklassen wird. Seine Theaterlaufbahn begann Alan Ayckbourn als Inspizient, Schauspieler und Regisseur am Library Theatre in Scarborough (England). Er wurde am 12. April 1939 in London geboren und begann 1958 Stücke zu schreiben an. Von 1964 bis 1970 arbeitete er als Hörspiel-Regisseur für die BBC. 1970 übernahm er die künstlerische Gesamtleitung des Stephen-Joseph-Theatres in Scarborough. Charakteristisch für Ayckbourns Werk ist die Tendenz zur komischen Überzeichnung und zum Farcenhaften. In seinen späteren Schaffensjahren setzte er sich verstärkt mit ernsthafteren Themen auseinander und schuf damit eine einzigartige Verbindung von Witz - oft auch schwarzem Humor - mit sozialkritischen Elementen.





Nach der Tragödie "Antigone" nun leicht verdauliche Kost im Schau-Spiel-Studio Oberberg. "Halbe Wahrheiten" wird gespielt von Inga Niedtfeld, Gabi Bülter, Felix Steinberg und Lutz Uhle unter der Regie von Michael Labs. Die Premiere findet am Freitag, 27. September 2002, um 20 Uhr in der Aula der Grundschule Wiehl, Warthstraße 1, 51674 Wiehl, statt. Veranstalter für diese Vorstellung und die Aufführungen am Samstag, 28. September, und Sonntag, 29. September, ist der Kulturkreis Wiehl. Weitere Vorstellungen finden Mittwoch, 2. Oktober 2002, Freitag, 4. Oktober, Samstag, 5. Oktober, Sonntag, 6. Oktober, und Mittwoch, 9. Oktober 2002, jeweils um 20 Uhr statt. Kartenvorverkauf: Wiehl-Ticket im Rathaus, Bahnhofstraße 1, 51674 Wiehl, Tel.: (0 22 62) 99 2 85, Fax: (0 22 62) 99 1 85.