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Interview mit Sead Hasanefendic: "VfL schon in diesem Jahr unter den Top Ten"

sl; 6. Sep 2002, 13:41 Uhr
Oberberg Aktuell
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Interview mit Sead Hasanefendic: "VfL schon in diesem Jahr unter den Top Ten"

sl; 6. Sep 2002, 13:41 Uhr
(sl/6.9.2002-13:30) Von Simone Liebelt
Gummersbach – Sead Hasanefendic, Trainer des VfL Gummersbach, stand Oberberg-Aktuell kurz vor dem Saison-Auftakt der Handball-Bundesliga Rede und Antwort.
[Bilder: Oliver Mengedoht --- VfL-Trainer Sead Hasanefendic zeigt sich mit der Saisonvorbereitung mehr als zufrieden.]

Frage: "Herr Hasanefendic, sind Sie mit der Saisonvorbereitung zufrieden?"

Hasanefendic: "Ich bin sehr zufrieden. Um ehrlich zu sein, es läuft sogar mehr oder weniger so, wie ich es mir gedacht habe. Aber natürlich gibt es immer wieder etwas, das wir verändern können. Es war nicht immer einfach, mit dieser Mannschaft zu trainieren, da die Spieler viele Sachen zum ersten Mal gesehen haben."

Frage: "Die beiden letzten Testspiele hat der VfL gewonnen. Hat dies der Mannschaft Auftrieb gegeben?"

Hasanefendic: "Die Spieler haben unheimlich viel Selbstvertrauen getankt und werden sicherer. Über die gesamte Vorbereitungszeit gesehen, kann ich sagen, dass wir von Tag zu Tag immer besser werden."

Frage: "Wo sehen Sie Stärken des VfL Gummersbach?"

Hasanefendic: "Wir haben viele individuelle Qualitäten. Da wären erfahrene Spieler wie Oliver Plohmann, Maik Handschke und Jan Stankiewicz, Welthandballer wie Kyung-Shin Yoon, Klassespieler wie Andreas Rastner sowie schnelle Spieler wie Alexander Bommes und Jordi Fernandez."

Frage: "Und wie sieht es mit den Schwächen aus?"

Hasanefendic: "Natürlich haben wir auch Schwächen. Verschiedene Sachen können eigentlich immer verbessert werden. Wir müssen noch an den läuferischen Qualitäten, an unserem System und dem Umschalten von Angriff auf Abwehr und umgekehrt arbeiten. Diese Defizite können wir aber nur durch Arbeit und Zeit beseitigen."

Frage: "In der ersten Zeit gibt es in einigen Vereinen Probleme mit der Integration der neuverpflichteten Spielern. Wie ist es beim VfL Gummersbach?"

Hasanefendic: "Wir haben immerhin fünf neue Spieler in der Mannschaft. Eine Integration ins Mannschaftsgefüge geht nicht von heute auf morgen. Wir müssen einfach Geduld haben. Untereinander verstehen sich die Spieler sehr gut, allerdings läuft es auf dem Spielfeld noch nicht rund. Da tauchen immer wieder Verständigungsprobleme auf."

["Ich glaube, die Mannschaft kann es schaffen, bereits in dieser Saison zu den Top Ten der Liga zu gehören."]

Frage: "Mit Ivan Lapcevic hat der VfL bekanntlich einen dritten Nicht-EU-Spieler verpflichtet. Was passiert jetzt mit Hyung-Ho Choi?"

Hasanefendic: "Er ist ein sehr, sehr guter Spieler. Er trainiert mit der Mannschaft und zeigt dabei seine Qualitäten. Da fällt es mir schwer, auf ihn zu verzichten, aber Yoon und Lapcevic haben den Vorteil. Choi wird weiterhin mit der Mannschaft zusammen trainieren. Was weiter passiert, wird sich mit der Zeit zeigen."

Frage: "Was möchten Sie in dieser Saison mit der Mannschaft erreichen?"

Hasanefendic: "Zunächst einmal möchte ich sagen, dass wir in jeder Saison einen Schritt vorwärts gehen, ein positives Klima und Stabilität schaffen müssen. Nur wenn wir gute Resultate erzielen und Erfolge feiern können, sind Sponsoren und Zuschauer zufrieden.

Hauptziel ist eigentlich, die eigene Position zu verbessern, und das heißt, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Ich glaube, dass die Mannschaft es schaffen kann, sich schon in dieser Saison unter den ersten zehn Teams zu platzieren."

Frage: "Um dieses Ziel zu erreichen, braucht eine Mannschaft auch ein entsprechendes Umfeld. Wie beurteilen Sie das des VfL Gummersbach?"

Hasanefendic: "Im letzten Jahr wurde hier viel getan. Als es um den Abstieg ging, hat das Management eine Drehung gemacht. Alles wird immer professioneller, auch wenn es noch nicht ganz perfekt ist. Aber ich finde es fantastisch, was hier innerhalb kürzester Zeit passiert ist und geleistet wurde. Wir als Mannschaft wollen dem Verein und dem Management helfen, den VfL weiterhin auf dem richtigen Weg, wie er eingeschlagen worden ist, zu halten."

[Sead Hasanefendic hilft immer da, wo Menschen etwas erreichen wollen. Deshalb ist er nach Gummersbach gekommen.]

Frage: "In der vergangenen Saison hat der VfL erstmals in der Kölnarena gespielt und gleich einen Zuschauer-Weltrekord aufgestellt. Auch in der kommenden werden wieder mehrere Spiele in Europas größter Veranstaltungshalle ausgetragen werden. Wie sehen Sie das?"

Hasanefendic: "Die Spiele der Kölnarena gehören mit zu dem neuen Weg des VfL. Wenn wir dort gute Resultate bringen, ist das mehr als nur Werbung für den Verein. Dies hat sicherlich auch finanzielle Auswirkungen. Hinzu kommt noch, dass die Kölnarena ein tolles Ambiente für ein Handballspiel ist. Dies hat mich auch gereizt, nach Gummersbach zu kommen.

Aber für einen Spieler ist es das Maximum, vor so einem Publikum zu spielen. Es geht dann nicht um das Gehalt oder den Vertrag, sondern darum, seine ganzen Qualitäten einer großen Öffentlichkeit zeigen. In dieser Saison werden die Leute kommen, weil in der Mannschaft etwas passiert. Und deshalb müssen Resultate her. Gegen Eisenach haben wir die Chance zum ersten Sieg in der Arena. Und diese werden wir auch nutzen."

Frage: "Sie sprachen eben von dem Ambiente, das Sie gereizt hätte. Welche Gründe sprachen noch dafür, nach Gummersbach zu kommen?"

Hasanefendic: "Vor dem VfL habe ich den spanischen Verein 'Grandollers' trainiert. Und dieser Verein ist ähnlich wie der VfL 'gestrickt', jedenfalls von der Geschichte her. Ich konnte junge Spieler fördern und den Wert meiner Arbeit sehen. Und außerdem hatten wir unsere Erfolge. Aber die Zuschauerzahlen haben am Ende nicht mehr gestimmt.

Als Trainer helfe ich immer gerne da, wo andere Menschen etwas erreichen wollen. Und das ist hier in Gummersbach der Fall. Der Verein will wieder dahin zurück, wo er in der Vergangenheit war, nämlich nach ganz oben. Der VfL hat jetzt diese Chance und sollte sie auch nicht verpassen.

Für mich ist es eine große Aufgabe und eine Herausforderung. Ich brauche einfach den Adrenalin-Kick. Ich will für meine Erfolge hart arbeiten. Wenn ich etwas leicht erreichen kann, macht mir die Arbeit keinen Spaß."

Frage: "Herr Hasanefendic, wo sehen Sie den VfL Gummersbach in fünf Jahren?"

Hasanefendic: "In fünf Jahren? Das ist zu viel. In drei Jahren ist der Verein da, wo jetzt Flensburg, Lemgo und Essen sind. In dieser Saison müssen wir uns konsolidieren, dann oben mitspielen. In drei Jahren sind wir dann oben und könnten sogar im Pokalfinale stehen. Wir wollen wieder an die Spitze des Deutschen Handballs. Zuhause dürfen wir keinen einzigen Punkt abgeben und auswärts so gut wie gar nicht verlieren. Das Endziel sollte aber sein, die beste Mannschaft Deutschlands zu werden, oder vielleicht sogar ein bisschen mehr."

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