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"Spider Murphy Gang" war mehr als nur ein würdiger Vertreter für die "Freiheit"

sl; 20. Jul 2002, 17:55 Uhr
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"Spider Murphy Gang" war mehr als nur ein würdiger Vertreter für die "Freiheit"

sl; 20. Jul 2002, 17:55 Uhr
(sl/20.7.2002-17:15) Von Simone Liebelt
Gummersbach - Gestern Abend ging auf dem Gummersbacher Lindenplatz die Post ab: Erst heizte die "Live Performance Band" den Zuschauern so richtig ein, für das Rock'n'Roll-Feeling sorgte dann die bekannte "Spider Murphy Gang".

[Bilder: Oliver Mengedoht --- Sagte kurzfristig zu: die Münchner Kultband "Spider Murphy Gang".]



Weitere Bilder von "Spider Murphy Gang" und "Life Performance Band" hier!

[Tausende waren nach Gummersbach gekommen, um die "Gang" zu hören.]



Eigentlich wollten die zahlreichen Besucher des dritten Open-Airs der Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt und Aggerstrom die "Münchner Freiheit" sehen, doch statt dessen standen die Rock'n'Roll-"Oldies" der "Spider Murphy Gang" auf der Bühne. Am Mittwochmittag begannen die etwas anderen letzten Vorbereitungen für die Party des Jahres mit einer Hiobsbotschaft: Organisatorin Heike Reeck-Knips erhielt von einer Fangruppe der "Freiheit" ein Fax, in dem sie gefragt wurde, ob das Konzert in Gummersbach wirklich abgesagt würde.



"Freiheit"-Leadsänger mit Lungenentzündung im Krankenhaus



Zwei Minuten später rief eine Mitarbeiterin der Agentur Spiegel an. Auch sie musste Reeck-Knips eine schlechte Nachricht machen. Nachdem der Leadsänger der Band, Stefan Zaunder, nach einer verschleppten Erkältung mit über 40 Grad Fieber und Verdacht auf Lungenentzündung in ein Krankenhaus eingeliefert worden war, konnte die "Freiheit" nicht kommen. Mehrere Konzerte wurden abgesagt. Reeck-Knips und ihr Mitorganisator Thomas Michel aus den Reihen von Aggerstrom hatten ein Problem. Keine Band, nur eine Vorgruppe, aber das Konzert sollte steigen. Also musste die Agentur für Ersatz sorgen. Nur knapp 25 Minuten nach der Absage war eine Band gefunden und unter Vertrag genommen: Die Spider Murphy Gang.

[Klein, aber oho: Der Spider-Sänger Günther ist "nur" 1,60 Meter groß.]



Aus dem Urlaub nach Gummersbach



Da die Band aber gestern Urlaub hatte und eigentlich erst heute wieder live on Stage sein sollten, waren die sechs Jungs in ganz Deutschland verstreut. Zum Teil sind sie mit dem Auto nach Gummersbach gekommen. "Mit dem Tourbus wäre einfach noch stressiger geworden", erzählt Günther Sigl. Nun, da die beiden Organisatoren Ersatz gefunden hatten, wartete noch viel Arbeit: Der Radiospot musste neu produziert werden, die Presse informiert werden und Plakate gedruckt werden. "Wir haben die letzten zwei Tage vor dem Konzert eigentlich durchgearbeitet", erzählt Reeck-Knips.



Aber die Arbeit sollte sich lohnen. Rund 10.000 Musikfreunde fanden den Weg auf den Gummersbacher Lindenplatz. Das waren etwa 2.000 mehr als im letzten Jahr, und da sorgte Costa Cordalis bei der größten Party des Jahres für gute Stimmung. Und gestern taten dies die "Live Performance Band" und die "Spider Murphy Gang".

[Frontman Barny Murphy in seinem Element.]



Die Wipperfürther Band um die Sänger Patricia Trautmann und Michael Hirsch heizten dem Publikum ab 18:30 Uhr so richtig ein. Gespielt wurden Songs aus der aktuellen Hitliste, aber auch andere bekannte Songs aus Rock und Pop, aber auch einige Schlagerstücke standen auf dem Programm. Ihr Repertoire reichte von Robbie Williams über Santana bis hin zu Bon Jovi. Für jeden Geschmack war das Richtige dabei. Und die Stimmung war eigentlich schon auf dem Höhepunkt, als Moderator Tobby Ortmann die "Kultband" "Spider Murphy Gang" ankündigte.



Bayrischer Rock'n'Roll im Oberbergischen



Mit "Wir sind eine bayrische Band" eröffneten die Müncher das Programm. Zu hören gab es Rock'n'Roll wie bei Chuck Berry, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: Die Gang singt bayrisch. Auch wenn die Besucher bei den Texten nicht ganz mitkamen, so wurde der Sound zum Tanzen genutzt. Überall sah man klatschende Hände und tanzende Fans. Mit dabei waren neben den Älteren, die bei Songs wie "Immer auf die Kleinen", "Ich grüße alle und den Rest der Welt" oder "Muss wieder auf die Straße" ihren Erinnerungen nach hingen, auch jüngere Generationen. Auch sie kannten so manchen Hit der Gang und feierten eine tolle Party.

[Günther Sigl kann auf mehr als 30 Jahre auf der Bühne zurück schauen.]



Apropos junge Generation. Zu diesem Thema wusste Günther eine nette Geschichte zu erzählen: "Am Donnerstag war mein Sohn in irgendeiner Münchner Discothek unterwegs. Ich habe von ihm eine SMS bekommen, in der er mir mitteilte, dass der DJ gerade 'Skandal' aufgelegt hatte. Da war ich schon irgendwie platt und wusste nicht, was ich sagen sollte."



"Skandal im Sperrbezirk" wurde zum Skandal



Keiner hätte erwartet, dass der "Skandal im Sperrbezirk" selbst zum Skandal werden würde. Aber dem war so. Der Radiosender "Bayern 3" hatte den Song über Rosi auf seinem Index stehen. Die Gang durfte ihn nicht mehr spielen. "Das ist eigentlich komisch, wir durften 'Skandal' nicht singen, obwohl wir das Thema nur umschrieben haben", erinnert sich Frontman Barny Murphy an das Jahr 1982. Aber die Musiker von heute würden klar und deutlich von Sex sprechen. In Gummersbach wurde der Song aber nicht zum Skandal, sondern mit viel Beifall und lauten Mitsingen der tausenden Besucher gefeiert. Ein echtes Highlight an diesem Abend.



Eigentlich wollte die Band nach gut 45 Minuten eine Pause einlegen. Also fragte Günther: "Wollt ihr Pause" - "Nein", schrie das Publikum. "Sollen wir weiter machen?" - "Jaaaaaaaaa!!!!" Und so machte die Band munter weiter und musste am Ende noch Zugaben geben. Begeistert feierten die 10.000 die "Spiders", die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern können. Trotz dieser langen Zeit sind die Sechs nicht müde geworden, auch wenn nur noch Günther und Barny als Gründungsmitglieder übrig geblieben sind. Mehr als 60 Konzerte geben sie noch im Jahr. Allerdings eher auf Stadtfesten als in großen Hallen. "Deshalb haben wir auch zugesagt und sind hier hin gekommen", so Günther. Und das hat sich gelohnt. Am Ende des Konzertes waren alle zufrieden: die Organisatoren, die Band und auch die Zuschauer, die nalch dem Spider-Konzert weiter auf ihre Kosten kamen. Denn die "Live Performance Band" zeigte nochmals ihr Können. Die Agentur Spiegel war so von der Wipperfürther Band begeistert, dass sie sie gleich unter Vertrag nahm.



"Münchner Freiheit" nächsten Jahr in Gummersbach?



Dass es auch im nächsten Jahr wieder ein Open-Air von Sparkasse und Aggerstrom gibt, steht bereits jetzt wieder fest. Am 1. August soll die Party steigen. Vielleicht werden dann auch die oberbergischen "Freiheit"-Fans, nach dem die Band in diesem Jahr nicht kommen konnten, für ihr Warten belohnt. "Wir haben die Jungs der 'Freiheit' schon mal reserviert", verriet Reeck-Knips. Ob sie aber wirklich kommen, werde sich im nächsten Jahr entscheiden. Auch eine Vorgruppe hat die Organisatorin bereits gefunden. "Aber wer es ist, wird noch nicht verraten."

[Die Gang hatte bei ihrem Auftritt viel Spaß und ließ sich am Ende vom Publikum feiern.]



"Die letzten Tage waren echt Stress pur", meinte Michel am Ende des Tages erschöpft, aber zufrieden. Und das können die beiden wirklich sein. Dank der schnellen Zusage der Gang konnte das Konzert gerettet werden. "Gestern Abend haben mir noch Besucher erzählt, sie würden immer zu jedem Open-Air kommen, egal welcher Musiker auftritt, weil sie einfach wüssten, dass eine super Band kommt", erzählt Reeck-Knips. Ein Beweis für die gute Organisation und dafür, dass das Open-Air im dritten Jahr bereits zu einer Tradition in Gummersbach und im Oberbergischen geworden ist.



Die Band:



Die "Spider Murphy Gang" war, ist und bleibt eine Live-Band. Das hat sie gestern wieder einmal unter Beweis gestellt. Sie hat eine Power-Show gezeigt, und das nach 25 gemeinsamen Jahren auf der Bühne. Einige von den sechs Mitgliedern können mehr als 30 Jahre Bühnenefahrung vorweisen. Günther und Barny waren sogar vor der "Gang-Zeit" gemeinsam unterwegs.



1978 hat die Band angefangen. Gespielt wurde aber zunächst nur in Münchner Clubs, Discotheken und auf Stadtfesten. Aber auch in Ami-Kneipen. "Wir wollten damals einfach aus dieser Ami-Szene raus", erinnert sich Günther nach dem Konzert an die Anfänge. 1980 spielten sie in Stuttgart vor nur drei Besuchern. Aber sie haben sich nicht unterkriegen lassen. Vielleicht kam ihnen die "Neue Deutsche Welle" zur Hilfe. Sie hat die Band zu einer Kultband gemacht, ihr den Status verliehen, den sie heute hat. Mit "Skandal im Sperrbezirk" haben sie sich in diese Musikwelle gesungen. Barny: "1982 haben wir sogar einen Bambi bekommen, als beste Interpreten der neuen deutschen Welle."

[10.000 Menschen hatten sich auf dem Lindenplatz versammelt, um gemeinsam zu feiern.]



Danach folgte eine eher stressige Zeit. "Wir hatten mehr Fototermine als Konzerte in unserem Terminkalender stehen", sagt Günther. Jede Woche seien sie in der "BRAVO" gewesen. Im gleichen Jahr spielten sie aber auch in der Dortmunder Westfalenhalle vor rund 15.000 Fans. Da machten "Status Quo" und "ZZ Top", die am Vortag gespielt hatten, große Augen. Wer hatte schon von einer bayrischen Band, die Rock'n'Roll spielte und dazu auf Bayrisch sang, so einen Erfolg erwartet. Ein Techniker erinnert sich: "Die Mitglieder von 'Status Quo' und 'ZZ Top' haben nur die Köpfe geschüttelt und gefragt: 'Who the fuck ist spider murphy gang?' Das war schon ein tolles Erlebnis." Barny machte den Grund für das Bayrische deutlich: "Wenn ihr einen Song schreibt, aber bei jedem zweiten Wort ins Wörterbuch gucken müsst, das ist doch Käse. Außerdem hat der Dialekt eine schöne Punktierung. Zusammen mit dem Rock'n'Roll swingt das einfach klasse."

["Gummersbacher, ihr seid spitze!!!"]



DDR-Tour bis heute ein Mysterium



Ebenfalls ein tolles Erlebnis dürfte für die Band ihre Tour durch die ehemalige DDR gewesen sein. "Wir waren die erste Rock-Band, die dort eine Tour gemacht hat", freut sich Barny heute noch. Die Tour, die 1983 stattfand, sei für alle bis heute ein Mysterium geblieben. Gespielt wurde nur vor ausgesuchten Gästen. Aber vor den Hallen und Theatern hätten wesentlich mehr Fans gestanden. Bei einem Konzert wurden nur knapp 800 Karten verkauft. Die Nachfrage habe aber bei 40.000 gelegen, meint Barny. Auch Autogramme seien heiß begehrt gewesen. Aber eines hat ihnen die Tour auch deutlich gemacht: Die "Neue Deutsche Welle" und die Musik an sich kennen keine Grenzen, schon gar nicht deutsch-deutsche Grenzen.

[Die "Liver Performance Band" heizte dem Publikum vor dem Konzert der Gang richtig ein.]



Im November dieses Jahres gibt die "Spider Murphy Gang" ein Jubiläumskonzert mit Freunden. Zu denen gehören im Übrigen auch die Jungs der "Münchner Freiheit". Wer aber mit von der Partie sein wird, wollte Günther nicht verraten. Außerdem tritt die Band im "Circus Krone" auf. Schon lange gab es nicht mehr eine Single oder eine LP, aber das Warten hat ein Ende. Im August kommt die Single "Frauen wollen immer nur das eine" auf den Markt. Auch die selbst produzierte LP "Radiohitz" lässt nicht mehr lange auf sich warten.

[Standen den oberbergischen Journalisten Rede und Antwort: Die Gründungsmitglieder Barny Murphy (links) und Günther Sigl.]

[Dass es im nächsten Jahr wieder ein Open-Air gibt, mussten der Geschäftsführer von Aggerstrom (links) und Jürgen Flasdieck, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt (hier im Gespräch mit Moderator Tobby Ortmann) dem Publikum versprechen.]

[Sind seit rund zehn Jahren Mitglieder der Gang: Keyboarder Ludwig Seuss und Drummer Paul Dax.]

[Unter den Besuchern herrschte eine super Stimmung.]

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[Begeisterten das Publikum: Michael Hirsch und Patricia Trautmann von der "Live Performance Band".]

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[Hatten vor dem Konzert noch mehr Arbeit als sonst: die Organisatoren Thomas Michel (Aggerstrom) und Heike Reeck-Knips (Sparkasse).]

["Erst" seit 1992 bei den "Spiders": Drummer Paul Dax.]

[Seit 30 Jahren auf der Bühne und noch kein bisschen müde: Günther Sigl.]

[Machte auch nach der Murphy Gang Stimmung: die Wipperfürther Vorgruppe.]

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[Mit viel Power, aber auch Gefühl ging Sänger Michael Hirsch ans Werk.]

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