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Hülsenbusch - die Zukunftsmacher

bv; 30. Jul 2018, 08:00 Uhr
Bilder: Bernd Vorländer, privat --- Anette Gelfarth und Bernd Baßfeld freuen sich, dass die Eigenkapitalsumme fast erreicht ist.
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Hülsenbusch - die Zukunftsmacher

bv; 30. Jul 2018, 08:00 Uhr
Gummersbach – Mit dem Ärztehaus, dessen Spatenstich noch in diesem Jahr erfolgen soll, setzt man in Gummersbachs Westen im Genossenschaftsprinzip einen weiteren Baustein der Dorfgestaltung um.
Von Bernd Vorländer

Rückblick: Bernd Baßfeld hatte es sich vor rund sechs Jahren auf einer Bank an der Hülsenbuscher Kirche bequem gemacht. Er fand das Ensemble um den alten Ortskern so ansprechend, dass er begonnen hatte, die Häuser und den Otto-Gebühr-Platz zu zeichnen. Dazu muss man wissen: Baßfeld stammt aus einer Region, über die der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch einmal sagte: „Der Niederrheiner braucht ja eigentlich nur sich, mehr muss dat gar nicht sein, weil de so viel mit sich selbst zu tun hat, von morgens bis abends.“ Aber Baßfeld brauchte mehr als sich selbst, schließlich wollte er den Wurzeln seiner Frau, die aus dem Oberbergischen stammt, folgen und sich in der Region ansiedeln. Während der Mann aus Dinslaken in seine Federstriche versunken war, näherte sich ihm plötzlich ein Mann aus der nahe liegenden Gastwirtschaft, fragte neugierig, was er denn da so treibe und stellte ihm ein frisch gezapftes Bier auf die Bank. „Da wusste ich, hier kannst du bleiben“, sagt Baßfeld heute.

Der Erwerb von Eigentum war für den Projektentwickler dann nur noch Formsache – wie für so viele, die sich in den vergangenen Jahren im Kirchdorf im Gummersbacher Westen angesiedelt haben. Aber Hülsenbusch ist ein Flecken mit einer besonderen Motivation. Hier und in den Tälern und Dörfern drumherum ist man so etwas wie eine gallische Region moderner Prägung. Etwas verschlafen war man vor einem Jahrzehnt, mit Sparkasse, Kindergarten, Schule und Bäcker ausgestattet, aber nicht mit dem Esprit, den das Dorf heute umgibt. Es war ein Kellerfest, das den ersten Motivationsschub verursachte. Viele Privatleute öffneten ihre Keller – von diesem Zeitpunkt an ging Hülsenbusch durch die Decke. Ein Erlebniswald wurde gestaltet und 2014 übernahm eine Genossenschaft vieler Hülsenbuscher die örtliche Kneipe, die vor der Schließung stand, weil sich kein Nachfolger fand. Heute zapfen und bedienen dort „Genossen“ an fünf Tagen in der Woche, die ansonsten mit der Gastronomie nie etwas am Hut hatten. Aber es funktioniert, weil die Hülsenbuscher ins Gelingen verliebt sind.



„Das war die Initialzündung. Als wir gesehen haben, dass die Gastwirtschaft funktioniert, sind wir immer selbstbewusster und mutiger geworden“, sagt der 2. Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Dirk Panske. Die Bürger waren wie elektrisiert von dem Schub, den ihr Dorf nahm. Vorsitzende Heike Brand führt den Erfolg auch auf das niedrigschwellige Angebot zurück. Statt in mühsamer Vereinsarbeit engagierten sich viele in zahlreichen Projekten der Dorfgemeinschaft. Es folgte die Einrichtung eines Wochenmarktes und der Umbau des alten Rathauses zu altersgerechten Wohneinheiten. Neuestes Ziel ist ein Ärztehaus in Hülsenbusch. Schließlich wolle man nicht das Schicksal vieler anderer Dörfer nehmen, in denen Ärzte und Pflegemöglichkeiten immer mehr Mangelware würden. „Wir alle wollen hier alt werden. Dann muss man auch bereit sein, die Basis hierfür zu schaffen“, sagt Dirk Panske und weist auf die besondere Verantwortung für die Region hin.  

Ein Grundstück an der Schwarzenberger Straße war rasch gefunden und Architekt Bernd Baßfeld brachte in Windeseile erste Entwürfe aufs Papier. Mit einem hausärztlichen Internisten, einem Kinderarzt, einer Logopädie-Praxis und einer Tagespflege-Einrichtung waren in kurzer Zeit Mieter gefunden, die langfristig ihr Engagement in Hülsenbusch planten. Hinzu kommen noch zwei Eigentumswohnungen in dem Gebäude. Blieb noch die Finanzierung. Das Genossenschaftsprinzip hatte sich ja schon beim Erhalt der Kneipe bewährt – und es trug auch jetzt die Bemühungen der Dorfgemeinschaft. Seit dem Start vor wenigen Monaten hat man bereits 85 Prozent der erforderlichen Eigenkapitalsumme von 400.000 € zusammen bekommen, den Rest der Bausumme finanzieren die Banken. „Für die nächsten Schritte wäre es von Vorteil, wenn wir das erforderliche Eigenkapital schwarz auf weiß nachweisen können“, sagt Ärztehaus-Vorstand Anette Gelfarth. Sie ist im Übrigen ein Beispiel für „gelebte Integration“ in Hülsenbusch, denn das Dorf ist erst seit kurzer Zeit ihr neues Zuhause. „Aber die Menschen hier sind viel offener, als in meiner Heimat am Tegernsee“, bekennt sie.



So können Interessenten auf der Homepage der Dorfgemeinschaft der Ärztehaus-Genossenschaft beitreten und werden wohl noch dieses Jahr den Spatenstich für das Projekt erleben. Ende 2019 soll das Ärztehaus fertiggestellt sein und der Betrieb aufgenommen werden. Bis dahin erwartet man in Hülsenbusch auch gespannt auf die Ergebnisse des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. Natürlich wäre eine Auszeichnung auch eine Bestätigung der dörflichen Zukunftsarbeit. „Aber das ist für uns nicht entscheidend. Wir wollen Hülsenbusch weiterentwickeln, ohne dass das Dorf seinen Charakter verliert“, meint Dirk Panske.

Und was macht Bernd Baßfeld. Der zeichnet schon wieder und sagt mit einem Lächeln: „Es gäbe hier schon noch einige Projekte, die man angehen könnte.“