Bilder: Laura Oberbüscher.
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Viele kleine Hände für große Aufgaben
Reichshof Gemeinsam mit dem Naturschutzbund (NABU) Oberberg pflanzte die Kinderfeuerwehr Eckenhagen-Hespert Erlen im Halstenbachtal bei Wiehl - Außerdem werteten die Kinder Aufnahmen einer Wildkamera aus und bestimmten die Gewässergüte des angrenzenden Baches.
Von Laura OberbüscherMauswiesel bekommen immer dann Kinder, wenn viele Mäuse in der Gegend sind. Denn nur dann hat der Nachwuchs genug zu essen, erklärte die neunjährige Karoline stolz, als sie gemeinsam mit ihrer Gruppe dicht gedrängt um den Laptopbildschirm von Christine Meyer-Cords stand. Meyer-Cords ist Vorstandsmitglied des NABU Oberberg und hat im Vorfeld der gestrigen Aktion über drei Nächte eine Wildkamera im Halstenbachtal angebracht - gestern Nachmittag wurden mit den 15 Mädchen und Jungen der Kinderfeuerwehr Eckenhagen-Hespert die Bilder ausgewertet: Als erstes war ein Steinmarder zu sehen, der, wie Meyer-Cords erläuterte, neben dem Mauswiesel und dem Hermelin im Oberbergischen heimisch ist. Auf den folgenden Bildern versuchten die Kinder, möglichst schnell weitere Wildtiere ausfindig zu machen. Als plötzlich ein Fuchs frech in die Linse lugte, wurden alle Augen groß.
[Die Kinder pflanzten insgesamt 15 Erlen.]
Die Kinderfeuerwehr Eckenhagen-Hespert zählt insgesamt 20 Mitglieder, alle im Alter zwischen sechs und zehn Jahren. Wir können mit den Kindern noch keine richtige Feuerwehrarbeit machen, weil die Gerätschaften natürlich viel zu schwer sind, erklärte Stefan Kleinjung von der Feuerwehr. Deswegen wird neben Brandschutz-Erziehung und dem Üben vom Verhalten im Brandfall bei der Kinderfeuerwehr auch immer wieder spielerisch Bewusstsein für wichtige Themen geschaffen. Eines davon ist der Naturschutz.
Die Feuerwehr kommt zwar bei Gewässerverschmutzungen, Wildunfällen und Gefahren durch beschädigte Bäume zum Einsatz - aber Profis in Sachen Natur sind wir nicht, gestand Kleinjung. Deswegen wurde für die gestrige Aktion der NABU Oberberg mit ins Boot geholt. Dietmar Hartmann vom NABU hat die Veranstaltung mit initiiert und freute sich über das große Interesse der Kinder: Man sagt 'nur das, was ich kenne, kann ich schützen' - und ich finde, dass man gar nicht früh genug anfangen kann, die Natur kennenzulernen. Es ist toll, wie die Kinder hier mitmachen.
Eine von drei Stationen des Nachmittags war das Flussbett des Halstenbaches. Die Kinder sollten unter Steinen nach Kleintieren suchen, anhand derer sie die Wasserqualität bestimmen können. Im Eifer des Gefechts bleibt gelegentlich der ein oder andere im Schlamm stecken aber zum Glück waren auch ein paar starke Kollegen von der richtigen Feuerwehr dabei, um jeden noch so tief im Flussbett versunkenen Fuß samt Gummistiefel wieder rauszuziehen. Ein paar durchnässte Socken später war dann klar: Der Dreiecksstrudelwurm und die Köcherfliegenlarven zeigen, dass die Wasserqualität zwischen 'gut' und 'sehr gut' liegt, wie Michael Gerhard vom NABU erklärte.
Neben allem Spaß hatte die ganze Aktion aber auch ein ernstzunehmendes Ziel: das Halstenbachtal ökologisch aufzuwerten. Seit den 70er oder 80er Jahren liegt die Fläche am Bachtal brach, erklärt Gerhard. Dadurch haben sich über die Jahre invasive Pflanzenarten aus fremden Ländern ausgebreitet, deren Saatgut sich durch den weltweiten Handel unbemerkt verbreitet. So wird die Vegetation im Halstenbachtal bei Wiehl mittlerweile vom Drüsigen Springkraut aus Indien und dem Schlitzblättrigen Sonnenhut aus Nordamerika beherrscht, statt der eigentlich im Oberbergischen heimischen Schlüsselblume.
Um der Schlüsselblume nun wieder das Gedeihen zu ermöglichen, sollen im Halstenbachtal mehr und mehr Erlen gepflanzt werden. Die sind zwischen Winter und Frühling so lange kahl, dass die Schlüsselblume, die zur Gattung der Frühblüher gehört, genug Licht bekommt. Wenn aber die Blütezeit des Springkrauts und des Sonnenhuts kommt, lässt die Belaubung der Erlen kaum mehr Sonnenlicht durch und das Unkraut kann sich nicht mehr so gut verbreiten. Den ersten Schritt Richtung Ziel haben die Jungen und Mädchen der Kinderfeuerwehr Eckenhagen-Hespert gestern schon gemacht: Jeder von ihnen hat seinen oder ihren eigenen Baum gepflanzt und das Halstenbachtal ist um 15 Erlen reicher geworden.