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Projekt gegen Ausbildungsabbrüche erfolgreich gestartet
(om/19.4.2002-2:45) Oberberg - Ein Modellprojekt gegen Ausbildungsabbrüche haben jetzt das Arbeitsamt und der Caritasverband in unserem Kreis gestartet.
[Bilder: Mengedoht --- Ausbildungsabbrüchen präventiv entgegenwirken soll das neue Projekt, berichteten Ute Ackerschott (v.l.n.r.), Jürgen Massute und Peter Rothausen.]
Fast 20 Prozent aller Ausbildungen würden abgebrochen, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung in Untersuchungen herausgefunden - eine außerbetriebliche Ausbildung kostet dann pro Jahr 11.000 Euro, erläuterte heute Morgen der Direktor des Arbeitsamtes Bergisch Gladbach, Jürgen Massute, bei einer Pressekonferenz im Berufskolleg Gummersbach. Allein in Oberberg handele es sich um fast 900 von rund 4.800 Ausbildungsverhältnissen pro Jahr.
Um diese Zahl zu reduzieren, wurde im Landesarbeitsamt Nord der "Spielplan - Fit für die Ausbildung" entwickelt und im Juni 2000 erstmals in Bergisch Gladbach, jetzt auch in Oberberg durchgeführt. 30.000 Euro kann das Arbeitsamt in diesem Jahr für die Maßnahme der Caritas zur Verfügung stellen, die das Projekt durchführt. "Wenn also nur drei Ausbildungsverhältnisse dadurch gerettet würden, hätte sich das schon gelohnt - das rechnet sich auf jeden Fall", ist Massute überzeugt. Ideal fände er es, wenn jeder Schulabgänger so einen Kurs mitmachen könnte, doch dafür reicht das Geld leider nicht aus. Bislang sind beide Berufskollegs und die Hauptschulen Nümbrecht und Radevormwald an der Aktion beteiligt, die Gesamtschule Waldbröl soll bald folgen.
[Projektleiterin Goldschmidt (v.l.n.r.) mit Natalia, Sina und Annika.]
Der "Spielplan" sei ein modulares Konzept, mit dem Jugendliche vor Schulabschluss oder zu Beginn ihrer Ausbildung auf den Rollenwechsel vom Schüler zum Azubi und die völlig anderen Bedingungen vorbereitet werden sollen, erklärte die Diplom-Pädagogin und Caritas-Projektleiterin Gabriele Goldschmidt. Hauptsächlich geht es in den zweitägigen Seminaren um "soziale Kompetenzen", gelernt wird spielerisch mit Rollenspielen. Ganzheitliches Erleben in der Gruppe und "Mitspielen und handeln statt konsumieren und zuhören" gehören dabei zu den erfolgreich angewandten Methoden.
"Wie benehme ich mich, wenn ich in einen Betrieb komme, wie rede ich mit dem Meister?" seien einige der Fragen, die im ersten Modul geklärt würden, berichtete Peter Rothausen, Geschäftsführer des aritasverbandes Oberberg. Und die Leiterin der Gummersbacher Geschäftsstelle des Arbeitsamtes, Ute Ackerschott, ergänzte, dass "man mehr Verständnis für sein Gegenüber bekommt, wenn man mal die Rollen tauscht. Ihr seid ja auch alle mal in die Rolle des Arbeitgebers geschlüpft und habt gesehen, dass der andere Anforderungen an Euch hat als Ihr selber", erinnerte sie Natalia Wolf, Sina Beckers und Annika Peemüller, die als Teilnehmer an dem "Spielplan"-Seminar vom Berufskolleg ihre Erfahrungen berichteten.
Die Auswahl der Module - Themen sind "Wie eine Ausbildung mein Leben verändert?", "Umgang mit Frustration", "Erwartungen und Anforderungen", "Eigene Stärken und Schwächen" oder "Teamfähigkeit" - erfolgt in Absprache mit den Lehrern der Klassen, so Goldschmidt. "Bei Köchen zum Beispiel, wo es oft schnell und laut zugeht, der Ton ruppig ist, empfiehlt sich das Stress-Modul, bei Schulabgängern das Ausbildungs-Modul." Anlässe für einen Ausbildungsabbruch, bedauerte Arbeitsamtsdirektor Massute. "Da kam ein Lehrling drei Mal zu spät und wurde vom Meister angebrüllt, da hat er gesagt 'da geh ich nicht mehr hin' und hat die Ausbildung abgebrochen", schilderte er ein haarsträubendes Beispiel.
[Caritas-Abteilungsleiter Joachim Knorn (l.) und der Abteilungsleiter für Gesundheitsberufe beim Berufskolleg, Heinz Ernst.]
Etwa 400.000 Euro habe die Entwicklung des Konzeptes gekostet, berichtete Massute weiter. Sieben Thater- und Sozialpädagogen sowie Pädagogen hätten es nach zahlreichen Befragungen mit allen Seiten entwickelt. "Die Klasse hat viel besser zusammengefunden, vorher hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht", so Sina über ihre Erfahrungen in dem Seminar. "Jetzt redet jeder mit jedem", ergänzte Natalia. Am Anfang seien sie sich zwar etwas "wie im Kindergarten" vorgekommen wegen der Spiele, "aber es hat doch viel gebracht". Annika gefiel auch, dass keiner zu etwas gezwungen wurde, alles freiwillig war.
Bis zu den Sommerferien ist das Projekt bereits ausgebucht, interessierte Schulen können sich wenden an den
Caritasverband für den Oberbergischen Kreis e.V.
Gabriele Goldschmidt
Halstenbachstraße 3b
51645 Gummersbach
Tel.: 02261/7 26 70
Fax: 02261/ 96 95 69
e-mail: gabriele.goldschmidt@caritas-oberberg.de