Bilder: Vera Marzinski.
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2Flügel auf Weltjahresbestzeit-Reise
Bergneustadt Die Wortakrobatin Christina Brudereck und der Flügelvirtuose Benjamin Seipel habend vor ausverkauftem Haus in Wiedenest ihr Weihnachtsprogramm Weltjahresbestzeit präsentiert.
Von Vera MarzinskiVor dem vierten Advent beschert die evangelische Kirchengemeinde Wiedenest immer eine besondere Veranstaltung. Es ist eine besondere Zeit, die Wochen vor Weihnachten: Eine Saison, die Hektik mit sich bringt und Andacht, Stress und Feste. Doch dieser Abend im Advent war einer zum Genießen, Zuhören und Zurücklehnen. Mit zwei Persönlichkeiten, die Musik und Sprache lieben und das Weihnachtsfest.
[Zusammen sind sie stark: Christina Brudereck...]
Das Duo 2Flügel hat in den vergangenen Jahren im wahrsten Sinne des Wortes für viel Aufsehen gesorgt. Und zwar mit wunderbarer Musik und Texten, die berühren, nicht nur mit ihrem Weihnachtsprogramm. Die Theologin, Autorin und Erzählerin Christina Brudereck und der Musiker und Musikpädagoge Dr. Benjamin Seipel, der als Pianist und Dozent an der Hochschule für Musik in Köln lehrt, bringen vielseitig Musik und Wort zusammen. Auch bei Wo auch immer mit Lieblingsliedern und geschichten (am 22. Januar in der evangelischen Kirche Derschlag zu erleben). Hier begegnet das Publikum Persönlichkeiten, die Zeichen setzen für Gerechtigkeit und Gütekraft. Um die ging es aber auch stellenweise im Weihnachtsprogramm.
Adventlich-weihnachtliche Musik, traditionell und modern, Lieder von Lichtern und Engeln, Geschichten aus Südafrika, Bethlehem und der Villa Kunterbunt. Die alle zeigten, wie und wo die Liebe ihr Bestes gibt. So entführte eine der Erzählungen das Publikum des Abends nach Südafrika - zur Weihnachtszeit versteht sich. Deutschland und Vanillekipferl vermissend fand sich Brudereck im jüdischen Viertel einer Großstadt wieder. Der Apfel-Karamell-Duft, der aus einem Café nach außen strömte, lud zum Verweilen ein, und dann feierte sie sogar Hanukkah, das jüdische Lichterfest, mit. Und Jacob, ein alter Jude, der das Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebte, bemerkte weise: "Das Wunder ist, dass es immer noch Liebe in dieser Welt gibt."
Oder die Geschichte des Fotografen, der statt einem Stern in Israel zwei Menschen findet: das arabische Mädchen Tara, was übersetzt Stern heißt, und die jüdische Soldatin Ester, was ebenfalls Stern bedeutet beide durch Mauern getrennt. Aber dennoch sei eine Verbindung da.
[... und Benjamin Seipel.]
Ein Gedicht über eine "Knubbelsternschnuppe" sorgte für viele Lacher. Und wie hätte wohl Pippi Langstrumpf Weihnachten gefeiert? Ein spät aufgetauchtes Schriftstück aus dem Fundus der Autorin Astrid Lindgren lieferte die Antwort: Sie verbringt das Christfest in der Gesellschaft von vier armen Waisen. Und das Resümee: "Wunder gibt es doch. Gott ist ein Kind und hat manchmal rote Zöpfe."
Dann ging es noch um das Schenken. Das ursprünglichste daran sei, dem anderen eine Freude zu machen. So beschenkten 2Flügel die Gäste im evangelischen Gemeindehaus mit einem Abend voll anrührender und lustiger Texte, mit viel Musik von einem Pianisten, der die weihnachtlichen Lieder auf besondere Weise verband und wiedergab - mit viel Spielfreude und Improvisation. Ein wahrhaftiger Weltjahresbestzeit-Abend.
