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Kunstausstellung zur "Würde des Menschen" mit Bömches und Schwarz

vma; 18. Feb 2002, 00:59 Uhr
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Kunstausstellung zur "Würde des Menschen" mit Bömches und Schwarz

vma; 18. Feb 2002, 00:59 Uhr
(vma/18.2.2002-0:50) Von Vera Marzinski
Gummersbach-
Dieringhausen – Die Veranstaltungsreihe der evangelischen Kirchengemeinde Dieringhausen zum Thema "Die Würde des Menschen..." begann am Sonntag Abend mit der Vernissage zur Kunstausstellung mit Bildern von Friedrich von Bömches und Fotografien von Gisela Schwarz.

[Bilder: Vera Marzinski --- Gisela Schwarz (v.l.), Pianistin Carmen Daniela und Pfarrer

Hermann Bednarek anlässlich der Eröffnung der Veranstaltungsreihe "Art. 1 - Die Würde des Menschen...".]




Vor über einem halben Jahr hat die Leitbildgruppe der evangelischen Kirche das Thema aufgegriffen und zu einem spannenden Programm entwickelt. Dazu zählen Veranstaltungen wie eine Infoveranstaltung zum Thema Heilfasten am 20. Februar im Gemeindehaus Niederseßmar, "Kinder brauchen Grenzen – Eltern setzen Grenzen", einem Vortragsabend mit Familien- und Erziehungsberater Jan Uwe Rogge am 22. Februar, aber auch ein Performance-Konzert mit dem Ensemble "Sonnenwind" am 9. März um 18 Uhr. Ein Teil der Veranstaltungsreihe ist auch die Kunstausstellung in der evangelischen Kirche, die noch bis zum 23. März zu sehen ist.

["Einer werfe den ersten Stein" von Friedrich von Boemches, der zur Vernissage nicht selbst anwesend sein konnte.]



Die Würde des Menschen sei beliebig geworden, so Pfarrer Hermann Bednarek in seiner Ansprache. Doch die Würde des Menschen sei unteilbar mit ihm verbunden. So wie auf von Bömches Bild "Einer werfe den ersten Stein" - bei dem man gedanklich schon den Stein fliegen höre - solle nicht angeprangert, sondern Wege aufgezeigt werden. Jesus habe den Gewaltkreislauf dieser Szene durchbrochen. Die Spirale von Gewalt könne nur dadurch durchbrochen werden, wenn wir "Nein" sagen zur Gewalt.



Die Würde des Menschen in Artikel eins des Grundgesetzes und der ethische Ansatz dazu im Artikel zwei seien ein hoher Anspruch an den Einzelnen, erklärte Gisela Schwarz in der Einführung zur Ausstellung. Dies bedinge eine ständige Auseinandersetzung mit dem anderen, dem Nächsten und dem Fremden. Zudem verlange dies Toleranz und Akzeptanz – wünschenswert sei das tiefe Verstehen, das tiefe Kennenlernen des Anderen, des Fremden.



Auch der Wiehler Künstler Friedrich von Bömches sei so ein Anderer, der mit seinen Bildern die Augen für das Wesentliche im Leben öffnen könne, so Schwarz. Der im rumänischen Kronstadt geborene von Bömches siedelte 1978 in die Bundesrepublik über und fand in Wiehl eine neue Heimat. Sein Lebenswerk sei bestimmt von der intensiven Auseinandersetzung mit dem Leben, dem Tod, der Verarbeitung der schrecklichen Erlebnisse in Krieg und Lager. Seine expressionistischen Bilder zeigen Menschen wie sie leiden, wie sie leben – als biblische Gestalten, als Menschen aus dem Alltag, weiß Gisela Schwarz.

[Lebensbilder - die Fotos von Gisela Schwarz.]



Bewusst stellte die Journalistin und Fotografin ihr Projekt "Lebensbilder" zu den Exponaten von von Bömches. Die Fotografien zeigen Sonnenblumen in einem bestimmten Stadium ihres Daseins: Die äußere Erscheinungsform zeigt vertrocknete Blütenblätter hängende Blätter, dürre Stämme. Die Farben gehen bereits eine Synthese mit dem rissigen, trockenen Boden ein. Manche der Sonnenblumen wirken sogar wie menschenartige Gestalten. Gisela Schwarz erklärt, dass diese Fotografien Lebensbilder seien – als Symbole für den Urwillen zum Leben, dem Willen zum Dasein. Und so schließt sie mit "Das Leben ist nicht nur Vergnügen, es fordert zum Nachdenken, immer wieder zu neuem Bewusstsein gegenüber sich selbst und dem oder den anderen".

[Die von Boemches Exponate "Flirt" und "Trinker" betrachtere Pfarrer Hermann Bednarek unter dem Aspekt "Wie gehe ich mit der Würde des Menschen um".]



Nicht nur die Szenen der Bilder und Fotografien stimmten nachdenklich, auch die Musik der Pianistin Carmen Daniela. Mit Georg Friedrich Händels "Chaconne" und "Passacaglia" sowie Eric Saties "Gnossiene" fand sie die passenden Stücke und Stimmungen zu den Exponaten und zum Nachdenken über Lebenssituationen und die Würde des Menschen.

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