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VfL Gummersbach: 24:24 - Dümmer geht es wirklich nicht - Quo vadis Thomas Happe?
(pl/5.12.2001-23:45) Von Peter Lenz
Gummersbach Unglaublich, aber wahr: Wieder einmal in letzter Sekunde hat der VfL Gummersbach gegen einen schwachen VfL Bad Schwartau den Sieg regelrecht verschenkt.
[Bilder: Oliver Mengedoht --- Die entscheidende Situation in den letzten Sekunden: Schwartaus Teddy Nordling (grünes Leibchen) kam als zusätzlicher Feldspieler und markierte prompt den glücklichen Ausgleich der Gäste.]
Nach den beiden Niederlagen gegen Kiel und in Großwallstadt folgte heute in der Eugen-Haas-Sporthalle die nächste Schlappe: Gegen die ohne sechs (!) Stammspieler angereisten Lübecker übertraf sich die Mannschaft von Trainer Thomas Happe einmal mehr selbst. Nach einer Sieben-Tore-Führung (!) in der zweiten Halbzeit geschah das Unfassbare: Gummersbach ließ sich den Schneid abkaufen und machte den ebenfalls in Abstiegsnöten steckenden Schwartauern mit dem Remis ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.
[Jubel bei den "Matchwinnern" Goran Stojanovic und Peter Möller nach dem glücklichen Remis.]
Wie geht es nun weiter, Herr Happe? Eine Frage, auf die der Trainer auch keine rechte Antwort parat hat: Ich weiß wirklich nicht, was ich den Jungs noch alles sagen soll. Sie machen immer wieder die gleichen Fehler. Das klingt ja fast schon wie ein Offenbarungseid ...
Die Gummersbacher scheinen einfach nicht aus ihren Fehlern zu lernen. Auch heute wieder übertrafen sich die Hausherren vor rund 800 Zuschauern in den letzten Minuten des Spiels im Auslassen guter Chancen, produzierten gleich reihenweise individuelle Fehler und luden so die ebenfalls schwachen Gäste zu leichten Toren ein. Da gilt auch nicht die Entschuldigung, dass der VfL mit Umberto Brajkovic, Maik Handschke und Stefan Hecker auf drei Spieler verzichten musste und Francois-Xavier Houlet noch angeschlagen war. Immerhin traf es Bad Schwartaus Trainer Anders Fältnäs noch härter ihm fehlten sechs wichtige Akteure.
[Fassungslosigkeit auf Gummersbachs Verletztenbank.]
VfL Gummersbach SG VfL Bad Schwartau 24:24 (13:9).
Bezeichnend beim VfL Gummersbach war auch heute wieder, dass von den Außen und der Halblinken Position recht wenig kam, teilweise sogar gar nichts. OK, Rechtsaußen Sead Kurtagic machte bis Mitte der zweiten Halbzeit ein gutes Spiel und erzielte vier schöne Tore, aber gerade er war es auch, der mit zwei gravierenden Fehlern die Wende zugunsten der Gäste einleitete, als er aus dem Rückraum (!) überhastet abschloss und dann sich noch einen dummen Abspielfehler leistete. Es wäre aber nicht fair, den völlig unnötigen Punktverlust an dem jungen Rechtsaußen festzumachen.
[Zweimal Totalausfall: Tobias Schröder (linkes Bild) und Hyun-Ho Choi (rechts).]
So kam von der linken VfL-Seite an diesem trostlosen Abend überhaupt nichts. Linksaußen Hyun-Ho Choi war einmal mehr ein absoluter Totalsausfall - zumindest im Angriff - , und Tobias Schröder auf Halblinks ebenfalls. Auch die Auswechselung der beiden brachte reichlich wenig: Marco Beers kam nach 33 Minuten für Schröder in den Angriff und erzielte bei drei Fahrkarten gerade mal ein Tor, ebenso Linksaußen Alexander Bommes (40. für Choi).
Dennoch, der VfL ging trotz der Strapazen der letzten Tage die Partie gut an. Im ersten Durchgang lagen die Hausherren nach einer 1:0-Führung der Lübecker meist in Front. Daran hatten vor allem Kyung-Shin Yoon, Francois-Xavier Houlet und Sead Kurtagic mit zusammen elf der insgesamt 13 Treffer im Durchgang eins maßgeblichen Anteil. Und auch nach der 13:9-Pausenführung spielte zunächst eigentlich nur eine Mannschaft, der VfL Gummersbach. Kreisläufer Jörn Ilper und dreimal Nick Yoon sorgten dann für die bereits erwähnte Sieben-Tore-Führung nach 39 Minuten. Auch beim 21:15 noch 13 Minuten vor Ultimo dachte keiner der Fans in der Halle, Gummersbach würde den wichtigen Sieg nochmals aus der Hand geben weit gefehlt!
[Ein Yoon alleine reicht halt nicht.]
Schwartaus Trainer Fältnäs ließ nun den bis dato überragenden Yoon durch Rene Boertiz kurz nehmen mit Erfolg, denn in der Folgezeit gelang dem Koreaner außer einem Strafwurf-Tor kein Treffer mehr. Dafür traf plötzlich ein anderer, nämlich Schwartaus Kreisläufer Peter Möller, einmal vom Kreis und zweimal durch Tempogegenstoß nach Fehlversuchen von Kurtagic und Beers. Beim 18:21 zehn Minuten vor dem Abpfiff waren die Gäste plötzlich wieder im Spiel. Zwar erhöhte Yoon per Siebener nach einer Gummersbacher Auszeit nochmals auf vier Tore, aber in Unterzahl (!) kam Bad Schwartau durch Tormod Moldestad und Andrej Kurtschew auf 20:22 heran.
[Tragisch Figur beim VfL: Rechtsaußen Sead Kurtagic machte vier schöne Tore, aber auch entscheidende Fehler (linkes Bild). Jan Stankiewicz traf keine Schuld am Punktverlust (rechts).]
Houlet traf dann zum 23:20, aber den erwähnten Fehlpass von Kurtagic bestrafte Joakim Agren per Tempogegenstoß (57.). Nach einer Glanzparade von Schwartaus Keeper Goran Stojanovic (Ilper scheiterte), der in den letzten Minuten der Partie nach einem mäßigen Beginn doch noch seine wahre Klasse zeigte, sorgte zweimal Jonas Ernelind per Siebenmeter zwei Minuten vor dem Abpfiff für den Ausgleich.
Auch Houlets Gewaltwurf zum 24:23 90 Sekunden vor der Schlusssirene reichte nicht, denn nach einem technischen Fehler von Moldestad, der wegen Meckerns sogar noch vom Feld musste, produzierte Gummersbachs Houlet ein Stürmerfoul. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 40 Sekunden zu spielen und Gummersbach wohlgemerkt in Überzahl. Schwartau setzte alles auf eine Karte, nahm den Keeper raus. Für ihn kam Teddy Nordling zusätzlich in den Angriff, und mit seinem zweiten Tor ließ er die Gäste zehn Sekunden vor Schluss jubeln.
[Ratlosigkeit bei Thomas Happe nach dem Spiel. Hier beratschlagt er sich mit "Nick", doch am Ende reichte es nicht zum doppelten Punktgewinn.]
Trainerstimmen nach dem Spiel:
Anders Fältnäs (Bad Schwartau): "Das war ein mehr als glücklicher Punktgewinn für uns. Wenn man ein 10:17 in 20 Minuten noch umbiegt, muss man einfach zufrieden sein. Gummersbach hat völlig verdient zunächst das Spiel bestimmt, denn wir waren einfach schlecht. Dass Gummersbach dann das große Nervenflattern bekam, war unser Glück."
Thomas Happe (VfL Gummersbach): "Es gibt keine Entschuldigung für diesen Punktverlust. Wir haben uns einfach dumm angestellt und sind an den zahlreichen vergebenen Chancen gescheitert. Besonders ärgert mich, dass wir wieder genau die gleichen Fehler wie in den letzten Monaten gemacht haben. Ich weiß einfach nicht, was ich denen noch alles sagen soll. Dennoch glaube ich, dass wir, wenn die Verletzten wieder dabei sind, das Ruder in der zweiten Saisonhälfte noch rumreißen können."
VfL Gummersbach:
Jan Stankiewicz (1.-47/51.-60. --- 9 Paraden)
Egon Graf
Kyung-Shin Yoon (10/2)
Hyun-Ho Choi
Tobias Schröder
Oliver Plohmann (nur in der Deckung)
Jörn Ilper (3)
Marco Beers (1)
Francois-Xavier Houlet (5)
Dirk Hartmann (n.e.)
Sead Kurtagic (4)
Alexander Bommes (1)
[Ab der 50. Minute ordnete Schwartaus Coach Fältnäs Manndeckung für Yoon durch seine Nummer 15, Rene Boertiz, an.]
SG VfL Bad Schwartau/Lübeck:
Goran Stojanovic (13 Paraden)
Steffen Reider
Teddy Nordling (2)
Andrej Kurtchev (5)
Kjell Landsberg
Jonas Ernelind (5)
Peter Möller (4)
Joakim Agren (4)
Tormod Moldestad (3)
Rene Boertiz (1)
Andre Buschmann
Zuschauer: 800.
Schiedsrichter: Bernd und Harald Andler aus Stuttgart.
Siebenmeter: 2:4 2:4.
Zeitstrafen: 2:8 Minuten (Yoon zweimal Moldestad, Agren, Landsberg).
Beste Spieler: VfL: Kyung-Shin Yoon, Jörn Ilper - Bad Schwartau: Andrej Kurtschev, Peter Möller, Goran Stojanovic.
Spielfilm: 0:1 (1.), 4:4 (11.), 8:6 (20.), 11:8 (27.), 13:9 (Halbzeit) 17:10 (39.), 21:15 (48.), 21:18 (50.), 23:20 (55.), 23:23 (59.), 24:24 (Endstand).
Ergebnisse und Tabelle