Bilder: Vera Marzinski --- Julian und Roman Wasserfuhr sind Preisträger mehrerer nationaler und internationaler Jazz-Wettbewerbe und präsentierten jetzt in heimatlichen Gefilden ihre neuste CD.
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Roman und Julian Wasserfuhr präsentierten Running
Wipperfürth Zwei feste Größen der deutschen Jazzszene sind die beiden Hückeswagener Brüder mittlerweile und begeisterten mit ihrer Musik auch einheimisches Publikum in der ausverkauften Alte Drahtzieherei.
Von Vera MarzinskiDas neue Album Running ist komplett in Hückeswagen im eigenen Tonstudio entstanden. Selbst aufgenommen, selbst abgemischt. Und irgendwann genauer gesagt im Herbst 2013 kam der Moment, als die Musik hinausging in die Welt. Die Musiker: Roman Wasserfuhr am Piano und Julian Wasserfuhr an der Trompete. Sie treten auf großen Bühnen auf wie New York, Tokio, New Sea Festival , aber auch auf kleinen, wie in der ausverkauften Alte Drahtzieherei Wipperfürth. Seit ihrem Album-Debüt I remember Chet (2006) sind Julian und Roman Wasserfuhr eine feste Größe in der deutschen Jazzszene und auf allen renommierten Festivals zuhause. Ihre Musik schmeichelt sich ins Ohr, fühlt sich gut an. In Wipperfürth stellten Roman und Julian Wasserfuhr ihre nunmehr vierte CD vor. Eine angenehme Detailfülle mit viel Leichtigkeit und Melancholie, die authentisch wirkt. Dabei ist die Musik immer atmosphärisch dicht.
Kongeniale Begleiter haben sich die zwei dazu genommen. Die Brüder kommen zum einen mit ihrem Quartett, dass von zwei Rhythmus-Experten vervollständigt wird. Am Schlagzeug und auch auf dem Glockenspiel Oliver Rehmann - und den Bass zupft souverän Benjamin Garcia Alonso. Zu dem hat Julian auch so einiges zu erzählen. Zur Vorstellung ihrer CD Gravity auf Schloss Elmau im bayerischen Alpenland sei Alonso oft im Fitnessraum gewesen. Sein Anblick auf dem Laufband habe sie zu dem Titel Adonis inspiriert. Das kommt mit einem sehr verschmitzten Lächeln daher. Einen ganz speziellen Humor hat der jüngere Wasserfuhr-Bruder, der bei den Wipperfürthern super ankommt. Roman, der Ältere, wenn auch gerade erst mal 29 Jahre alt, ist der reifere Part und der moderate Moderator mit großem Sympathie-Level.
[Julian Wasserfuhr]
Weiterer Begleiter ist zum einen in brillanter Weise Sänger David Rynkowski. Er hat eine warme, gefühlvoll-soulige Stimme, die besonders bei See you again unter die Haut geht. Auch das Joy and Sorrow bereichert er mit seinem Gesang. Dieses Stück hatten die beiden Wasserfuhrs vor acht Jahren geschrieben und erst jetzt wieder aus der Schublade gekramt. Und wir fanden es gar nicht so schlecht, kommentierte Roman. Mit einem Streicher-Quartett - Toshi Tamayo (Violine), Justyna Nisznik (Violine), Gabriel Tamayo (Bratsche) und Mirko Kohlmann (Cello) komplettierten sie die Musikvielfalt auf der Bühne in der Alten Drahtzieherei. Hauptsächlich eigene Kompositionen präsentieren sie, aber auch eine geniale Version von Stings English man in New York. Das LOVE von Bert Kaempfert lässt Julian erst einmal vom Handy in der Urversion erklingen.
Witzig die Erklärung zur Eigenkomposition Hilmar, der war nämlich ein Schüler ihres Vaters. Beim Herumklimpern auf dem Klavier, das eigentlich gar nicht gut für seine Trompeter-Finger sei, fand Julian eine Melodie, erzählte er. Bruder Roman kannte sie längst es handelte sich um Behind Blue Eyes geschrieben von Pete Townshend für The Who. Auch dieses Stück fand Einzug in das Programm am Freitagabend und auf der CD Running und wird zu einer verwunschenen Ballade. Ein weiteres grandioses Stück aus der Feder der beiden Brüder ist Over the ear look oder auch Bachelor. Hier kommt der Running-Effekt durch. Es klingt wie ein Lauf, aber ein glückseeliger.
(Roman Wasserfuhr]
Der Zuhörer merkt, dass sie einfach ihren Melodien vertrauen, die keine Schnörkel suchen. Sie setzen auf den weichen Ton, der ohne Eskapaden auskommt, und nicht zuletzt auf die Emotionen, die sich ungekünstelt daraus ergeben. Überzeugung, Entschlossenheit, Vertrauen und Leidenschaft das braucht man dazu und das hört man in jedem Ton. Mit einem weichen, beinahe samtenen, oft rauchigen Klang seiner Trompete beindruckt Julian Wasserfuhr. Aber auch mit energischen, energiegeladenen und virtuosen Passagen. Gemeinsam machen sie einfach Musik, die mitnimmt und bei der man am Konzertende denkt: Schade, das hätte ich noch länger hören können!, aber dafür konnten sich die Gäste die neuste CD Running ja mit nach Hause nehmen. Aber das erst nach zwei Zugaben Crazy Race und Toccata.
